Kulmbach
Aktion

Was bedeuten die grünen Kreuze auf den Feldern?

Immer mehr grüne Kreuze stehen an Ackerrändern. Was hat es damit auf sich?
Solche grünen Kreuze wie hier auf einem Acker bei Katschenreuth wollen Landwirte als stillen Protest gegen immer stärkere Einflussnahme in ihre Arbeit verstanden wissen.Jochen Nützel

Nein, an dieser Stelle hat niemand seine besondere Liebe zu einem Verstorbenen bekundet, wie es ein Scherzbold ausdrückte angesichts des grünen Kreuzes, das im XXL-Format an der Staatsstraße nach Krumme Fohre steht. Dennoch hat das Symbol einen traurigen Hintergrund: Es soll ein Mahnmal sein dafür, was der Bauernschaft aufgebürdet werde, nicht zuletzt vor dem Hintergrund des neuen Agrarpakts als Folge des Volksbegehrens "Rettet die Bienen". Das seien: immer strengere Auflagen beim Einsatz von Spritz- und Düngemitteln oder dem Ausbringen von Gülle, dazu überbordende Bürokratie, die den Landwirten kaum noch Zeit für die eigentliche Arbeit lasse.

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Gegen den Auflagendruck

Gerhard Reif hat solche Kreuze auf einigen seiner Felder aufgestellt. Die Aktion, die ein gewisser "Bauer Willi" aus Nordrhein-Westfalen vor einiger Zeit publikumswirksam über seinen Internet-Blog startete, um auf die prekäre Situation gerade kleiner und mittelständischer Höfe hinzuweisen, hält der Landwirt aus Gößmannsreuth für eine gute Sache. "Es soll verdeutlichen, dass unsere Branche unter dem Auflagendruck kaputtgeht". Es müsse Schluss sein mit dem Bauern-Bashing, sagt er. "An allem sind wir Landwirte schuld, selbst wenn einer bei Rot über die Straße läuft."

Aus den Worten Reifs, der seinen Hof und 120 Hektar Fläche bewirtschaftet sowie Dienstleistungen für Kollegen anbietet, spricht tiefer Frust. "Ich warte auf die nächste Vorgabe, dass wir nur einmal im Jahr, im Frühling, unsere Gülle ausbringen dürfen. Aber hey, macht ja nix, bauen wir halt für 50000 Euro einfach noch eine neue Grube. Wir Bauern hams doch! Mal ehrlich, was müssen wir uns an fachlichem Unsinn noch zumuten lassen? Pflanzen brauchen das ganze Jahr Dünger - und Gülle ist der natürlichste überhaupt. Damit schließt sich ein Biokreislauf."

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Positive Rückmeldungen

Dem Landwirt fährt die "Regulierungswut" nicht zuletzt der Politik die Nase hoch. "Sie finden immer noch was zum Reglementieren und noch was zum Sanktionieren. Als wären wir Verbrecher." Aus diesen Gründen hat er sich entschieden, die Kreuz-Aktion zu unterstützen. "Ich habe positive Rückmeldungen bekommen, die Leute bleiben stehen, unterhalten sich mit mir und fragen nach, warum ich es so mache, wie ich es mache." Der Landwirt zeigt sich offen für Verbesserungen in der täglichen Arbeit - aber dazu müssten auch andere Branchen ihren Beitrag leisten. "Wir Bauern sprühen doch nicht Chemie auf unsere Felder, weil wir das toll finden. Wir sind aber auf Pflanzenschutzmittel angewiesen." Wenn die chemische Industrie etwa eine Beize entwickelt, die bedenkenlos angewendet werden könne und für keine Tierart schädlich ist, dann sei sein Berufsstand der Letzte, der sich diesem Fortschritt verweigere.

Er mache sich immer Gedanken, so zu wirtschaften, dass die Qualität der Erzeugnisse passt und es seinen Tieren gut geht. "Aber dann kommt der nächste Nackenschlag, wenn wieder irgendwo ein Betrieb durch die Medien gezogen wird, bei dem es nicht so läuft - und dann kann ich drauf wetten, dass wieder alle Landwirte über einen Kamm geschoren werden." Gruselbilder von kranken Schweinen oder Rindern mit gebrochenen Extremitäten spiegelten, so Reif, eben nicht die Normalität wider. "So könnte ich doch kein Geld verdienen, deswegen frage ich: Welcher Landwirt hält unter solchen Bedingungen seine Tiere?"

"Den Stolz bewahren"

In die gleiche Kerbe schlägt Beate Opel. Die Kreisbäuerin wird demnächst auf ihrem Milchviehbetrieb in Neufang bei Wirsberg ebenfalls Kreuze aufstellen. "Ich habe zunächst gezögert, ob das Kreuz tatsächlich das passende Symbol ist. Aber ich denke, es dient dem Zweck, auf unsere Belange aufmerksam zu machen." Der Bauernstand müsse sich wehren gegen die pauschalen Vorwürfe aus der Gesellschaft. "Es geht auch darum, den Stolz zu bewahren. Die Familien auf den Höfen der Region leisten ehrliche Arbeit, sind Gestalter der Kulturlandschaft und Ernährer der Gesellschaft - aber genau die zeigt mit dem Finger auf uns. Wo bleibt da die Fairness?"

Sie verwahrt sich gegen Verurteilungen, Bauern seien skrupellose Massentierhalter und Antibiotika-Spritzer. "Das Tierwohl steht an oberster Stelle, aber der Verbraucher ist oft nicht bereit, den Preis zu bezahlen, den unsere Waren verdienten. Es passt nicht zusammen, immer mehr von uns Landwirten einzufordern, aber möglichst billig einkaufen zu wollen."

Ihren Berufskollegen rät Beate Opel, sich wieder mehr wertzuschätzen und sich nicht verleiten zu lassen, aufeinander loszugehen. ""Biologisch ist nicht besser als konventionell - alle sollen Ihr Recht bekommen. Den Weg können wir nur gemeinsam beschreiten." Dazu gehöre auch, sich zu öffnen, die Menschen hinter die Stalltüren blicken zu lassen. "Wir müssen raus aus der Defensive, wir haben doch nichts zu verbergen. Aber die Gesellschaft muss umgekehrt bereit sein, unser Schaffen zu honorieren." Die Landfrauen machten hier eine gute Arbeit, "weil sie authentisch sind und jeden Tag mit und für die Landwirtschaft leben"

BN kritisiert Symbolik

Kritik an der Kreuz-Aktion kommt von einigen Kreisverbänden des Bund Naturschutz. Dort heißt es, der "Missbrauch christlicher Symbolik für Gift, Glyphosat und Massentierhaltung ist nicht akzeptabel". Aber: Der BN habe absolut Verständnis für die Sorgen und Nöte der Landwirte. Bauern litten genauso unter einem fehlgeleiteten System wie die Umwelt.