In ihrer Mittagspause sitzt die sympathische Trainerin des A-Kaders der deutschen Faustballdamen-Nationalmannschaft am einladenden Esstisch in ihrer Katschenreuther Wohnung und erzählt. "Faustball ist ein Sport, der viel Eigenmotivation und Engagement erfordert", sagt Silke Eber. Sie selbst fing bereits in ihrer Schulzeit für diesen Sport Feuer. Dr. Michael Pfitzner, ihr damaliger Klassenlehrer, war Jugendtrainer und gründete die erste Faustball-Mädchenmannschaft. "Der Sport hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich dabei geblieben bin."

Froh um jeden Betreuer

Nachdem sie viele Jahre selbst beim ATS Kulmbach gespielt hatte, wurden Trainer für den Kinderbereich benötigt - Silke Eber war inzwischen alt genug dafür. "Keiner von uns hatte da eine Trainerausbildung. Man war froh, wenn sich jemand um das Kindertraining kümmerte."

Ihre aktive Karriere als Spielerin musste sie 2001 aufgrund einer Ellenbogenverletzung beenden. Fortan trainierte sie die A-Jugend und die Damen des ATS. Der Präsident der Deutschen Faustball-Liga (DFBL), Ulrich Meiners, kam 2004 auf Silke Eber zu und fragte sie, ob sie sich nicht im U21-Bereich engagieren wolle. Damit begannen für die Kulmbacherin ereignisreiche Jahre. War sie selbst als aktive Spielerin 1999 mit dem ATS noch deutscher Meister, kann sie als Trainerin auf zwei Europameistertitel und einen Vizeweltmeistertitel zurückblicken. "Viel wichtiger sind mir aber die menschlichen Erfolge. In der Bundesligamannschaft gibt es fünf Spielerinnen, denen ich selbst das Spielen beigebracht habe. Es sind engagierte, junge Frauen, die nicht rauchen, nicht trinken. Darauf bin ich stolz." Und darauf, dass Kulmbach seit drei Spielzeiten in der deutschen Meisterschaft zu den Top-Sechs gehört.

Es sei heute schwer, junge Leute für etwas zu begeistern, wenn es kein Geld dafür gibt. Kritisch sieht die Nationaltrainerin daher auch die Nachwuchsprobleme. "Das Angebot für Kinder ist heutzutage riesig, und ständig gibt es neue Trendsportarten. Zu meinen Anfängen gab es nicht viel, man konzentrierte sich auf eine Sportart. Erziehung, Werte, Angebot, alles ist heute anders." Silke Eber ist jedoch nicht frustriert; sie sieht die Problematik eher als eine Entwicklung, mit der man lernen muss umzugehen.

"Es fehlt der Unterbau"

"In Kulmbach haben wir zwei Jugendmannschaften, aber es fehlt der Unterbau", kritisiert Silke Eber. Kinder brauchen einen direkten Ansprechpartner, einen Motivator, um am Ball zu bleiben. "Hier fehlt es an Ehrenamtlichen." Und dass Faustball kein Breitensport ist, mache sich spätestens dann bemerkbar, wenn junge Leute aus beruflichen Gründen oder für ein Studium wegziehen. "Es ist ein Kraftakt und bedarf viel Eigenmotivation, wenn man eine Stunde zum nächsten Training fahren muss."

Das Finanzielle spielt im Faustball eine untergeordnete Rolle. Im Nachbarland Österreich hingegen hat die Sportart einen ganz anderen Stellenwert, dort ist der Nationaltrainer sogar hauptamtlich beschäftigt. "Das liegt vielleicht auch daran, dass in Österreich Fußball nicht den gleichen Stellenwert hat wie in Deutschland." Im deutschen Fußball werden auch in den niedrigsten Klassen schon Gehälter bezahlt - Faustballerinnen hingegen gehen leer aus.

Als Nationaltrainerin ist Silke Eber im Vergleich zum Fußball-Nationaltrainer auf sich gestellt, macht ohne großen Mitarbeiterstab ihre Video- und Spielanalysen selbst und reist durch ganz Deutschland, um Spielerinnen zu bewerten, zu rekrutieren und zu trainieren. "Leider habe ich keinen Hubschrauber zur Verfügung wie Jogi Löw", sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Sie wolle den Faustballsport nicht mit dem Fußball vergleichen. Ihr ist wichtig, dass der Sport, die Arbeit und die Leistung respektiert werden. "Sicher kommt mein Privatleben oft zu kurz, aber Faustball ist eben meine Leidenschaft", sagt die Bankkauffrau und freut sich auf die nächste WM, die 2014 in Dresden stattfinden wird. Bis dahin läuft ihr Trainervertrag. Wie es weitergeht, wird sie zu gegebener Zeit entscheiden.