Der Pluralismus in der Kommunalpolitik hat nun auch in Wonsees Einzug gehalten. Am Dienstagabend wurde von zehn Gründungsmitgliedern ein Ortsverband der Freien Wählern aus der Taufe gehoben. "Die Zeit der Alleinherrschaft ist damit Vergangenheit", betonte der bei einer Enthaltung zum Vorsitzenden gewählte Hans Werner Harz, der die neue politische Gruppierung initiiert hatte. Bislang gab es in Wonsees bei den Wahlen zum Marktgemeinderat traditionell nur eine Liste mit CSU-Mitgliedern und parteiunabhängigen Bewerbern.

Keinen Hehl machte Harz aus einer gewissen Enttäuschung, dass sich zur Gründungsversammlung lediglich zehn Interessierte einfanden. Insgeheim hatte er auf 20 gehofft. "Wir werden aber bestrebt sein, aus der jetzt geschaffenen Keimzelle das Beste zu machen. Wir wollen keine Rebellen sein, sondern ein offenes Ohr für die Anliegen der Bevölkerung haben", betonte er.

"Pfändner wirkt müde"

Dringend erforderlich seien mehr Transparenz, eine offenere Informationspolitik seitens der Gemeinde und des Bürgermeisters sowie eine verstärkte Bürgerbeteiligung. "Wenn es etwa jetzt um die künftige Nutzung des Schulhauses, das die Kommune vom Schulverband Wonsees erworben hat, geht, sollten die Bürger vermehrt gehört und in die Entscheidungsfindung einbezogen werden", so Harz. Der derzeitige Bürgermeister Günther Pfändner (CSU) wirke müde und habe schon mehrmals angedeutet, froh zu sein, wenn die Wahlperiode vorüber sei.

Harz brachte die Möglichkeit ins Spiel, dass Pfändner durchaus auch vorzeitig zurücktreten könnte, um einen Nachfolger schon jetzt die Einarbeitung zu ermöglichen. "Mich treiben keine Ambitionen auf das Bürgermeisteramt an, und ich würde auch jederzeit nach der ersten Wahlperiode mein Amt als Vorsitzender abgeben, wenn sich ein ambitionierter junger Nachfolger findet", machte das frühere CSU-Mitglied Harz klar.

Zwei Stellvertreter

Zu seinen gleichberechtigten Stellvertretern wurden Christian Tauer und Frank Gömer gewählt. Stefan Höhl ist Kassierer, Schriftführer wurde Thorsten Hübner. Auch Andreas Mätzold, der seit sieben Jahren in Wonsees wohnt, hier die historische Marktmühle restauriert hat und 2008 auf der Kreistagsliste der Freien Wähler kandidierte, hatte zuvor für die Neugründung der Wonseeser Freien Wähler geworben. "Ich habe, bevor ich nach Wonsees kam, in Neudrossenfeld gewohnt und muss sagen, dass im Vergleich zu dort im gemeindlichen Leben in Wonsees der ,Schlaf des Gerechten' herrscht", sagte er.

Geleitet wurde die Versammlung von FW-Bezirksvorsitzendem Klaus Förster. Dieser machte ebenso wie Klaus Zahner, der Vorsitzende der FW/WGK-Kreistagsfraktion, deutlich, dass sich die übergeordneten Ebenen der Freien Wähler in keiner Weise in die örtlichen Belange und Angelegenheiten des Wonseeser Ortsverbandes einmischten. Alle Mandatsträger seien jedoch jederzeit bereit, zu beraten und zu helfen.

Klaus Zahner wies die Aussage von Bürgermeister Pfändner zurück, derzufolge er, Zahner, schon lange das Ziel hege, in Wonsees einen Ortsverband zu gründen: "Ich habe zur der Vorbereitung gar nichts beigetragen, die Initiative zu dem Schritt kam aus der Ortschaft selbst."