"Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen." Dieses Goethe-Wort darf exemplarisch stehen für das Oeuvre der Mainleuser Malerin Helga Hopfe. In ihren Werken verschmelzen Realität und Fantasie zu einem kreativen Ganzen, das den Betrachter in seinen Bann zieht, ihm Raum für Interpretationen bietet und dessen Gedanken schweifen lässt.
 


Im lichtdurchfluteten Atelier


Heuer feiert Helga Hopfe, die Grande Dame der Kulmbacher Maler-Szene, ihren 80. Ehrentag. Aus diesem Grund widmet ihr ihre Heimatstadt Oelsnitz im Vogtland eine Einzelausstellung, die einen Querschnitt ihres Schaffens bietet. Alle Interessenten sind eingeladen, die beeindruckende Werkschau im Schloss Voigtsberg zu besuchen.

Schmeilsdorf, irgendwann im Januar: Schon jetzt bereitet sich Helga Hopfe auf die kommende Ausstellung vor. Hier, in ihrem lichtdurchfluteten Atelier, sammeln sich die Belege ihres beeindruckenden Gesamtwerks, das Hunderte von Stücken umfasst. Bilder sämtlicher Dimensionen sind hier zu finden, inmitten einem bunten Umfeld aus Pinseln, Farben, Staffeleien.

Ebenso mannigfaltig wie die Formate sind die Themen, denen sich die Künstlerin widmet. Landschaftsmotive sind darunter, aber auch Tierporträts oder Menschen im Geflecht ihrer Beziehung. Und auffallend viele Gemälde mit Katzen. "Ich lebe ja mit einer Katze zusammen", sagt Helga Hopfe mit einem erklärenden Lächeln.

 

 


Mit Aquarellen hat alles begonnen


So abwechslungsreich wie das Kaleidoskop ihrer Themen ist auch die Methodik, derer sich Helga Hopfe bedient. Sie will sich nicht festlegen lassen. Weder inhaltlich noch handwerklich. Mal malt sie in Acryl, mal fertigt sie Holzschnitte an oder arbeitet mit Kohle. Aber auch Aquarelle sind zu finden. Mit denen hatte damals alles begonnen ...

Damals, das war 1985, als Helga noch in der ehemaligen DDR lebte und Kontakte knüpfte zu einem der bekanntesten Maler Plauens, Rolf Andriel. Von ihm lernte sie nicht nur die Freude an der Farbe, sondern auch die Gesetzmäßigkeiten, wie man sie bewusst einsetzt, um beim Betrachter eine bestimmte Wirkung zu erzielen.

Farbe nennt sie sehr inspirierend für die Fantasie, was sich besonders in ihrer Arbeitsweise niederschlägt. Am Anfang eines Werkes steht bei Helga Hopfe nicht ein Motiv, sondern die Farbe, aus der heraus sich oft erst das Sujet Schritt für Schritt entwickelt: "Work in progress" - wie man neudeutsch formulieren könnte.

Doch ihr Werk auf diese Basis zu verkürzen, würde der Künstlerin nicht gerecht. Grafische Elemente spielen nicht selten eine tragende Rolle in den Gemälden. Ein Prinzip, das sie vom Plauener Meisterschüler und Mentor Jürgen Adler übernommen hat.

 

 

 

 


Das Rezept für den Erfolg


Diese "Entente Cordial", dieses herzliche Einvernehmen zwischen Farbkomposition auf der einen und grafischer Struktur auf der anderen Seite, ist stilprägend für das Schaffen Helga Hopfes. Und ein Rezept für deren Erfolg. Denn in den vielen Jahrzehnten ihrer Arbeit hat sie zahlreiche Auszeichnungen und Würdigungen erhalten. Der bisherige Höhepunkt war die Nominierung zum Kunstpreis der Stadt Nürnberg 2014, wo der dortige Oberbürgermeister Ulrich Maly den oberfränkischen Gast beglückwünschte.

Nicht zu vergessen eine Auszeichnung des bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, das damit die Bemühungen Hopfes um die Inklusion von Behinderten würdigte. Denn mit ihnen veranstaltete die Danndorferin etliche Workshops in ihrem Atelier im Haus Schmeilsdorf, wo Menschen mit Handicap betreut werden. Andere Initiativen haben auch einen sozialen Charakter: So zum Beispiel das Projekt "Lingo-Art", an dem die Malerin ebenfalls teilnahm. Dabei ging es um die Integration von Flüchtlingen mit den Mitteln der Kunst.

 

 

 

 


106 Expositionen bestritten


Überhaupt Workshops: An unzähligen Treffen dieser Art hat Helga Hopfe mitgewirkt, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und gemeinsam zu arbeiten. Die Kooperation schätzt sie auch beim Bund Fränkischer Künstler, dem sie zudem als Beiratsmitglied im Vorstand dient. Oder auch beim Verein Focus Europa, der die Kunst einsetzt als Brückenschlag zu anderen Ländern und Ethnien.
Gerade diese Organisation führte Helga Hopfe hinaus in die weite Welt.

Und so stellte sie ihre Werke aus in Mende (Frankreich), in Nida (Litauen), in Belgrad, im italienschen Arezzo oder in Malaga, Südspanien. Insgesamt 106 Expositionen hat sie mittlerweile bestritten, als Einzel- oder auch Gruppenausstellung. Nun kommt eine weitere dazu: Auf Schloss Voigtsberg wird ihr Lebenswerk unter dem Titel "Spätlese" ausgestellt. Damit ehrt das Vogtland seine bekannte Tochter, die 1938 in Oelsnitz das Licht der Welt erblickt hatte.

 

 

 

 


Dritte bei der Ruder-Europameisterschaft


Dort verbrachte Helga Hopfe ihre Kindheit und Jugend, ging zur Schule, ehe sie 1956 ein Studium antrat in Leipzig. In der Großstadt befasste sich die junge Frau zugleich mit Kunst und Sport, ihrer zweiten leidenschaft. Helga Hopfe studierte an der Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport. Die begeisterte Ruderin gehörte sogar der DDR-Nationalmannschaft an, mit der sie 1961 in Prag bei der Europameisterschaft eine Bronze-Medaille im Doppel-Vierer errang.

Doch Sport als einzige Zukunftsperspektive war Helga Hopfe zu wenig. Und so studierte sie Kunst an der Karl-Marx-Universität Leipzig. Eine kluge Entscheidung, wie sich später herausstellte, denn ihre Laufbahn als Leistungssportlerin musste sie 1961 aufgeben - wegen gesundheitlicher Probleme. Und so wirkte sie in den Folgejahren als Sportlehrerin und Kunsterzieherin in Plauen.

 

 

 

 


Kulmbacher Land wird zur zweite Heimat


Ab 1985 konzentrierte Helga Hopfe ihr Engagement noch mehr auf den Bereich Kunst. Als 1989 die Mauer fiel, taten sich für sie und ihre Familie neue Möglichkeiten auf. Ihr Sohn Axel absolvierte eine Ausbildung zum Physiotherapeuten. Sein weiterer Lebensweg führte ihn nach Kulmbach. Und so entwickelte sich Helga Hopfes Kontakt zur hiesigen Kunstszene und zum Kulmbacher Land, das für sie ab 1996 zur zweiten Heimat wurde. Hier lebt sie zusammen mit ihrem Sohn Axel, ihrer Schwiegertochter, ihren Enkeln und ihrer Katze in einem idyllischen Haus in Gemeindebereich Mainleus.

In Danndorf zu Hause, in der Welt daheim: Selbst jetzt im vorgerückten Alter hat Helga Hopfe noch Ideen und Visionen. Gutes möchte sie tun und mit ihren Werken, anderen Menschen dienen. Beispielsweise damit, dass sie einige Gemälde, Schnitte und Radierungen zur Verfügung stellt für gemeinnützige Zwecke. "Ich möchte den Menschen eine Freude machen - gerade dann, wenn sie sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden."

Dass die Kunst das zu leisten vermag, hat Helga Hopfe am eigenen Leib erfahren: Als ihr Ehemann plötzlich verstarb und dazu auch ihre Schwester in noch jungen Jahren. "Das waren meine schwärzesten Zeiten."

Dass die Malerin trotz dieser schweren Schicksalsschläge eine heitere, beschwingte, lebensbejahende und gewinnende Frau geblieben ist, darf schon ein kleines Wunder gelten. Und ist das Verdienst ihrer Kunst: "Dass ich das alles überstanden habe, dazu hat meine Malerei wesentlich beigetragen."