Früher Nachmittag im Senioren- und Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt Am Rasen: Lachen und Stimmengewirr, auf der Gartenterrasse geht es lebhaft zu: Heimbewohner sitzen mit jungen Leuten in kleinen Gruppen zusammen. Es gibt Selbstgebackenes mit Kaffee und Erfrischungsgetränken - und viel zu erzählen. Die Jugendlichen sind Schüler des sozialen Zweigs der Carl-von-Linde-Realschule. Sie kommen einmal pro Woche nachmittags ins Heiner-Stenglein-Seniorenheim, um Zeit mit den Bewohnern zu verbringen.


Freiwilliges Engagement

Das Besondere an der Aktion: Das Engagement der Schüler und ihrer Lehrerin Linda Bär ist freiwillig. Der Besuchsdienst wird zwar über die Schule organisiert, ist aber nicht Teil des Unterrichts. Die Mädchen und Jungen aus der achten und neunten Klasse schenken den Pflegebedürftigen ihre Freizeit - und sie tun das sehr gern.

"Ich finde es schön hier. Wir verstehen uns sehr gut mit den alten Menschen. Sie sind Freunde", sagt Lea-Marie Dorsch. Nach einem anstrengenden Vormittag in der Schule freut sie sich immer auf den Besuch im Heim. "Das ist ganz entspannt, und wenn ich sehe, dass die Bewohner sich freuen, macht mich das auch glücklich."

Die Neunklässlerin ist schon seit zwei Jahren in der Besuchsgruppe engagiert und hat dabei viele schöne Momente, aber auch Trauriges erlebt. "Es ist sehr hart, wenn jemand stirbt", erzählt sie. "Wenn man sich jede Woche sieht, dann baut man doch eine enge Beziehung auf. Da entsteht ein Vertrauensverhältnis. Und dann kommt man das nächste Mal, und derjenige lebt nicht mehr."

Auch Maria Deichsel, Sonja Herold, Nicolina Popp und Jakob Hermann, die ebenfalls schon seit zwei Jahren dabei sind, teilen diese Erfahrungen. "Das ist natürlich schwer. Aber es gehört auch zum Leben dazu", sagt Maria.


Ein Duft wie in der Toskana

Die Schüler kommen nicht nur zum Kaffeetrinken und Geschichten erzählen. Es gibt auch gemeinsame Projekte. Aktuell steht eine Gartenaktion unter dem Motto "Toskana" auf dem Programm. "Wir haben gemeinsam mediterrane Pflanzen gepflanzt und ausgesät, vor allem Lavendel und viele würzige Kräuter wie Basilikum, Zitronenmelisse, Thymian und Oregano", erzählt Sozialpädagogin Silvia Bauernfeind vom Awo-Team. Diese Pflanzen sehen nicht nur gut aus, sie sind durch ihren intensiven Duft auch ein Erlebnis für die Sinne. Und natürlich werden sie auch in der Küche verwendet.

Lehrerin Lina Bär hat von einer Kollegin ein altes Kaffeeservice geschenkt bekommen: Die Tassen wurden mit Hauswurzen dekorativ bepflanzt und sind nun Hingucker auf den Terrassentischen und in den Beeten.

Der Kontakt zu den jungen Leuten und deren Interesse für ihre Lebensgeschichten und Erinnerungen sei für die Bewohner eine echte Bereicherung, sagt Silvia Bauernfeind. "Da haben sich tolle Beziehungen aufgebaut."

So etwas funktioniere natürlich nur, wenn man einen engagierten Kooperationspartner hat. "Da haben wir mit der Realschule wirklich großes Glück", so Heimleiter Ralf Hammer. Er sieht in den Besuchen auch positive Impulse für die Schüler, die auf diese Weise einen engeren Bezug zum Berufsfeld Pflege und zum Alltag in einem Pflegeheim bekämen.

Was gefällt den Schülern an den Treffen? "Die Bewohner sind offen, freuen sich auf uns. Das spürt man", sagt Nicolina.

Genauso empfinden das umgekehrt die Senioren: "Es ist immer sehr schön mit den jungen Leuten", sagt Kurt Kuch, der mit seiner Frau Helga im Pflegeheim lebt. Beide sind so oft wie möglich bei den Treffen dabei. Und auch Bewohnerin Christel Popp freut sich auf jeden Besuch der Schüler und findet: "Die gemeinsame Zeit vergeht immer viel zu schnell."