Das Tier wurde offensichtlich von einem Hund nicht nur angebissen, sondern auch zu Tode gehetzt. Zu welchem Zeitpunkt der Tod eingetreten ist, lässt sich nicht mehr genau feststellen. Jagdpächter Giselher Glatz blieb jedenfalls nichts mehr anderes übrig, als das Tier zur Entsorgung in Leuchau abzuliefern. Der Jagdbogen, in dem sich der Vorfall ereignete, hat eine Fläche von rund 370 Hektar, die sehr wildreich ist.

Der Vorfall überrascht den Jagdpächter nicht sonderlich. "So ungewöhnlich ist das nicht, denn es kam schon öfter vor, dass ein Reh von einem Hund gehetzt wurde. Im Hegnich passierte es bereits zum zweiten Mal, und auch oberhalb der Straße nach Osserich-Weißenbach kam es im Sommer zu einem ähnlichen Vorfall. Aber wir konnten das nicht mehr nachvollziehen", sagt Glatz, demzufolge der oder die Hundehalter bislang nicht ausfindig gemacht werden konnten. "Das Einzige, was ich weiß: Es soll ein großer schwarzer Hund mit weißer Brust gewesen sein."

Bereits 2011 gab es Vorfälle

Bereits im vergangenen Jahr, so Glatz, sei ein Hund bei der Verfolgung eines Rehs an der Kolb-Wiese beobachtet worden. "Es war ein halbhoher, schwarzer Mischlingshund, und ich sagte dem Hundehalter, wenn er rauskommt, erschieß' ich ihn. Der Hund ist dann aber unten an der Wiese entlang gelaufen, und da konnte ich nichts machen."

Es ist längst zur Gewohnheit geworden, dass Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern ins freie Gelände fahren, um ihnen einen ungehinderten Auslauf zu gewähren. "Es gibt heute auch mehr Hunde als früher", spricht Giselher Glatz ein generelles Problem an. "Wenn ich zum Beispiel früh am Schorgasttal entlang fahre, hetzt ständig ein Hund."

Auch sein Jagdgehilfe Johannes Wurster, der in Wirsberg wohnt, derzeit noch Forstwirtschaft studiert und die Prüfung zum Jäger bereits abgelegt hat, nahm in den vergangenen Tagen zwei Dackel wahr, die oberhalb des Schorgasttals im Wald unterwegs waren. "Die beiden haben die ganze rechte Leite durchgemacht."

"Der Hund muss hören"

Natürlich werden die Hundehalter angesprochen, aber die Belehrung fruchtet offensichtlich nicht. Giselher Glatz: "Im Schorgasttal laufen immer Leute entlang, und wenn sie mich kommen sehen, wird der Hund schnell angeleint. Ich sage dann oft, dass das nicht unbedingt nötig ist - nur hören muss er halt." Wenn der Vierbeiner aber nicht gehorsam sei und wildere, dann könne es schon mal sein, dass der Besitzer "den Hund nach Hause tragen muss."

Grundsätzlich versuche er aber, einen Mittelweg zu gehen. "Ich bin höflich, soweit es geht. Wenn man die Leute richtig rannimmt, kann man davon ausgehen, dass die Hochsitze kaputt sind und die Reifen zerstochen. Das habe ich früher schon erlebt, das bringt gar nichts.

Dem Jagdpächter blieb nach dem unliebsamen Vorfall nichts anderes übrig, als das Reh in die Abschussliste einzutragen, die er dem Landratsamt Kulmbach vorlegen muss. "Da hilft auch keine Anzeige gegen Unbekannt." Er sprach in dem Zusammenhang aber noch einen weiteren Vorfall an: "In diesem Jahr wiesen drei Rehe, die ich geschossen hatte, Kleinkaliberschüsse auf. Es wird also auch gewildert in diesem Bereich."