Nach den Zeugenaussagen kamen sowohl Richter Christoph Berner als auch Staatsanwalt Willy Dreise Zweifel. Die anfängliche Anklage: Verkauf von Haschisch in 19 Fällen.

Schon von Anfang an gab es Probleme bei der Verhandlung im Kulmbacher Amtsgericht. Obwohl der Angeklagte sich bereits seit zwei Jahren in Kulmbach aufhält, spricht er fast kein Deutsch und benötigte deswegen einen Dolmetscher, der die Fragen des Richters auf Arabisch übersetzte.

Nach dem Verlesen der Anklage wurde die Sachlage noch undurchsichtiger: der 20-Jährige ist Analphabet. Deutsch kann er gar nicht, Arabisch nur sprechen und den Zahlenraum kennt er nur bis zehn. Angeblich sollte die Kommunikation zwischen ihm und seinen Kunden jedoch per WhatsApp stattgefunden haben - eigentlich unmöglich.

"Ich habe eine Handy-Flat. Deswegen benutzen alle möglichen Leute mein Handy", lässt der Angeklagte über seinen Dolmetscher ausrichten. Somit habe nicht nur er Zugriff auf die Nachrichten.

"Das ist ja schön und gut, aber wir haben zwei Zeugen, die Sie belasten", warf Berner ein. Damit bezog er sich auf zwei bereits wegen Drogenkonsum verurteilte junge Männer, die in der Polizeibefragung angegeben hatten, das Rauschgift von dem Angeklagten bekommen zu haben.

Bei der anschließenden Befragung des ersten Zeugen kamen jedoch schon Zweifel auf. Der 19-jährige Kulmbacher kenne den Angeklagten nur vom Sehen und habe höchstens ein, zwei Worte mit ihm gewechselt: "Ich habe ihm immer per WhatsApp geschrieben. Immer nur Uhrzeit und Geldbetrag. Der Treffpunkt war stets die Rathaustreppe in Kulmbach."
Der Zeuge kann jedoch nicht bestätigen, dass der 20-Jährige wirklich sein Vertragspartner ist. "Bei der Übergabe ist immer jemand anderes gekommen. Ihn habe ich nicht gesehen", gibt der 19-Jährige zu.

Beim zweiten Zeugen sah es ähnlich aus, jedoch habe er zumindest ein einziges Mal vom Angeklagten selbst Haschisch bekommen. Das Problem hierbei: die jetzige Aussage deckte sich nicht mit der vor einigen Monaten gemachten Angaben bei der Polizei.

Richter Christoph Berner zeigte sich enttäuscht: "Die Zeugen können wir eigentlich vergessen. Es ist nicht auszuschließen, dass ein anderer das Handy des Angeklagten benutzt hat."

Es sei zu vermuten, dass der 20-Jährige zumindest für den Kontakt zu den Drogenkonsumenten zuständig war. Das sei allerdings nur eine Vermutung des Richters: "Ein Rest an Zweifel bleibt. Wir können ihm jedoch nichts nachweisen."

Letztendlich einigten sich Berner und Dreise darauf, das Verfahren einzustellen. "Ich rate Ihnen, halten Sie sich in Zukunft von Drogen fern, falls es in der Vergangenheit anders war", mahnte der Richter abschließend.