43 der zuletzt noch 45 Mitarbeiter der Holtz AG werden ihre Kündigung erhalten, wie ein hörbar enttäuschter Insolvenzverwalter Ulrich Graf am Telefon erklärte. Mit zwei Beschäftigten ist ein Aufhebungsvertrag abgeschlossen worden.

"Kaum noch Chancen

"Bedauerlicherweise kam es nicht zur Vertragsunterzeichnung. Damit gibt es kaum noch Chancen, das Unternehmen fortzuführen und Arbeitsplätze zu retten", sagte Ulrich Graf. Bestehende Aufträge werden nach Aussage des Insolvenzverwalters noch abgearbeitet. Dann werde der Betrieb aber voraussichtlich geschlossen. "Neue Aufträge werden nicht mehr angenommen. Voraussichtlich bis Anfang April wird die Ausproduktion dauern."
Die dem Investor in Aussicht gestellte Finanzierung habe Bedingungen enthalten, die dieser nicht habe annehmen können, "weil dies auch das bestehende Unternehmen des Interessenten gefährdet hätte", erklärte der Insolvenzverwalter, der die Belegschaft am Freitag über die unerwartete Wende informiert hat. Die Mitarbeiter hätten gefasst reagiert und zugesagt, eine vernünftige Abwicklung des Unternehmens mit zu tragen.

"Wirklich gute Mannschaft"

"Ich bedauere diese Entwicklung sehr", stellte der Insolvenzverwalter fest, der der Belegschaft sein Mitgefühl ausdrückte: "Wir haben hier eine wirklich gute Mannschaft, die ihr Handwerk versteht, kompetent ist und in einer sehr schweren Zeit zusammengehalten hat. Sie ist nicht auseinandergebrochen und konnte sogar neue Aufträge akquirieren." Die Mitarbeiter tragen laut Graf keine Schuld an der Insolvenz. "Es tut mir sehr leid, dass wir ihnen keine Perspektive bieten können."
Auch der gestern zusammengerufene Gläubigerausschuss, der eigentlich damit gerechnet hatte, einen Kaufvertrag für das Druckerei-Unternehmen zu unterzeichnen, ist nach Aussage des Insolvenzverwalters über die Entwicklung informiert. Die weitere Vorgehensweise sei mit dem Gläubigerausschuss abgestimmt. Die Betriebsstilllegung sei vom Gremium auch bereits gebilligt worden.

Auch IDV hat keine Zukunft

Der Geschäftsbetrieb der hundertprozentigen Holtz-Tochter, der IDV, war bereits am Donnerstag eingestellt worden. "98 Prozent der IDV-Umsätze kamen von Holtz", sagte der Rechtsanwalt. Die bei der IDV beschäftigten 16 Vollzeitmitarbeiter sowie die Aushilfskräfte sind laut Insolvenzverwalterin Constance Friedlein ebenfalls bereits gekündigt und freigestellt worden.
Seit Dezember war nach einer Lösung gesucht worden. Es habe Gespräche mit sieben potenziellen Investoren gegeben, so Ulrich Graf. Sechs seien nicht in weitere Verhandlungen eingestiegen, "nachdem sie die Analyse der Firmendaten ausgewertet hatten".

Schon 2011 gab es Verluste

Die Holtz AG hatte laut Graf schon seit einiger Zeit Verluste geschrieben. So sei das Jahr 2011 bei einem Umsatz von 11,7 Millionen Euro mit einem Verlust von 1,2 Millionen Euro abgeschlossen worden.
Die Verhandlungen mit der Kollin Medien GmbH waren weit gediehen. Sie seien zunächst sehr erfolgversprechend verlaufen, so der Rechtsanwalt. Ein Vertragsentwurf sei bereits ausgehandelt worden. Auch das Mitarbeiterkonzept habe man schon abgestimmt. Der Interessenausgleich für die Beschäftigten, die nicht übernommen werden sollten, sei mit dem Betriebsrat vorverhandelt worden. "Das kommt nun leider aber nicht mehr zum Tragen."

Schaar: Herber Schlag

Holtz-Betriebsratsvorsitzender Matthias Mehringer war gestern Nachmittag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Von einem "herben Schlag" für Neudrossenfeld sprach Bürgermeister Dieter Schaar. "Es ist ein trauriger Moment, denn damit sind viele Einzelschicksale verbunden", sagte Schaar, der die Hoffnung aber noch nicht ganz aufgegeben hat. "Ich wünsche mir, dass der Insolvenzverwalter in den nächsten Wochen doch noch Lösungswege aufzeigt."