In der Nacht zum Ostersonntag wurde den Menschen per Zeitumstellung eine Stunde "gestohlen". Doch das konnte die Untersteinacher Gläubigen beider Konfessionen nicht davon abhalten, bereits um 5 Uhr in die Kirchen zu pilgern. "In diesem Jahr waren so viele da wie noch nie. Wir waren über hundert Menschen. Das freut mich sehr", sagte der evangelische Pfarrer Wolfgang Oertel. Zur Feier der Osternacht hatte er mit Erich Ufer, Heiner Beyer, Günther Bär und Harald Wenig ein kleines Passionsspiel im Dunkeln vorbereitet. Thematisiert wurden die Kreuzigung und die Auferstehung. Dann hörte man Steinwürfe oder das Zerbrechen von Steinen: Jesus war aus dem Grab verschwunden. Pfarrer Oertel verkündete die frohe Botschaft: "Der Herr ist auferstanden!"

Von der Kirche zum Friedhof

Mesnerin Elke Schmidt verteilte Kunst-Postkarten, die Maria von Magdala am Grab vor den zerbrochenen Steinen zeigen. Am offenen Grab blühen Rosen und Lavendel. Auch andere Grabsteine sind zerbrochen, erklärte der Pfarrer das Bild. Nach der Feier in der Kirche zogen die Gläubigen zum Friedhof und beteten auch dort.

In der katholischen Kirche zelebrierte Pater Marianus mit Diakon Norbert Förster den Osternachtsgottesdienst - ebenfalls um 5 Uhr. Denn schließlich ist es in Untersteinach Tradition, dass sich katholische und evangelische Christen danach zum "ökumenischen Frühstück" treffen.

Schon seit Wochen wurden die Vorbereitungen getroffen. Das Jungschar-Team mit Carolin Ramming und Sabine Battistella hatte mehr als 120 Blüten-Eierbecher gebastelt. "Die Idee hatte meine Schwester", erzählt Carolin Ramming und zeigt die aufwändigen Blüten. Auch Katharina Ramming (10) hat mitgeholfen. Sie freut sich, dass die Eierbecher so gut ankommen. "Naja, das Aufstehen war ziemlich früh, aber es ging schon", sagt Katharina Ramming. Bereut hat sie den Schlafverzicht nicht. "Ich finde es so schön, wenn die Kerzen angezündet werden", sagt sie.

"Es gehört einfach dazu"

"Es gehört zu Ostern einfach dazu. Wir sind Christen, da muss man in die Kirche. Ich habe die Uhren schon abends umgestellt - und bin um halb elf Uhr ins Bett. Und wenn man will, dann schafft man es auch, aufzustehen", kennt auch Resa Meißner kein Pardon.

Auch die Familie Purucker aus Untersteinach hat sich aus den Federn gekämpft. "Beschwerlich ist das schon, vor allem heute mit der Uhrumstellung", gibt Martina Purucker zu. "Aber es war schön. So wie man am Karfreitag die Kirche verlassen hat, so findet man sie am Ostersonntag wieder vor. Die Glocken läuten nicht, es ist dunkel, das ist immer wieder schön", schwärmt sie. Und auch ihr Mann Klaus stimmt ein: "Ja, es hat sich gelohnt".

Bereits um 6 Uhr wurde mit Kaffee kochen begonnen. Manfred Pietruska war als einziger Mann mit von der Partie und füllte die Thermoskannen. Schinken- und Käseplatten sowie Osterbrot wurden vorbereitet. Keine Wunsch blieb offen.

Die Ministranten verkauften Osterblumen - für das Jugendhaus am Knock und die Ministrantenkasse. "Ich finde es schön, dass zusammen gegessen wird. Das ist wichtig", kommentierte Pater Marianus das ökumenische Frühstück und fühlte sich ein bisschen an die Heimat erinnert. Denn auch in Indien ist das gemeinsame Essen ein wichtiger Bestandteil des Festes.

Kein Hase in Indien

"In Indien wird Ostern ein bisschen anders gefeiert", berichtete der Pater. Die Gottesdienste finden schon um 22 oder 23 Uhr in der Nacht statt. Anschließend tanzen die Menschen oft. Für Kinder gibt es kleine Geschenke, man schenkt sich Süßigkeiten. Aber einen Osterhasen gibt es in Indien natürlich nicht, so der Pater, der vom ökumenischen Frühstück ganz begeistert war.