Nicht nur einmal hat Werner Burger den Vorschlag gehört, die Gemeinde Grafengehaig sollte aufgrund ihrer finanziellen Lage die Frankenwaldhalle am besten schließen. "Kommt gar nicht in Frage, dann stehen unsere Vereine ja auf der Straße", hält der Bürgermeister entgegen. Und sucht nach Möglichkeiten, das Betriebskostendefizit zu senken. "Mein Ziel ist eine schwarze Null." Mit dem Einbau eines Blockheizkraftwerkes ist ein wichtiger Schritt dorthin getan.

1977 gebaut

Dass die 1977 gebaute Frankenwaldhalle ursprünglich mit einer Ölheizung betrieben wurde, daran mag Burger gar nicht mehr denken. "Kosten bis ins Unermessliche" seien deswegen bis vor gut zehn Jahren auf die kleine Gemeinde zugekommen, ehe man sich aus Gründen des Umweltschutzes zur Umrüstung auf Gas entschloss. Die Verlegung einer Fernleitung der LuK Helmbrechts nach Marktleugast kam damals gerade recht. Trotzdem blieben noch 16 000 Euro pro Jahr an Heizkosten zu zahlen. Immer noch zu viel, wie der Bürgermeister und der Gemeinderat befanden.

Seit gut zwei Monaten ticken die Zähler in der Frankenwaldhalle nun anders: Ein mit Gas betriebenes Blockheizkraftwerk produziert die benötigte Wärme sozusagen nebenbei, denn der Schwerpunkt der Energiegewinnung liegt auf Strom, wie Dieter Sternecker, Geschäftsführer der Firma "ENES - Erneuerbare Energiesysteme", erläutert. Er hat das Konzept für die Frankenwaldhalle ausgearbeitet und freut sich, dass die Marktgemeinde damit eine Vorreiterrolle übernommen hat. Sein Credo: "Wir können die Energiewende nur schaffen, wenn wir Strom sparen und dezentrale Kraftwerke installieren." Eine wichtige Rolle spiele natürlich auch die Tatsache, dass die "Strompreise exorbitant steigen". Dezentrale Kraftwerke gewinnen dadurch immer mehr an Bedeutung, sagt er.

90 Prozent Wirkungsgrad

Über die Kraft-Wärme-Kopplung wird aus einem fossilen Brennstoff thermische und elektrische Energie mit einem Wirkungsgrad um die 90 Prozent erzeugt. Eine normale Heizung bringt es da nur auf etwa 60 Prozent, erklärt der Fachmann. Im Fall der Frankenwaldhalle bedeutet das 132 165 Kilowattstunden Strom und 282 353 Kilowattstunden Wärme, jeweils auf ein Jahr gerechnet.

Über die Meinung, Grafengehaig lebe mit dieser Investition von rund 70 000 Euro über seine Verhältnisse, kann Bürgermeister Werner Burger nur schmunzeln. Sicherlich habe die Gemeinde dafür einen Kredit aufnehmen müssen, was das Landratsamt dankenswerterweise schnell genehmigt habe. Aber schon in fünf bis sechs Jahren wird sich die Anlage bezahlt gemacht haben, so dass die Einsparungen beim Strombezug und die Einnahmen aus dem ins Netz abgegebenen Strom den gemeindlichen Haushalt entlasten. Diese so genannte Amortisationszeit lässt sich noch verkürzen, indem weitere gemeindliche Anwesen virtuell an das Kraftwerk angeschlossen werden. Was mit der Ortsbeleuchtung, den Kläranlagen, dem Pumpwerk der Wasserversorgung und dem Dorfladen auch geschehen soll. "Wir müssen da nur Zähler einbauen."

"Mehr erreicht als erwartet"

Dass sich Energieeinsparungen, wie sie in Grafengehaig seit geraumer Zeit überall geprüft werden, sehr wohl auszahlen, macht Verwaltungsleiter Michael Laaber an zwei anderen Beispielen fest: der Umstellung auf Gelblicht bei der Straßenbeleuchtung und der Rathaussanierung. "Wir haben da sogar mehr erreicht als erwartet."

Werner Burger setzt in Sachen Frankenwaldhalle ferner auf die gute Arbeit der Gaststättenpächter - also des Sportvereins - und die Einnahmen aus der Vermietung der Wohnung. Außerdem will er für eine Belebung der Halle sorgen. "Wir müssen neue Einnahmen generieren, nicht zusperren."