Thurnau ist wieder ein Stück schöner geworden. Das sagt Irmgard Will. Und die muss es wissen. Die 81-Jährige ist am Rathausplatz aufgewachsen, der in neuem Glanz erstrahlt. Alte Anbauten wurden abgerissen, der Platz gepflastert, die Straße neu asphaltiert. Und nicht zuletzt wurde das denkmalgeschützte alte Rathaus saniert - noch im Oktober wird dort die Sparkasse einziehen.

Eisdielen-Besitzer spricht von großer Überraschung

Das Areal ist ein Schmuckstück geworden, quasi Thurnaus zweiter Marktplatz. Und davon profitieren auch das Café Bayer und die neue Eisbar Piacenca. Hatten beide unter der Bauphase gelitten, so sind sie nun Nutznießer, wurde der Außenbereich doch attraktiv gestaltet. "Das ist für mich eine große Überraschung", sagt Carmine Piacenza, der seine Eisbar an der Ecke zum Mittleren Markt in diesem Jahr eröffnet hat. Was ihn verblüfft: Die Freifläche wurde mehr als verdoppelt. "Ich habe jetzt viel mehr Tische", sagt der Italiener, der sich deshalb mit dem Gedanken trägt, sein Geschäft im Haus am Mittleren Markt 3 zu vergrößern.

Einst auch eine Badeanstalt

Ausgangspunkt der Neugestaltung war die Sanierung des alten Rathauses, das drei Jahrzehnte im Dornröschenschlaf lag. Der denkmalgeschützte Sandsteinquaderbau aus dem Jahr 1792 war ganz früher eine Kommunbrauerei, später eine öffentliche Badeanstalt, ehe im 19. Jahrhundert die Sparkasse eingezogen ist. Zuletzt diente das Gebäude als Thurnauer Rathaus, bis die Gemeinde 1988 in den Künßberghof umzogen ist, in dem sich die Verwaltung heute noch befindet. Zwar waren die Außenfassade und das Dach bereits saniert worden, das Gebäudeinnere glich aber bis vor wenigen Jahren teils einer Ruine.

Für Kunst und Theater

Nach der umfangreichen Sanierung, die die Marktgemeinde in Angriff genommen hat, kehrt jetzt wieder Leben ein. Im Erdgeschoss wird in wenigen Tagen die neue Filiale der Sparkasse eröffnet. Im Stockwerk darüber wurde ein fast 100 Personen fassender, 180 Quadratmeter großer Saal geschaffen, der für Kunstprojekte und Theateraufführungen genutzt, durch Trennwände aber auch in kleinere Einheiten unterteilt werden kann, so dass er der Volkshochschule für Kurse zur Verfügung steht. In der obersten Etage befinden sich eine Wohnung und ein Büro. Letzteres wurde ans Forstamt vermietet. In die oberen Stockwerke gelangt man über das Nebengebäude, das durch einen Übergang mit dem alten Rathaus verbunden ist. Der Zugang ist barrierefrei. Ein Aufzug wurde installiert.

Startschuss erfolgte 2014

"Das Areal war lange kein Schmuckstück. Jetzt erstrahlt es in neuem Glanz", sagt Bürgermeister Martin Bernreuther (CSU), der auf ein aufwendiges Projekt blickt, das 2014 gestartet worden war - als feststand, dass die Sparkasse Ankermieter wird, als sicher war, dass die über zwei Millionen Euro teure Maßnahme dank hoher Zuschüsse aus den unterschiedlichsten Fördertöpfen gestemmt werden kann.

Ein Programm für Privatleute

Mit der gelungenen Umgestaltung hat der Markt sein Ziel erreicht. "Wir wollen den Ortskern ja beleben, alte Häuser wenn möglich instand setzen. Das haben wir hier geschafft", sagt Bürgermeister Bernreuther, der sich wünscht, dass nach dem Umbau des alten Rathauses jetzt Privatleute nachziehen, deren Anwesen am Rathausplatz liegen. Diese könnten bei der Sanierung ihrer Anwesen von einem Förderprogramm profitieren, so der Bürgermeister.

Ziehen Privatleute nach?

Irmgard Will, die neben dem Haus, in dem sich die Eisdiele befindet, ein weiteres Gebäude am Rathausplatz besitzt, trägt sich mit dem Gedanken. Der Platz sei schön geworden. "Da müsste man eigentlich schon auch noch was an den Fassaden machen", sagt die 81-jährige Thurnauerin.