Kaum war durchgesickert, dass sich die Kulmbacher AfD im Wahlkampf prominente Unterstützung aus Thüringen holt, formierte sich Protest: "Lasst uns Herrn Höcke angemessen begrüßen!" war zum Beispiel in sozialen Netzwerken zu lesen.

Björn Höcke, Vorsitzender der Thüringer AfD und Sprecher der Landtagsfraktion, gilt als Rechtsausleger seiner Partei. Er ist Gründer des rechtsnationalen "Flügels" der AfD, der vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall im Bereich Rechtsextremismus eingestuft wird.

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Es hat sich ein breites Bündnis gebildet, das unter dem Motto "Kulmbach, für Demokratie, Toleranz und Menschlichkeit" am 14. Februar ab 17 Uhr zu einer Gegendemonstration auf dem Eku-Platz aufruft. Führend in der Organisation sind Matthias Hahn (SPD) und Michael Otte (FDP), die am Donnerstag eine entsprechende Veranstaltung angemeldet haben.

Bei Krawall Platzverweis

Mit im Boot sind Matthias Hahn zufolge zahlreiche Parteien und Gruppierungen: unter anderem die CSU, FDP, Grüne, Linke, die Mut-Partei, "Die Partei", der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Evangelische Jugend, die Initiative Transition Kulmbacher Land, Amnesty International, der Verein "Kulmbach ist bunt" sowie die türkische Gemeinde. "Es soll ein buntes Fest werden", sagt Hahn, der betont, dass man nicht auf Krawall und Konfrontation aus sei, sondern friedlich deutlich machen wolle, dass es einen breiten Konsens gegen die rechtsextremen Positionen Höckes gibt. "Wir werden dafür sorgen, dass Leute, die Krawall machen, von der Polizei einen Platzverweis bekommen."

Musik und Lesungen

Was ist geplant? Noch in diesem Tagen sollen kurze Videos mit Statements von Politikern unterschiedlichster Richtungen produziert werden, die dann während der Veranstaltung per Beamer an einer Hauswand zu sehen sind. Es wird musikalische Darbietungen verschiedener Bands und kurze Lesungen geben. "Wir demonstrieren nicht gegen etwas - sondern für Demokratie und Toleranz!"

"Das wäre das falsche Signal"

Die Organisatoren gehen von mindestens 500 Teilnehmern an der Veranstaltung aus. Mitveranstalter der Demo ist die FDP, deren Kreisvorsitzender Michael Otte ebenfalls nicht auf lautes Pfeifen oder Krawall setzt. "Das wäre das falsche Signal, denn Krawalle sind für die AfD wie Applaus." Die demokratischen Parteien müssten am Freitag ein Zeichen setzen gegen die Rechten, "die unser demokratisches System abschaffen wollen". Aus dem Geschehen in Thüringen, wo sich Thomas Kemmerich (FDP) mit AfD-Stimmen zum Ministerpräsidenten habe wählen lassen, könne man seine Lehren ziehen: "dass man sich von denen nicht instrumentalisieren lässt, nicht über jedes Stöckchen hüpft, das die AfD uns hinhält." Otte will bei der Gegendemo kundtun, was er vom "Faschisten" Höcke und seinen Gefolgsleuten hält. Mit Sachlichkeit und Besonnenheit müsse man die Rechten entlarven. Er warnt ausdrücklich davor, jeden zu beschimpfen, der in die Stadthalle geht. Es werde Nicht-AfD-Sympathisanten geben, die sich die Rede des "Demagogen Höcke" anhören wollen, um sich ein Bild davon zu machen, welche Gefahren von diesem ausgehe.

Dass die AfD eine große Gefahr für die Demokratie darstellt, will auch ein Gastredner bei der Gegendemo herausstellen: Karl Graf von Stauffenberg, ein Enkel des Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg, den die FDP für die Veranstaltung gewinnen konnte.

Polizei bekommt Verstärkung

Dass es zu Auseinandersetzungen zwischen AfD-Anhängern und der Protestkundgebung kommt, ist nicht auszuschließen. Die Polizei wird gewappnet sein. Man stehe bei den Planungen in engem Kontakt mit dem Landratsamt und der Stadt, sagt der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken, Alexander Czech. Es sei davon auszugehen, dass neben den Beamten der örtlichen Inspektion weitere Einsatzkräfte aus Oberfranken für Sicherheit sorgen.

Keine Straßensperrungen

Straßensperrungen wird es, anders als bisweilen in Kulmbach kolportiert, wohl nicht geben. Das sagt Helmut Völkl, Leiter des städtischen Tourist- und Veranstaltungsservices. Für die Veranstaltung in der Stadthalle gebe es Sicherheitsauflagen, um einen geordneten Ablauf zu gewährleisten. Der Stadt sei es wichtig, dass die Allgemeinheit durch die Veranstaltung möglichst wenig beeinträchtigt werde. "Die bereits angekündigten friedlichen Gegendemonstrationen werden von der Stadt und den für das Versammlungsrecht zuständigen Sicherheitsbehörden - Landratsamt Kulmbach, Polizei - durch geeignete Maßnahmen kooperativ unterstützt."

Kommen Verfassungsschützer?

Ob die AfD, allen voran Björn Höcke, unter Beobachtung der Verfassungsschützer steht? Die Pressestelle des Bundesamts für Verfassungsschutz hält sich hier bedeckt. "Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu personenbezogenen Anfragen grundsätzlich nicht äußern können. Zu Ihren Fragen, die die AfD betreffen, können wir uns derzeit aus rechtlichen Gründen ebenfalls nicht äußern, da hier ein laufendes Gerichtsverfahren anhängig ist", heißt es in einem schriftlichen Antwortschreiben.

Davon, dass Verfassungsschützer die Veranstaltung in der Stadthalle verfolgen werden, ist jedoch mit Sicherheit auszugehen.