Abend für Abend verwandelt sich der Bierstadel in einen Hexenkessel. Bekannte Partybands wie die "Münchner Zwietracht" oder die "Stoapfälzer Spitzbuam" sorgen dafür, dass die Stimmung auf der Bierwoche den Siedepunkt erreicht.

Manche mögen's nicht so heiß

Doch auch solche Bierfestbesucher, die es eher ruhiger und gemütlicher mögen, kommen auf ihre Kosten. Sie werden am Nachmittag von heimischen Musikvereinen unterhalten. Auch Familien mit Kindern und ältere Menschen fühlen sich dann so richtig wohl.

Auf der Bühne stehen am Nachmittag keine Profis, sondern Hobbymusiker. Viele von ihnen nehmen sich für den großen Auftritt bei der Kulmbacher Bierwoche eigens Urlaub. Florian Horner (26) zum Beispiel leitet die Kasendorfer Musikanten. Er ist in einer Bank angestellt, doch während der Bierwoche müssen die Geschäfte ruhen. Er steht mit der "Presssack-Combo" auf der Bühne und am zweiten Wochenende mit seinen Kasendorfern.

"Einfach etwas Besonderes"

"Es ist einfach etwas Besonderes, beim Bierfest zu spielen. Wir können hier unsere ganzen böhmischen Weisen vortragen", freut sich Horner schon. Unter seiner Regie haben sich die Kasendorfer Musikanten auf genau diese Musikart festgelegt. Sie bevorzugen Märsche und die unvergessenen Titel von Ernst Mosch. "Diese Musikart erlebt aktuell einen echten Hype - in Deutschland, in Österreich, in der Schweiz. Und am Nachmittag kommen die Leute, denen abends zu viel los ist. Das sind die, die unsere böhmische Musik lieben", so Florian Horner.

Probleme, genügend Freiwillige zu finden, die mittags ihre Freizeit opfern, hat er nicht. "Wir sind so ungefähr 25 - das ist gut", sagt Horner.

Viele Musiker sind sogar mehr als einmal engagiert. Sie sprechen von einem "besonderen Gefühl", bei der Bierwoche aufzuspielen. Es sei wie ein Kick.

Michael Pöhlmann (36) ist bei der "Presssack-Combo" dabei, aber auch beim Musikverein Stadtsteinach.

Kurzfristig eingesprungen

Saskia Porzelt (25) ist ein echter Bierfestfan, hat sogar schon einmal beim Dirndl-Wettbewerb der BR mitgemacht - und gewonnen. Und sie liebt es, im Stadel zu feiern. Als ein Musiker krank wurde, sprang sie kurzerhand ein. "Ich habe früh um 9 Uhr erfahren, dass ich gebraucht werde. Ich musste gar nicht lange überlegen, der Auftritt beim Bierfest ist immer ein Highlight", sagt sie.

Zu Hause bleiben musste bislang Wilfried Spielbühler. Denn er hat sich eine schlimme Bronchitis eingefangen. "Aber bis zu unserem Auftritt mit den Kasendorfern am Sonntag will ich wieder fit sein", hat er sich vorgenommen.

Er spielt Tenorhorn und freut sich schon auf den Auftritt. "Die Atmosphäre im Stadel ist einfach gut, es ist ein Superfest, das ganze Umfeld passt", sagt Spielbühler. Dem Thurnauer liegt die Musik im Blut. Er hat auch schon im Heeresmusikcorps mitgespielt.

Eine wichtige Rolle übernahm Andrea Schuberth bei der "Presssack-Combo". Gemeinsam mit Marcel Ott sang sie. "Es ist schon etwas, wenn man oben auf der Bühne steht, wenn man sieht, dass das Zelt voll ist und wenn man dann anfängt zu singen. Bei den ersten zwei Liedern habe ich immer Lampenfieber. Aber dann ist alles weg", verrät sie. Ein Geheimrezept, wie sie die Nervosität besiegt, hat sie aber nicht. Einfach Augen zu, sich konzentrieren und durch.

Gleich an zwei Instrumenten

Florian Teig (27) liebt die Bierfestmusik so sehr, dass er nicht nur in verschiedenen Formationen mit von der Partie ist, sondern dabei auch noch die Instrumente wechsel. In der "Presssack-Combo" spielt er Klarinette, ansonsten Bariton. "So ein Auftritt ist ja nie perfekt. Aber wenn man sieht, wie den Leuten die Musik gefällt, dann macht es einfach Spaß", sagt er und kann nur allen Musikern Mut machen, einmal mit dabei zu sein.

Bier mögen die Musikanten natürlich alle. Doch beim Auftritt greifen sie lieber zu nicht-alkoholischen Getränken. Denn der große Auftritt verlangt einiges ab - danach ist immer noch Zeit, um ausgiebig zu feiern.