Man wird sie nie wieder hören, die Musik, die wummernden Beats, man wird hier nie wieder das Disco-Fever spüren: Die Diskothek "Halifax" macht zu, und das ist ein Verlust für die Jugend, wie man am letzten Abend hörte.

Das Osterwochenende ist nochmals ein Spiegelbild der früheren Zeit, es waren die ultimativen zwei Nächte an der B 85 in Himmelkron. Dumpfe Bässe, fluoreszierende Lichtkegel, Goldfäden vom Disco-Himmel, Gogo-Tänzer in den zwei Käfigen. Hohe Dezibel und Menschenmassen auf der etwa 1500 Quadratmeter großen Tanzfläche, die nicht ausreicht zum Mitmachen. Deshalb zuckend die Körper auch an der Bar, an den Tischen, in den Gängen. Man ist aufgeladen mit 1000 Volt, es herrscht ein Höllenlärm, so, wie die jungen Leute das lieben. Alles ist friedlich.

Ein Bier oder einen Cocktail in der Hand, es ist ein geiler Abschied, den knapp 2000 Leute am Samstagabend miterleben wollten. Und dank mehrerer DJs wird die Nacht zum Tag.

Nils aus Ludwigschorgast ist mit Lea und Nadja gekommen, alle drei verspüren ein bisschen Nostalgie. "Ich war viele Jahre Stammgast, schade, dass es vorbei ist", sagt Nils. Der Hip-Hop und der Rap seien schon toll gewesen. "Wir bleiben heute bis die lila Wolke am Himmel zu sehen ist."
Matthias aus Kulmbach, seit einem halben Jahr verheiratet, zeigt seiner Frau, wo er früher getanzt hat. Sie ist das erste Mal hier. "Ich wollte einmal im 'Fax' sein", sagt Natalie und lacht. "Wir tanzen heute gemeinsam in den Ostermorgen."

Die 51-jährige Christine ist mit ihrem Freund Michael aus Neustadt an der Orla in Thüringen angereist. "Ich hab da mal in der Sportsbar gearbeitet, das war schön, eine gute Zeit", sagt sie, nimmt Michael am Arm, und hinein geht es ins Getümmel. Und Stella aus Bayreuth war direkt verliebt ins Halifax als sie jung war. "Das war mein zweites Zuhause", verrät sie. Daher sei es ein Muss gewesen, hier Ostern zu feiern.

Mehr Neugierde trieb den 34-jährigen Christian aus Neudrossenfeld nach Himmelkron. Er fühlt sich aber wohl, "richtig cool ist das hier". Er bedauert es ein bisschen, dass er die Disco erst so spät entdeckt hat.

Auch die hippe Yvonne aus Erfurt verteilt Pluspunkte fürs Halifax. "So was gibt's bei uns nicht mal in der Landeshauptstadt." Die Szenerie, die sie seit 2002 kenne, sei einmalig. Und extra aus dem 120 Kilometer entfernten oberpfälzischen Floß ist der dortige Burschenverein mit dem Bus zur Abschiedsparty angereist.

Einer, der das "Halifax" 2005 übernommen, umgebaut und erweitert hat mit Investionen von rund 3,5 Millionen Euro, ist Ralf Wanka. "Es war nicht einfach, das finanzielle Risiko zu steuern", erzählt der Hesse aus Darmstadt, denn in den letzten fünf Jahren hätten sich die Besucherzahlen fast halbiert. Um ein Mädel kennenzulernen, genüge heute oft das Internet, sinniert Wanka. Das sei aber nicht allein verantwortlich, "man wird älter", räumt der 50-Jährige ein. Wenn er hier wohnen würde, wäre es vielleicht anders. Aber dieses ständige Pendeln!

Wanka blickt ohne Zorn zurück: "Ich höre mit einem lachenden und weinenden Auge auf."
Ein bisschen stolz ist er, große Stars wie die Rapper "Flo-Rida" und "Pitbull" nach Himmelkron gebracht und die Szene belebt zu haben. Sein Fazit: Es waren 13 "schee Johr", die gute Zeit nehme er mit nach Hessen. Und er lobt schließlich das gute Verhältnis zur Gemeinde Himmelkron, zum Landratsamt Kulmbach und zur Polizei.