3. Bürgermeister Peter Aßmann (SPD) hatte am Schluss der letzten Arbeitssitzung des Gemeinderates den Blick auf den Bildband gelenkt. Danach ist Bayern längst keine pure Landschaftsidylle mehr und ein fränkischer Fotograf zeigt in seinem neuen Bildband die "Schattenseiten" des Freistaates mit öde Ortskernen, zubetonierte Landschaften und wuchtigen Logistikhallen.

Wenn man dem Bildband Glauben schenkt, kann Bayern auch hässlich sein. Schlaugs Bildband zeigt jedenfalls die Schattenseiten Bayerns und einen Flächenverbrauch ohne Ende. Drei Jahre lang hat der Rother dafür den Freistaat Bayern bereist und die Königssee-Idylle mit der Wallfahrtskapelle St. Bartholomä findet man in Schlaugs Bildband vergeblich. Stattdessen aber reihenweise zubetonierte Landschaften, eintönige Gewerbegebiete und verödete Ortszentren. Also jede Menge an Bausünden vergangener Tage. Mit nahezu 130 Fotos versucht Robert Schlaug, der im Hauptberuf Mittelschullehrer ist, den Blick vor allem auf die Bau- und Planungssünden der vergangenen Jahrzehnte zu lenken.

Auf die stieß er nicht nur in Neubausiedlungen und neuen Gewerbegebieten, sondern auch beim Besuch von Großmarkt-Arealen an Orts- und Stadträndern. Sorgen bereiten ihm ebenfalls die wachsende Zahl leerstehender Läden und Wohnungen in vielen Ortszentren. Aber auch der häufig schlechte Zustand vieler Dörfer, vor allem in Franken, hat den Fotografen bei seiner jahrelangen Arbeit an dem Buchprojekt umgetrieben. Dazu der Fotograf in seinem Bildband: "Das Problem ist in vielen Dörfern: Die alten, traditionellen Gehöfte im Dorfzentrum verfallen. Die jungen Leute im Ort bauen sich lieber am Dorfrand neue Einfamilienhäuser.

Ob mit Satteldach, Pultdach oder im Toskana-Stil - neue Einfamilienhäuser sähen inzwischen überall in Bayern gleich aus; mit der jeweiligen Region hätten sie nichts mehr zu tun, beklagte Robert Schlaug. Die Bilddokumentation zeige aber auch, wie wichtig es ist, den Flächenverbrauch in Bayern zu stoppen, sagte Richard Mergner, der Landesbeauftragte des Bund Naturschutz (BN) in Bayern. Mergner schrieb den Einführungstext zum neuen Bildband. Seit zehn Jahren würden im Freistaat pro Tag 18 Hektar Fläche zugebaut - eine Fläche von 25 Fußballfeldern. Zugleich warnte der Natur- und Umweltschützer vor einer von der Staatsregierung geplanten Lockerung des sogenannten Anbindegebots. Dies erlaube die Ausweisung neuer Bau- oder Gewerbegebiete lediglich neben bestehenden bebauten Arealen. Der Landesbeauftragte des Bund Naturschutzes gibt sich überzeugt, dass diese Lockerung wie ein Turbo auf den Flächenverbrauch wirken würde und viele Kommunen könnten damit leichter neue Baugebiete in freier Landschaft ausweisen.

Damit gehe die Identität der einzelnen Regionen immer mehr verloren und als oberfränkisches Beispiel führte Fotograf Robert Schaug das Bild eines gesichtslosen Neubaugebietes in Himmelkron an. Und ähnlich sieht es auf einem Bild aus einem Wohnbaugebiet in Wunsiedel aus. Das "gesichtslose Neubaugebiet" im Weißmaintal zwischen Himmelkron und Lanzendorf stieß 3. Bürgermeister Peter Aßmann aber "sauer" auf: "Wir sollten hier was dagegen unternehmen!" Nachdem der Bildband aber längst herausgebracht wurde, reagierte Bürgermeister Gerhard Schneider (CSU) gelassen: "Das ist doch seine persönliche Meinung und das Gegenteil ist doch der Fall, denn unser Baugebiet ist wunderbar gewachsen und seine Angaben sind längst widerlegt. Die Fakten widersprechen doch seiner Meinung und mit 120 Bauplätzen ist unsere Gemeinde homogen gewachsen. Als Gemeinderat können wir heute zu unserem Wohnbaugebiet zufrieden feststellen, innerhalb von fünf Jahren wurden im Baugebiet Weißmaintal "Himmelkron-Lanzendorf" immerhin 37 neue Wohnhäuser gebaut beziehungsweise genehmigt. Ein Wert, der sich sehen lassen kann. Es sind nur noch 4 Bauplätze verfügbar. Wir haben 120 Argumente gegen diesen Herrn!"