1. Januar, kurz nach sechs: In der Sutte in Kulmbach stehen die Taxis Schlange: Die letzten Partygänger machen sich auf den Heimweg. Eine lange Nacht geht für sie zu Ende.
Wenige Meter weiter in der Klostergasse ist Stefan Roßband unterwegs. Der freilich kommt nicht von einer Feier. Gegen fünf Uhr hat sein Arbeitstag begonnen. Nun sorgt der Mitarbeiter des städtischen Bauhofs mit Schaufel und Besen dafür, dass die Überreste der Nacht verschwunden sind, wenn der größte Teil der Kulmbacher erwacht.

Auch Roßbands Kollege André Gottschalk ist zu diesem Zeitpunkt schon seit mehr als einer Stunde im Einsatz. Mit der kleinen Kehrmaschine beseitigt er in der Oberen Stadt die Überreste der Partynacht. Nein, sagt Gottschalk ausgeschlafen und gut gelaunt, schlimm sei das nicht, so bald raus zu müssen. Er sei das gewöhnt. Ein bisschen gefeiert habe er trotzdem. "Ich bin dann halt kurz nach zwölf ins Bett."
Mit sechs Mann ist der Bauhof an diesem ersten Morgen des neuen Jahres im Einsatz. Auch der Chef der Mannschaft, Michael Barnickel, ist selbstverständlich vor Ort.

Vor allem in der Innenstadt sind die Mitarbeiter des Bauhofs unterwegs - da, wo die größten Partys steigen. Heuer geht das Aufräumen flott. Was an Überbleibseln von Feuerwerkskörpern und Flaschen herumliegt, hält sich in Grenzen. Dass der eine oder andere Gastwirt vor seinem Lokal schon sauber gemacht hat, bevor der Bauhof anrückt, freut Michael Barnickel. Rund vier Stunden wird es noch dauern, so schätzt er, dann haben seine Männer Feierabend.

Zu diesem Zeitpunkt ist auch für Michael Peltrie ein langer Arbeitstag zu Ende gegangen. Oder besser gesagt: eine lange Arbeitsnacht. Der 53-jährige Hauptkommissar hatte Nachtdienst. Als erfahrener Polizist wusste Peltrie ziemlich genau, was ihm und seinen Kollegen von der Polizeiinspektion Kulmbach da bevorsteht: "Silvester ist neben dem Bierfest und dem Altstadtfest die aufreibendste Nacht", sagt er. Brennende Mülleimer, gesprengte Briefkästen, tätliche Auseinandersetzungen, kleine Brände - und immer wieder zu viel Alkohol.

Die Kulmbacher Polizei hat sich mit der größtmöglichen Dienststärke für die Nacht gerüstet. Und damit diese Nacht trotz allem etwas Besonderes ist, gibt es für alle, die Dienst haben, eine große Grillplatte - und Weihnachtsplätzchen, die Peltries Frau gebacken hat.

Eine ganz normale Nachtschicht haben auch die Mitarbeiter in der Notaufnahme des Klinikums hinter sich. "Als ich mir den Beruf ausgesucht habe, habe ich ja gewusst, dass das dazu gehört", sagt Schwester Caroline Gorlt. Auch für Schwester Tanja Müller ist es selbstverständlich, an Silvester zur Arbeit zu gehen. Die 26-Jährige hat sich freiwillig zum Dienst gemeldet. "Es ist mir wichtiger, dass ich Weihnachten frei habe", versichert sie.

Bis Mitternacht ist es üblicherweise ruhig im Klinikum. Die Notfälle kommen in den Stunden danach - und haben Tanja Müller, Caroline Gorlt und Assistenzarzt Juriy Schwez (31) auch in diesem Jahr einiges an Arbeit beschert.
Der junge Arzt kann dem Nachtdienst trotzdem positive Seiten abgewinnen: "Wenn wir Zeit haben, schauen wir uns das Feuerwerk über Kulmbach an. Von hier oben können wir ja die ganze Stadt überblicken."

Während die Nachtschicht im Klinikum das Feuerwerk bewundert und aufs neue Jahr anstößt - ohne Alkohol, versteht sich - geht Corinna Kremer nach einem ruhigen, gemütlichen Abend mit der Familie ins Bett. Die 25-jährige angehende Rettungsassistentin muss früh raus: Der 1. Januar ist für sie ein ganz normaler Arbeitstag. Von 7 bis 19 Uhr hat sie Dienst in der Rettungswache Kulmbach, ist als Fahrerin des Notarzt-Einsatzfahrzeuges eingeteilt.

Nachdem sich die Kollegen von der Nachtschicht verabschiedet haben, die eine arbeitsreiche Nacht hinter sich haben, weil sie zusätzlich zu vielen kleinen Einsätzen auch noch zu mehreren Bränden gerufen wurden (siehe dazu auch unten auf dieser Seite), bleibt es für Corinna Kremer zunächst ruhig. Am späten Vormittag kommt dann der erste Einsatz. Es wird nicht der letzte bleiben an diesem ersten Tag des neuen Jahres - der für viele Menschen vor allem eines ist: Ein (fast) ganz normaler Arbeitstag.