Die Kirchengemeinde Kasendorf muss in Sachen Energieversorgung aktiv werden. Das ehemalige zweite Pfarrhaus braucht dringend eine neue Heizungsanlage. "Auch im ersten Pfarrhaus und dem weiteren Gebäude gibt es Nachrüstungsbedarf", hat der Energieberater bescheinigt.

Doch in den drei von der Kirche betriebenen Häusern jeweils eine neue Heizung anschaffen? Einen neuen Brenner? Alles mal drei? Und dann drei Rechnungen für den Schornsteinfeger und für alle Wartungen? Das erschien dann doch wenig sinnvoll.

Pfarrer war schnell überzeugt

Die Idee für ein Blockheizkraftwerk (BHKW) für die kirchlichen Räume war geboren. Der Kasen dorfer Pfarrer Stefan Lipfert war schnell überzeugt. "Eine gemeinsame Heizung - das hat uns gleich gefallen. Doch dann kam der Gedanke auf, das Ganze doch noch etwas größer aufzuziehen." Nämlich mit einem Nahwärmenetz. Kaum war die Idee geäußert und mit weiteren Interessenten, die Überlegungen in die gleiche Richtung angestellt hatten, abgestimmt, konnte es losgehen.

"Hans Peter Kolb war gleich Feuer und Flamme. Er hatte ja auch schon über ein eigenes BHKW nachgedacht", sagt Pfarrer Lipfert. Nachdem bis jetzt noch jede Menge weitere Interessenten dazugekommen sind und sich mittlerweile schon über 30 Anwesen an der Machbarkeitsstudie zur Nahwärmeversorgung in Kasendorf beteiligen, könnte aus dem Traum bald Realität werden. "Mit der Nahwärmeversorgung könnten wir in einem gemeinsamen Projekt nicht nur die Kirchengemeinde, sondern viele Einwohner desOrtes Kasendorfs unabhängig machen von fossilen Brennstoffen."

Das ist einer der Punkte, der Stefan Lipfert besonders überzeugt: Betrieben werden soll die Nahwärme möglichst mit heimischem Holz, das CO 2 -neutral ist und die Wertschöpfung in der Region lässt. "Der Energieberater hat uns überzeugt: Er hat uns vorgerechnet, welch großer Anteil dessen, was wir für die fossilen Brennstoffe zahlen, ins Ausland geht, nach Dubai zum Beispiel. Da wollen wir lieber, dass die Kaufkraft hier bleibt".

Studie muss Details klären

Ob vielleicht auch der neu geplante Gasanschluss zur Befeuerung der Nahwärmeversorgung - zumindest in den Spitzen - genutzt werden könnte oder zum Beispiel auch Biogas, das alles soll die Machbarkeitsstudie klären. Sie muss auch ergeben, wie groß die Anlage dimensioniert werden soll. Daher ist es auch wichtig, dass sich besonders viele Menschen, die mit dem Gedanken spielen mitzumachen, an der Studie beteiligen. Denn nur so können belastbare Zahlen gewonnen werden. Wenn in einem Straßenzug am Ende doch noch ein paar Leute mehr mitmachen wollen oder einige wegfallen, da stimmen die Berechnungen schließlich nicht mehr. "Entscheidend ist die Durchlaufwärme", weiß Pfarrer Lipfert, "das haben uns die Verantwortlichen von der Energievision Frankenwald erklärt, die uns bei dem Projekt unterstützen."

Im Klartext: Die Anlage arbeitet umso wirtschaftlicher, je mehr Wärme durch die einzelnen Rohre gepumpt wird. Da muss die Berechnung natürlich genau sein.

Die Anlage wird von vielen Kasendorfern, die ihre Teilnahme schon zugesagt haben, auch als großes Gemeinschaftsprojekt gewertet. Da kann Stefan Lipfert nur eingeschränkt zustimmen. "Wenn es klappt, dann wird es für die Dorfgemeinschaft eine richtig tolle Sache. Wenn es scheitert, dann kann es auch Streit geben", sieht der Seelsorger aber ein Risiko. "Deshalb ist die Machbarkeitsstudie ja so wichtig."

Aber so weit wird es hoffentlich nicht kommen. Einziger Leidtragende könnte dann der Schornsteinfeger sein, der durch eine gemeinsame Heizung einige Kunden verlieren wird.