Der 30. Januar 2014 wird wohl als einer der schwärzesten in die Geschichte der Grafengehaiger Horn KG eingehen. Geschäftsführer Jan-Peter Büning hat die zuletzt 47-köpfige Belegschaft gestern in einer Betriebsversammlung darüber informiert, dass die Produktion in Grafengehaig stillgelegt wird.

Stillgelegt werden muss, wie Büning gegenüber der Bayerischen Rundschau gestern deutlich machte. In der Region seien einfach nicht die Produktionskosten zu erzielen, die das Unternehmen zum Überleben am Markt brauche, sagte der Geschäftsführer. Die Fertigung werde nun mit einem Investor fortgeführt, der auch über Produktionsstätten im Ausland verfügt, so Jan-Peter Büning. "Die Marke Horn bleibt erhalten."

In Grafengehaig erhalten bleiben nach seinen Worten Design, Vertrieb und Verwaltung. Wie viele von den zuletzt noch 47 Arbeitsplätzen bei Horn gerettet werden können, kann Büning derzeit noch nicht sagen. "Es wird eine nochmals verschlankte Mannschaft sein", betonte der Geschäftsführer und unterstrich, dass ihm dieser Schritt nicht leicht gefallen sei. Und das umso mehr, als man "mit einer tollen Mannschaft" bis zum Schluss alles unternommen habe, um den Betrieb zu retten. "Das ist ein herber Schlag für uns, wir haben alles versucht, den Standort zu halten."

Während inzwischen feststeht, dass ein Teil des Grafengehaiger Maschinenparks vom Investor - über dessen Identität Jan-Peter Büning keine Angaben machen möchte - übernommen wird, ist die genaue Firmenstruktur noch zu klären. "Die Insolvenz in Eigenverantwortung läuft weiter."

Der Grafengehaiger Bürgermeister Werner Burger hatte sich am Mittwoch noch zuversichtlich geäußert, was die Rettungsbemühungen für das größte Unternehmen in seiner Gemeinde angeht. Gestern dann zeigte er sich von der Produktionseinstellung in der Traditionsfirma "schwer erschüttert". Damit gingen weitere Arbeitsplätze in Grafengehaig verloren. "Und es ist nicht abzusehen, dass wir Ersatz schaffen können", so Burger. Die Firma Horn habe nicht nur über die Gewerbesteuer für "eine Wertschöpfung vor Ort gesorgt". "Und auch das geht nun ein Stück mehr verloren."


Hoffen auf eine neue Chance
"Nur ein kleiner Trost " ist es da für den Grafengehaiger Bürgermeister, "dass es bei Horn nicht ganz aus ist". So müsse man nun das Beste aus der Situation machen und könne nur hoffen, dass sich eine neue Chance für das Unternehmen ergibt.

Die Horn KG war durch die generell schwächelnde Marktsituation für Dekostoffe, den Importdruck aus Billiglohnländern und die Kreditkündigung einer Bank in Schieflage geraten. Im März 2013 war der Antrag auf Insolvenz in Eigenverantwortung bei Gericht gestellt worden. Eine Zerschlagung des Betriebs war dadurch nicht nötig, das Unternehmen konnte eine - wie auch immer geartete - Neuausrichtung planen und mit der bestehenden Geschäftsführung um Jan-Peter Büning und Karl Horn den Weg aus der Krise suchen. Der Rechtsanwalt Stefan Oppermann aus der Nürnberger Niederlassung der Insolvenzverwalterkanzlei Curator AG stand den Grafengehaigern seitdem als Sachwalter zur Seite.

Von den ursprünglich 78 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern - zum Teil über Jahrzehnte im Haus beschäftigte Kräfte - mussten zunächst 31 gehen, inzwischen haben alle ihre Kündigung bekommen.
Die so genannte Ausproduktion in Grafengehaig wird bis 28. Februar fortgeführt.