Die heutige Entdecker-Tour führt uns nach Kauernburg. Der folgende Bericht wurde nach Aufzeichnungen des bekannten Heimatforschers Hans Edelmann erstellt.

Keine Festung mit Turm und Mauern

Schon im Namen des Kulmbacher Stadtteils steckt der Hinweis auf den Standort einer Burg. Bei diesem Wort denken wir heute an eine auf einem Berg gelegen Festung mit Turm und Mauern.

Die Entstehung einer Kauernburg reicht jedoch in eine Zeit zurück, in der man noch keine Burgen auf Bergeshöhen kannte, sondern sich mit Befestigungen im Tal begnügte.

In einer aus der Regierungszeit des Grafen Otto VII. von Orlamünde stammenden Urkunde aus dem Jahr 1338 über die Zollstellen um Kulmbach wird berichtet: " ... der Zoll geht von Kulmbach bis an den Kawrburgerbach."

Vermutlich am Bach gelegen

Urkundliche Nachrichten von einer Burg oder einem Schloss in Kauernburg liegen nicht vor. Nicht einmal von einem Burgstall ist die Rede. Trotzdem muss es schon zu jener Zeit eine verfallene Burganlage in Kauernburg gegeben haben, denn in einer Beschreibung aus der Mitte des 15. Jahrhunderts wird "ein Feld auf dem Burgstall" erwähnt, das zu einem halben Hof des Augustinerklosters gehörte.

Die Burg, nach der man den Bach benannt hatte, konnte freilich schon bedeutend früher bestanden haben. Sie lag vermutlich neben dem Bach, dessen Wasser ihren Graben füllte.

Als im Jahr 1965 mit der Kanalisation im Stadtteil Kauernburg begonnen wurde, hofften die Geschichts- und Heimatfreunde, dass sich bei dieser Gelegenheit auch Aufschlüsse über die Lage der einstigen Burg ergeben würden. Auf dem Dorfplatz stieß man beim Ausheben der Kanalgräben auf Reste von 75 Zentimeter starken Mauern. Sie bestanden aus gelblichen, mit Mörtel zusammengehaltenen Sandsteinen.

Verkehrter Sandstein

Solcher Sandstein steht in Kauernburg selbst nicht an; dort kommt vielmehr, wie an zahlreichen Stellen sichtbar ist, roter Sandstein vor. Helleres Gestein dieser Art findet sich mehr auf der Höhe Richtung Dörnhof, Eggenreuth und Oberpurbach sowie oberhalb von Aichig. Von dort müssen die Steine, zum Teil in Form von großen Quadern, nach Kauernburg heruntergebracht worden sein.

Desweiteren wurden beim Grabenaushub Backsteine von altertümlicher Form gefunden. Sie sind größer als die jetzt gebräuchlichen, aber nicht so dick. Diese im Erdreich gefundenen Mauern deuten aber nicht auf eine Burg hin, sondern stellen Reste der einst in Kauernburg stehenden Kapelle dar.

Nicht an der Hauptstraße

Befremdlich erscheint es, dass die Kapelle nicht an der Hauptstraße stand, wo viele Leute vorüberkamen, sondern etwa 300 Meter abseits. Sie war der Maria Magdalena geweiht und wurde von der Pfarrkirche aus Untersteinach betreut. Als im Kulmbacher Land die Reformation eingeführt wurde, verlor sie an Bedeutung und verfiel.

Auf die Größe des Gotteshauses kann man aus der Eintragung im Kataster einen Schluss ziehen. Dort ist nämlich als Eigentum der öffentlichen Hand - und zwar erst der Dorfgemeinde Kauernburg und dann der Stadtgemeinde Kulmbach - ein länglicher, runder Platz von zwölf auf acht Meter eingezeichnet. Er liegt in der Mitte des jetzigen Dorfplatzes.

Im Jahre 1666 bewilligte Markgraf Christian, dass die Reste des Mauerwerks der uralten Kapelle zu Kauernburg abgetragen wurden, um mit den Steinen die Gottesackerkirche, die St.-Nikolai-Kirche am alten Kulmbacher Friedhof zu erweitern.

Dagegen erhob die Untersteinacher Pfarrgemeinde Widerspruch. Gütliche Verhandlungen mit dem dortigen Pfarrer und den Bauern führten schließlich zu einer Einigung.

Taufen und Trauungen

Ein Grund für die Weigerung der Bauern, den Abbruch der Kapelle zu gestatten, lag darin, dass sie befürchteten, die mit der Kapelle verbundenen Stiftungen könnten eingezogen werden. Man hat das alte Gotteshaus dann doch demontiert und alles fortgeschafft, was über dem Erdboden aufragte.

Aus alten Aufzeichnungen ist ersichtlich, dass in der Kapelle wiederholt kirchliche Handlungen vorgenommen worden sind, meist Taufen, aber auch einige Trauungen. Die Bewohner des Dorfes, zu dem nur wenige für den Ackerbau geeignete Flächen gehörten, arbeiteten wohl meistens in den zahlreichen Weinbergen ringsum, von denen mehrfach berichtet wird. Wir wissen nicht, wer die Besitzer der Kauernburg waren, ja man kennt nicht einmal ihren Standort. Sollte es nur eine Erdburg mit Pfahlzaun gewesen sein, wird es schwer, Spuren davon zu finden.

Es wird erzählt, dass man das Kornsche Haus, das sich der früheren Kapelle gegenüber am anderen Ufer des Baches befindet, als Burg bezeichnet. Ob diese Benennung auf alter Überlieferung beruht oder aus welchem Grunde sie erfolgte, ist nicht bekannt. Am 1. April 1946 wurde Kauernburg mit den Ortsteilen Aichig, Dörnhof, Grundhaus und Venezianischer Stadel in die Stadt Kulmbach eingemeindet.