"Der 21. März 2009 war ein bizarrer Abend", erinnert sich Schlagzeuger Christian Jarothe aus Stadtsteinach. "Wir bestritten im Tanzcenter Deuber in Modschiedel das Rahmenprogramm für den singenden Landwirt, der sein Schäferlied trällerte. Mit Bussen kamen die zahlreichen Fans, darunter etliche im reiferen Alter, angereist. Als wir mit harten Rocknummern unser Programm eröffneten, leerte sich die Tanzfläche vor der Bühne."

Die Musiker taten das in dieser Situation einzig richtige: Sie spielten ruhigere Lieder. Bereut haben es die Coverrocker bis heute nicht, die Bühne mit dem Fernsehstar geteilt zu haben. Sie erlebten den Starrummel, der damals um Schäfer Heinrich betrieben worden war, hautnah mit. Sängerin Suse Maué hat Heinrich Gersmeier, wie der Bauer mit bürgerlichem Namen heißt, als einen ganz süßen und sympathischen Zeitgenossen in Erinnerung: "Ohne Starallüren riss er das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin."

Doch auch über "Gimcrack" selbst gibt es viel zu erzählen.

Coverrock-Bands sind oft regional bunt zusammengewürfelte Haufen, bei denen die einzelnen Mitglieder aus den unterschiedlichsten Orten und Landkreisen stammen. Da macht das Septett "Gimcrack" keine Ausnahme. Den Stadtsteinacher Christian Jarothe hatte es 2008 in die Band verschlagen, deren Mitglieder überwiegend aus der Forchheimer und Nürnberger Ecke stammen.

Und das kam so: "Ein damaliger Techniker der Gruppe hatte erfahren, dass sich die Selber Band ,United', bei der ich damals trommelte, aufgelöst hatte." Die Empfehlung seines Bekannten war für den Stadtsteinacher der Türöffner zum Partyrockensemble "Gimcrack".

Bereits bei der ersten Probe habe die Chemie gestimmt, tönt es unisono aus dem gut gelaunten Musikerkreis, der es sich im Backstagebereich der Altenkunstadter Kleinkunstkneipe "Nepomuk" vor einem Konzert gemütlich gemacht hat.

Jarothe stammt aus der Kulmbacher Indie-Rockszene, spielte früher bei Bands wie "C. Hauser", "T(h)reee", "Artwork" und "Goethes Erben". War es für den Stadtsteinacher, dem der Sinn nach einem musikalischen Tapetenwechsel stand, eine große Umstellung, in einer Coverband zu spielen? "Aber sicher. Wenn Du eigene Musik machst, dann ist das Dein Baby. Bei einer Coverband hingegen ist die Musik austauschbar." Bei Eigenkompositionen müsse man viel mehr proben. Bei einer Coverband reiche es oftmals aus, ein neues Stück während des Soundchecks vor dem Konzert einzustudieren, erklärt der Schlagzeuger.

Die Anzahl der Konzerte ist ebenso wie der Radius der Auftrittsorte bei einer solchen Gruppe viel größer. "In unseren besten Zeiten spielten wir mit Gimcrack bis zu 70 Konzerte", berichtet Suse Maué.

Zugleich verhehlen die Musiker nicht, dass bei einer Coverband, das Geld eine gewisse Rolle spielt.

"Wenn man bis zu 150 Kilometer zum Auftritt fährt, dann sollte auch die Entlohnung stimmen", sagt die Sängerin. Die Zeiten, in denen so mancher Coverrockmusikant mit einer Profikarriere liebäugelte, gehören der Vergangenheit an. Bei "Gimcrack" war das zwar nie der Fall, aber mit Wehmut denken auch die Akteure dieser Band an die guten, alten Zeiten zurück. Immer mehr Auflagen und der aktuelle Trend hin zu günstigeren DJ-Partys habe zum Abebben der Coverrockwelle geführt, sind sich die Musiker einig.

Allesamt Anhänger handgemachter Musik, hoffen sie aber, dass auf die mageren Jahre bald auch wieder fettere folgen werden.

Ob Katschenreuther Winterkerwa, Kleinkunstkneipe "Nepomuk" oder Fölschnitzer Zeltkerwa - die Gruppe ist noch immer gut dabei. Zwölf Jahre segeln die Partyrocker nun schon auf der Erfolgsspur.
Was ist ihr Erfolgsgeheimnis? Christian Jarothe: "Wir verstellen uns nicht, spielen nur das, auf was wir Lust haben. Dadurch kommen wir viel ehrlicher und natürlicher rüber. Und außerdem treffen wir mit unseren Songs den Geschmack des Publikums."

Klar, denn Knaller wie "Schrei nach Liebe" (Die Ärzte), "Brenna tuat's guat" (Hubert von Goisern), "Blow Me One Last Kiss" (Pink), "Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann" (Nena), "Rockin' All Over The World" (Status Quo), "Zombie" (The Cranberries), "Friday I'm In Love" (The Cure) oder "Tage wie diese" (Die Toten Hosen) gehören zum Programm.

Wie geht es mit der Band weiter?

Das fragen sich momentan viele Fans. Sängerin Suse Maué erwartet nämlich ihr zweites Baby. Als ihre Tochter Maelle vor drei Jahren zur Welt kam, hatte die Gruppe die Auszeit ihrer Frontfrau mit Gastsängerinnen überbrückt. Das kann sich die Band auch diesmal wieder vorstellen.
Gimcrack wird es auf jeden Fall weitergeben", beruhigt Suse Maué. "Ob mit oder ohne mich. Schau mer mal."