Es ist ein Sommer der Superlative: Seit April jagt ein Hitzerekord den nächsten. Es regnet selten und viel zu wenig. Viele freut das schöne Wetter, doch die extreme Trockenheit ist brandgefährlich: Seit einigen Tagen gilt die höchste Waldbrandgefahrenstufe 5. Alle Forstmitarbeiter sind jetzt besonders wachsam, aber auch die Feuerwehren werden vermehrt zu Einsätzen gerufen.

Erst am Montagnachmittag stand im Kulmbacher Ortsteil Burghaig ein Feld in Flammen - ein Funkenschlag zwischen einer Erntemaschine und einem Stein genügte als Auslöser - rasend schnell breiteten sich die Flammen über eine Fläche von 2000 Quadratmetern aus. "Nur mit Muskelkraft und Schaufeln konnten wir die angrenzende Scheune halten. Das Stroh auf dem Scheunenboden hatte bereits Feuer gefangen. Der Landwirt und ich haben die Flammen ausgeschlagen, bis die wasserführenden Fahrzeuge da waren", erzählt Stadtbrandmeister Michael Weich.


Tausende Liter Wasser

Alle fünf Tanklöschfahrzeuge der Kulmbacher Feuerwehr plus zwei der Feuerwehr Mainleus waren im Einsatz - mit Tausenden Litern Wasser, die gebraucht wurden, um die Flammen zu löschen.

Der Brand war nicht der erste dieser Art und wird nicht der letzte sein. Am vergangenen Samstag geriet eine Böschung in Lösau auf 30 Metern Länge in Brand. Auch hier hatten die Flammen schon auf das angrenzende Stoppelfeld übergegriffen, berichtet Michael Weich. "Die Landwirte haben schnell und sehr gut reagiert, mit mehreren Traktoren das ganze Feld umgepflügt und so die Flammen erstickt."
Im Landkreis haben in den letzten Wochen schon mehrmals Getreidefelder gebrannt. "Seit Erntezeit ist, haben wir ständig derartige Feuer", so Kreisbrandrat Stefan Härtlein.

Häufige Einsätze sind für die Einsatzkräfte eine große Herausforderung. Die 3400 Feuerwehrleute im Landkreis sind schließlich alle ehrenamtlich tätig. Trotz Urlaubszeit: "Wir verfügen verfügen personell über eine solide Basis", sagt Kreisbrandrat Härtlein. "In jeder Gemeinde haben wir mindestens eine Feuerwehr. Mit 14 Wehren gibt es im Kulmbacher Stadtgebiet die meisten."

Es sind jedoch wegen der aktuellen Hitzeproblematik nicht mehr Leute auf Abruf einsatzbereit als sonst: "Das kann man bei einer Berufsfeuerwehr machen, aber nicht bei Ehrenamtlichen", so Stadtbrandmeister Weich.

Doch bisher habe man alle Einsätze ohne Probleme stemmen können. Das waren übrigens nicht wenige. "Wir hatten in den letzten Tagen eine Menge Zusatzbelastungen." Personenrettungen gehörten dazu, eine Notfalltüröffnung, eine verrauchte Wohnung durch angebranntes Essen, Einsätze bei Verkehrsunfällen - nicht zu vergessen die Sondereinsätze zur Bierwoche: "Da brauchen wir zusätzlich 66 Mann Personal, um die insgesamt elf Wachen abzudecken."

Und wie sieht's mit dem Löschwasser aus? Gibt es da angesichts der großen Trockenheit schon Engpässe? "Dafür sind primär die Kommunen verantwortlich", sagt Kreisbrandrat Härtlein. "Wir von der Feuerwehr sind da nur der verlängerte Arm. Bisher hatten wir in dieser Hinsicht aber keine Probleme."

Der Bedarf wird über Tanklöschfahrzeuge, Hydranten und Löschwasserbehälter gedeckt. "Bei einem großen Waldbrand müssten wir zusätzlich Schlauchwagen anfordern, die mit 2000 Metern Schlauch ausgerüstet sind. Da kann man dann eine lange Leitung legen", so Michael Weich. Im Extremfall kämen Hubschrauber mit Außenlastbehältern zum Einsatz, die am Oberauhof oder am Trebgaster Badesee jeweils 500 Liter Wasser aufnehmen und über dem Brandort entleeren könnten. Weich: "Das hatten wir in meiner 40-jährigen Laufbahn bei der Kulmbacher Feuerwehr allerdings noch nie."

Froh sind die Feuerwehren über die tatkräftige Unterstützung der Landwirte. Fast überall stehen mit Wasser gefüllte Güllefässer bereit. Die braucht der Landwirt nur an den Traktor anzukuppeln. "Ein Traktor mit Güllefass ist sehr viel wert", sagt der Stadtbrandmeister, "denn der kommt auch an Stellen hin, wo man mit einem großem Tanklöschfahrzeug nicht hinfahren kann."


Mitdenken und vorsichtig sein

Und wie verhält man sich als Bürger richtig? Ganz einfach: Mitdenken! "Tabu ist derzeit alles, was einen Brand verursachen könnte", sagt Erwin Burger, Sachgebietsleiter Öffentliche Sicherheit und Ordnung am Landratsamt Kulmbach. Konkret bedeutet dies, dass man keine Feuer schürt, auch auf privaten Grundstücken nichts verbrennt, Raucher ihre Zigarettenkippen sorgfältig löschen. Während diese Tipps naheliegend sind, kommt man auf andere einfache Vorsichtsmaßnahmen nicht auf Anhieb: Eine Glasscherbe wirkt in der Sonne wie ein Brennglas, und wer sein Auto auf einem Randstreifen an der Straße abstellt, riskiert, dass der heiße Katalysator dürres Gras entzündet und das Auto samt des Randstreifens im Windeseile in Flammens steht.


Luftbeobachter täglich unterwegs

Um die Brandgefahr einzudämmen, sind seit Mittwoch jeden Tag auch Luftbeobachter mit Flugzeugen unterwegs: Erwin Burger: "Der Frankenwald wird seit Mittwoch jeden Tag überflogen. Das war bisher nur am Wochenende der Fall."


Die Sorgen der Försterin

Carmen Hombach hat derzeit nur einen Wunsch: "Regen!" Die Situation im Wald ist angesichts der andauernden Trockenheit sehr kritisch, sagt die Kulmbacher Stadtförsterin. Und das nicht nur wegen der akuten Waldbrandgefahr.

"Wir haben im Frühjahr 12 000 Buchen gepflanzt. Die haben den Extremsommer bis jetzt vergleichsweise gut überstanden. Aber wenn das so weiter geht, werden die Bäume vertrocknen. Auch die Birken werden jetzt schon braun." Der heiße Sommer erhöht zudem die Borkenkäfergefahr.

Probleme sieht Hombach auch hinsichtlich der bevorstehenden Herbstpflanzungen. "Wir brauchen dafür unbedingt eine gute Bodenfeuchte." Ende Oktober, spätestens Anfang November möchte die Förstern Ahorn und Lärche pflanzen lassen, außerdem Wildobst-Hecken am Waldrand.