Am Sonntag hat Landesligist SV Friesen nicht nur sein viertes Saisonspiel, sondern ab der 60. Minute auch die Contenance verloren. Das behauptet zumindest Gegner Kasendorf. Kurz zuvor war SV-Spieler Philip Gleich beim Stand von 1:1 für ein Foulspiel per Roter Karte des Feldes verwiesen worden - Endstand 1:3.

Einen Tag später war Friesens Trainer Andreas Lang noch hörbar angefressen: "Es war Philips erstes Foul, da hätte Gelb völlig gereicht." Sowohl vor dem Platzverweis als auch danach hätten die Gastgeber wesentlich schlimmere Fouls begangen, die der Schiedsrichter maximal mit einer Verwarnung geahndet habe. "Ein Kasendorfer hat nach seinem Einsteigen sogar mit der Roten Karte gerechnet und war schon auf dem Weg in die Kabine", sagt Lang.


Erst Selbitz und Schweinfurt, jetzt Friesen

Zusätzliche Brisanz barg laut SV-Coach das 2:1. "Der Linienrichter hat Abseits angezeigt, wurde vom Unparteiischen aber ignoriert", berichtet der 35-Jährige und wittert eine kleine Verschwörung: "Die Mannschaften aus unserer Region werden seit geraumer Zeit benachteiligt. In der Relegation hat Selbitz das Freilos nicht bekommen. Hof hat ohne Erfolg Einspruch gegen das Skandalspiel gegen Schweinfurt eingelegt. Und in dieser Saison waren die Schiedsrichter ebenfalls noch nicht auf unserer Seite", sagt Lang. Auffällig findet der Friesener auch, dass es bereits die vierte Rote Karte gegen eine Gastmannschaft in Kasendorf war.

Das sieht Kasendorfs Trainer Markus Taschner nicht unbedingt als Vorteil: "Zwei der Partien haben wir in Überzahl verloren." Nicht nur wegen des Ergebnisses ist Taschner gelassener als sein Kollege. "Der Schiedsrichter hat seinen Ermessensspielraum genutzt. Das haben auch die Schiedsrichter-Beobachter vor Ort so gesehen", erzählt der 33-Jährige.


Betreuer und Ersatzspieler mischen sich ein

Jedes Foul sei einzeln zu bewerten. Es habe weder eine Tätlichkeit noch unfaires Verhalten gegeben. "Und ein Friesener Spieler hat mir nach der Begegnung gesagt: Die Rote Karte konnte man geben." Dennoch seien sämtliche Betreuer und Ersatzspieler des SV danach halb auf dem Spielfeld gestanden und hätten für jedes Foul des Aufsteigers und Tabellenfünften einen Platzverweis gefordert.

Allerdings kann Taschner die Friesener verstehen, die mit drei Zählern aus sieben Spielen auf dem vorletzten Platz der Landesliga Nordost stehen. "Nach dem Schlusspfiff war zwar nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen, aber die Gäste waren sportlich fair. Ein paar Spieler haben auch ein Bier mit uns getrunken", sagt Taschner.
Ein endgültiges Friedensbier will er sich nach dem Rückspiel mit Andreas Lang gönnen, mit dem er vor der Partie ein freundschaftliches Gespräch geführt hatte. Und auch Lang gibt sich versöhnlich: "Mund abwischen und weitermachen."