Das Neuenmarkter Ehepaar gesteht nämlich am Tag seiner Diamantenen Hochzeit ganz offen ein: "Es herrschte nicht immer eitel Sonnenschein, hin und wieder rauchte es auch schon mal in der Küche."

Beim Tanz kennen gelernt

Kennen gelernt haben sich Harald Hienert - er ist im schlesischen Schweidnitz geboren - und die Neuenmarkterin Ruth Hienert, geborene Lauterbach, beim Maitanz in Ludwigschorgast. "Ich war gerade mal 19 Jahre alt und wohnte damals als Flüchtling mit meiner Familie in Ludwigschorgast. Von meinem Freund wusste ich, dass an diesem Samstag eine Mädchengruppe aus Neuenmarkt zum Sportfest-Tanz nach Ludwigschorgast kommt. Dort lernten wir uns auch kennen", erinnert sich der Jubelbräutigam, der sich aber nicht gleich auf Anhieb verliebt hatte. Es entwickelten sich zunächst herzliche Freundschaften mit Gleichaltrigen aus Neuenmarkt, Ludwigschorgast und Untersteinach.

Harald Hienert: "Damals war es einfach anders. Man hat sich nicht am Nachmittag kennen gelernt und lag Stunden später schon zusammen im Bett. Da wurde die Kameradschaft gepflegt, wir haben uns unterhalten und auch miteinander getanzt, mehr war nicht." Später unternahm die Clique gemeinsame Ausflüge mit dem Fahrrad, und langsam entwickelte sich dann das zarte Liebespflänzchen. Erst ein Jahr später führte der erste gemeinsame Ausflug am 1. Mai die beiden in die Fränkische Schweiz.

Wanderungen und Ausflüge bestimmten auch in der Ehe das Leben von Harald und Ruth Hienert, die etwas traurig feststellt: "Wir sind sehr viel gelaufen und Rad gefahren, aber heute geht das nicht mehr, weil ich mir einen Wirbel angebrochen habe."

Mit 22 Jahren vor dem Traualtar

1954 wurde vor dem Standesamt in Neuenmarkt geheiratet, die kirchliche Trauung fand in der Christuskirche statt. Das Jubelpaar war gerade einmal 22 Jahre alt. "Für Mädchen war das normal, aber für einen Burschen war das Alter schon außergewöhnlich", sagt Harald Hienert, der mit seiner Frau lange Zeit in deren Elternhaus wohnte, bevor die gemeindliche Wohnung am Rathaus bezogen wurde. Später erwarben Harald und Ruth Hienert ein Eigenheim in der Laubenstraße.

Bereits in jungen Jahren musste das Ehepaar mit dem Tod ihres erst dreijährigen Sohnes Wieland - er starb an Leukämie - einen schweren Schicksalsschlag verkraften. Tochter Elisabeth und Sohn Peter schenkten beiden jedoch wieder neuen Lebensmut - heute können sie voller Stolz auf ihre Kinder und deren Familien blicken.

Tochter Elisabeth ist mit einem Arzt verheiratet und lebt in Jena. Sohn Peter ist in Bischofsgrün zu Hause und als Vollblutmusiker weithin bekannt: Mit 16 Jahren hatte seine Karriere als Gitarrist begonnen, viele Jahre lang gehörte er der Party-Band "Radspitz" an. Mit den beiden Kindern gratulierten noch fünf Enkel- und zwei Urenkel.

Nicht gleich das Handtuch werfen

Nicht selten sind Ruth und Harald Hienert gefragt worden, was denn das Geheimnis ihrer langen Ehe sei. Harald Hienert: "Ich glaube ganz fest daran und bin fest überzeugt, dass uns der Weg vorgegeben wird. Wichtig ist auch, dass man nicht gleich das Handtuch schmeißt." Und seine Frau Ruth fügt hinzu: "Wir hatten von Beginn an die gleichen Interessen, sind sehr viel gewandert."

Beruflich war Harald Hienert lange Zeit als Zuchtwart beim Tierzuchtamt in Bayreuth und später beim Tiergesundheitsdienst tätig, bevor er mit 48 Jahren als Fachberater zur bayerischen Milchindustrie wechselte. Er war damals für Nordbayern, Sachsen, Thüringen und Brandenburg zuständig.

Der Lieblingsort des Ehepaares lag in der Wanderzeit am Fuß des Karwendelgebirges. Dort sind Harald und Ruth Hienert oft auf den Spuren von Ludwig Thoma unterwegs gewesen.