Der Gottesdienst ist alljährlich der Auftakt zu einem Weinfest, das viele Menschen im Oberland und in der Region fest in ihrem Kalender eingetragen haben.

Günther Beckstein bezeichnete es als eine besondere Herausforderung, in einem Gottesdienst mitzuwirken: "Ich bin gewohnt, am Rednerpult des Landtags, des Bundestags oder des Bundesrates zu stehen oder auch eine Bierzeltrede zu halten, aber vor so vielen Menschen eine Kanzelrede im Gottesdienst zu halten, ist etwas Außergewöhnliches. Und auch etwas sehr Schönes."


Als Jugendleiter in Bobengrün

Beckstein stimmte zunächst ein Loblied auf die fränkische Landschaft an, im Besonderen auf Oberfranken und den Frankenwald. Im nahegelegenen Bobengrün war er selbst als Gruppenleiter der CVJM seiner Heimatstadt mit vielen Jugendlichen unterwegs. Er rief dazu auf, sich an der Schöpfung zu freuen.

"In der Bibel wird von der Hochzeit zu Kanaa berichtet, wo Jesus und seine Mutter und die Jünger dabei waren. Die Menschen haben intensiv gefeiert, so dass der Wein ausging. Jesus gab dann den Befehl, die Wasserkrüge mit Wasser zu füllen, und das Wasser wurde zu Wein verwandelt." Beckstein machte deutlich, dass der Wein schon in der Bibel Lebensfreude symbolisiert: "Er lässt die Menschen die Herrlichkeit der Schöpfung spüren. Wir dürfen uns darüber von Herzen freuen."

Beckstein selbst befindet sich derzeit in einer spannenden Lebenssituation: "Nach 39 Jahren scheide ich aus dem Bayerischen Landtag aus. Mir war es ein großes Anliegen, als Christ in der Politik tätig zu sein. Ich bin geprägt vom CVJM, menschlich und religiös. Ich war ein ziemlich schüchternes Bürschchen, als ich mit 13 Jahren dort in die Jungschar kam." Aber: "Ich habe Freundschaften schließen können, von denen etliche bis heute bestehen. Und diese Zeit hat mich religiös geprägt, denn ich erlebte als großes Geschenk einen persönlichen Glauben."

"Es ist das große Geschenk unseres Gottes, dass jeder von uns sein Ebenbild ist. Deswegen hat jeder Mensch dieselbe unverletzliche Menschenwürde. Eine großartige Botschaft der Humanität: Der demente, alte Mensch hat dieselbe Menschenwürde wie der Nobelpreisträger. Und die Freiheit der Christen heißt nicht Bindungslosigkeit, sondern Verantwortung. Luther sagt: nicht Freiheit wovon, sondern Freiheit wozu!"


Die Wirtschaft soll dem Menschen dienen

Damit werde auch klar, dass Ziel der Wirtschaft nicht das Kapital und die Rendite sein kann, sondern Ziel der Wirtschaft sei es, dem Menschen zu dienen. Und da gebe es derzeit besondere Herausforderungen: "Dass die Politik wieder die Handlungsfähigkeit bekommt und nicht von den Finanzmärkten getrieben wird. In Zeiten von Globalisierung und Finanzmarktkrise ist das besonders schwer."

Aktuell sprach er auch die große Aufgabe der Pflege an, die durch die Demografie noch mehr an Bedeutung bekommen wird. "Auch wenn die Bedingungen für Pflege vor einigen Monaten etwas verbessert worden sind, reicht dies bei weitem nicht aus."


Mit Kirchen- und Posaunenchor

Der Festgottesdienst wurde vom Kirchen- und vom Posaunenchor umrahmt und von Pfarrer Siegfried Welsch (Presseck) sowie Pfarrerin Heidrun Hemme (Grafengehaig) gemeinsam gestaltet.

Schlossherr Ludwig von Lerchenfeld dankte dem ehemaligen Ministerpräsidenten, dass er vor Monaten spontan zusagte, nach Heinersreuth zu kommen.