Wenn sie es nicht schon vorher wussten - spätestens beim Plädoyer des Staatsanwalts dürfte den Angeklagten am Dienstag der Ernst ihrer Lage klar geworden sein. Julius Klug forderte für das Trio, das die Menschen im Raum Kulmbach über Ostern mit einer Brandserie in Atem gehalten hat, hohe Freiheitsstrafen.

Zwei Brüder (20 und 18) sowie ein dritter junger Kerl ( 21) haben damals unter anderem beim "Waldschlössla" (Gemeinde Ködnitz) einen Harvester abgefackelt und beim Wehrhaus in der Nähe von Unterdornlach Feuer gelegt und das Einzelanwesen schwer beschädigt. Am Dienstag hatten sie einen langen Prozesstag vor sich. Es war der dritte - hier der Bericht vom zweiten Tag.

Schneller Erfolg der Polizei

Mit der Festnahme der drei Heranwachsenden am Ostermontag - es war der 2. April - konnte die Polizei einen schnellen Erfolg melden. Der Zugriff gelang einem Team der Zivilen Einsatzgruppe.

Zwei Beamte kontrollierten das gesuchte Auto im Bereich Heinersreuth/Tierheim. "Sie waren sehr aufgeregt und wussten schon, was los ist", sagte einer der Polizisten. Das Fahrzeug wurde durchsucht - Feuerzeuge, Benzinkanister, Brandbeschleuniger und zahlreiche an den verschiedenen Tatorten gestohlene Warnleuchten kamen zum Vorschein. Spätestens, als man bei den drei Verdächtigen versengte Haare an Kopf, Händen und Unterarmen entdeckte, war klar: Das müssen die Serienbrandstifter sein.

Während das Brüderpaar die Taten gleich gestand, berief sich der dritte Mann auf eine totale Amnesie. "Erinnerungslücken lasse ich nicht gelten", sagte Volkmar Blendl, Chefarzt der Forensischen Psychiatrie Bayreuth. Der 21-Jährige habe ihm berichtet, dass ihm geraten worden sei zu schweigen, so der Gutachter.

"Im Klartext: Da hat er gelogen", stellte Vorsitzender Richter Michael Eckstein fest. Der Angeklagte änderte dann sein Verhalten, aber bei seiner Befragung kam nicht viel raus.

Mental wie ein Kind

Es handelt sich ohnehin um einen schwierigen Fall: Bei ihm wurden eine Minderbegabung und eine tiefgreifende Entwicklungsstörung festgestellt. Sein mentales Alter sei kindlich; er komme, allein auf sich gestellt, mit seinem Leben nicht zurecht, sagte der Sachverständige, der dem jungen Mann eine verminderte Schuldfähigkeit bescheinigte. Er sei leicht verführbar, davon hänge seine Gefährlichkeit ab.

Stefan Fürst von der Jugendgerichtshilfe am Landratsamt Kulmbach sah bei allen drei Angeklagten schädliche Neigungen. Er empfahl jeweils die Anwendung des Jugendstrafrechts. Bewährung befürwortete er nur beim jüngeren Bruder.

"Was sich an den Ostertagen im Raum Kulmbach abgespielt hat, sucht seinesgleichen", sagte Staatsanwalt Klug. Bis dahin strafrechtlich noch nie aufgefallen, hätten die Angeklagten beschlossen, ihrem Leben an der Spielkonsole eine Wendung zu geben. Bei der völlig unbegreiflichen Straftatenserie seien sie skrupellos vorgegangen. Das Trio habe zunehmend Gefallen daran gefunden, Feuer zu legen. Der Gipfel sei die schwere Brandstiftung bei dem Wochenendhaus gewesen. "Es war ihnen egal, ob sich dort jemand aufhielt: Sie wollten das Wehrhaus brennen sehen", so Klug.

Wegen Diebstahl, Diebstahl mit Waffen und Sachbeschädigung sowie Brandstiftung und schwerer Brandstiftung mit einem Schaden von 270.000 Euro forderte der Staatsanwalt folgende Einheitsjugendstrafen: vier Jahre und fünf Monate für den älteren Bruder, zwei Jahre und neun Monate für den jüngeren Bruder sowie drei Jahre und zehn Monate für den dritten Mann - jeweils ohne Bewährung.

Völlig sinnlos

Die Verteidiger Werner Brandl, Ralph Pittroff und Frank Stübinger, alle Kulmbach, sprachen von völlig sinnlosen Taten. "Es begann mit Kleinigkeiten und endete mit monströsen Straftaten", so Brandl.

Der Rechtsanwalt sprach sich beim 21-Jährigen für eine "Strafzumessung mit Augenmaß" aus: zwei Jahre und vier Monate. Sein Kollege Stübinger plädierte beim jüngeren Bruder auf ein Jahr und neun Monate mit Bewährung. Als einziger sei er um Schadenswiedergutmachung bemüht. Anwalt Pittroff führte ins Feld, dass sein Mandant Schuldeinsicht und Reue zeige, und hielt eine Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten für ausreichend.

"Eine Scheißaktion"

Am Schluss entschuldigten sich die Angeklagten. Es tue ihnen leid. "War eine Scheißaktion", meinte der ältere Bruder.

Die Jugendkammer verkündet ihr Urteil am Freitag.