Natürlich kann man morgens eiskalt duschen! Wenn man muss. Zum Beispiel, weil die alte Heizung aus- und die neue noch nicht eingebaut ist.

Am Abend ist man noch guter Dinge: Wird schon gehen. Am Morgen, wenn der Wecker klingelt, zieht man sich die Decke noch einmal über den Kopf und sinniert darüber nach, dass das Wort "Morgengrauen" durchaus einen Doppelsinn hat, und dass man vielleicht doch gut daran getan hätte, das Angebot netter Menschen, für einige Tage deren Gästebett samt Dusche zu benutzen, anzunehmen. Und man redet sich selbst gut zu. Immerhin gibt es Millionen Menschen auf der Erde, für die die tägliche warme Dusche ein unerreichbarer Luxus ist.

Dann wagt man es. Nach einigen Tagen hat man die Technik raus. Ganz vorsichtig anfangen bei den Füßen. Dann erst mal die Unterarme. Und dann ein mutiger Guss über den Rest des Körpers.

Jetzt aber nix wie raus aus der Duschkabine. Man ist stolz: Man hat es, wieder einmal, geschafft. Und man fühlt sich erstaunlich frisch.

Irgendwann surrt die Warmwasserpumpe wieder. Welch ein Genuss, langsam, ganz langsam unterm heißen Schwall wach zu werden. Welch ein schönes Gefühl, auch das letzte bisschen Shampoo mit warmem Wasser vom Kopf spülen zu können.

So lässt sich der Tag gut an, sagt man sich. Und stellt dann fest, dass irgendwie doch irgendetwas fehlt: Das Gefühl, ein Held zu sein!