Normalerweise ist die Historie das Feld, auf dem sich Silvan Wagner, Dozent für ältere deutsche Philologie an der Universität Bayreuth, bewegt. Dieses Mal hat er allerdings ein aktuelles Format aus dem Privatfernsehen aufgegriffen, um es auf die Bühne zu bringen.

"Frauentausch" heißt das Stück in zehn Szenen, eine klassische, postmoderne Tragikomödie, die nicht den moralischen Zeigefinger heben will, sondern den Zuschauer zum Beobachter des Absurden macht, zum Erforschen der Grenzen zwischen Sein und Selbstdarstellung einlädt.

"Als Wissenschaftler finde ich das Grenzphänomen faszinierend, das dieses Format seit Jahren erfolgreich macht", sagt Silvan Wagner. Formate wie "Frauentausch" seien der absolute Bodensatz der Belanglosigkeit. "Und dennoch haben wir ein großes Bedürfnis, uns darin zu suhlen und uns gleichzeitig davon abzuheben - ganz nach dem Motto: Je schlimmer es dort ist, desto besser stehe ich selbst da."

Silvan Wagner verbrachte ein Jahr mit der Vorbereitung zu seinem Stück, bei ihm läuft etwa 16 Stunden am Tag der Fernseher, vorzugsweise "Bügelfernsehen", denn nur bei einem solchen Programm könne man nebenbei auch noch arbeiten. "Für mich ist das Fernsehen Arbeitsinstrument und Studienobjekt, ich glaube, ich habe jeden Dreckgesehen, der gesendet wird."
 
Jetzt fordert er im Kulmbacher Theater Baumann die Zuschauer dazu auf, sich selbst dem Phänomen "Frauentausch" zu stellen und sich von den zehn Darstellern auf der Bühne in die Welt der Belanglosigkeiten entführen zulassen. Die Rahmenhandlung erzählt von einer Tauschfrau, die gerade in der Tauschfamilie angekommen ist, doch das Produktionsteam ist über Nacht gestorben.

Die beiden Darsteller entscheiden sich, das Programm dennoch ohne Beobachter durchzuziehen. "Wir spielen auf vielen Ebenen, das macht das Stück so besonders", verrät Regieassistentin Julia Weiß. Die Zuschauer seien zum Mitdenken gefordert - doch keine Angst, der Humor komme ganz sicher nicht zu kurz. Und jeder soll letztendlich selbst herausfinden, ob er sich in der ein oder anderen Szene wiedererkennt oder einen Drang zum Fremdschämen verspürt.
 
Als ehemalige Schultheatergruppe des Gymnasiums Burgkunstadt fand sich die Theatergruppe "Bumerang" nach einigen Jahren wieder zusammen und gastiert seitdem mit verschiedenen Stücken auf unterschiedlichen Bühnen - eine echte Heimat hat das Ensemble derzeit nicht. Die Bühne von Rüdiger Baumann passe sehr gut zu dem Stück, sagt Silvan Wagner, und da sich die beiden Schauspieler bereits gut kannten, stand der Aufführung nichts mehr im Wege.

Wer sich also die Welturaufführung eines außergewöhnlichen Schauspiels nicht entgehen lassen möchte, sollte sich Karten für einen der vier Termine am 28., 29. und 30. September sowie am 1. Oktober sichern. Karten gibt es im Vorverkauf unter www.das-baumann.de oder unter der Telefonnummer 09221/93393.