Fast täglich treffen sich Rainer Fischer (57), Karl-Heinz Keidel (57) und Robert Erdmann (52) in Fischers "Schraubergott"-Werkstatt in Fassoldshof. Dort tüfteln sie an einem curryfarbenen BMW 2002 TI, Baujahr 71. Der Wagen wird mit überbreiten und superschnellen Rennreifen ausgestattet, noch letzte Verbesserungen werden montiert. Denn schon bald soll er seinen großen Auftritt haben - auf den Rundstrecken Deutschlands.
"Ich habe den Curry von Grund auf neu aufgebaut", erzählt Rainer Fischer, ein Autoenthusiast. Er hat noch einen kleinen orangefarbenen Rallyeflitzer in seinem Bestand, einen roten und einen gelben BWM. Und die Autos heißen auch "Der Orange", der "Gelbe" und "der Rote".

Es muss in jedem Fall ein BMW sein

"Aber ich könnte noch fünf andere Autos aufbauen", erzählt er und zeigt sein Ersatzteillager. Motoren, Zylinder, Reifen, aber auch Karosserieteile und jede Menge anderes Blech lagern in seiner Werkstatt - alles fein säuberlich sortiert. Fast penibel genau. In einer Kiste sind Türgummis, in einer anderen Dichtungen. Alles Ersatzteile für BMW. Denn auf die bayerische Prestigemarke sind die drei "Schraubergötter" spezialisiert - aber möglichst alt müssen die Gefährte sein.

"Bislang ist der Curry auf der Einstellfahrt auf dem Nürburgring gelaufen, ziemlich gut. Er hat drei Stunden ohne Fehler durchgehalten", schwärmt Rainer Fischer. Und das allererste Rennen hat "Curry" auch gut durchgestanden - in Oschersleben landete das Fahrerteam auf dem 18. Platz, also im ersten Drittel.

Akkurat und ordentlich geht es natürlich erst recht im Motorraum zu. Dort ist es so sauber, dass selbst ein einzelnes Staubkörnchen auffallen würde.

Am Wochenende in der Lausitz

Am 15. und 16. August startet "Curry" auf der 4,8 Kilometer langen Rundstrecke auf dem Lausitzring. Und im Herbst wird er auf dem Hockenheimring durch die Nordschleife flitzen. "Eigentlich kommt es bei den Rennen auf der Rundstrecke auf die Gleichmäßigkeit der Fahrt an, aber um Schnelligkeit geht es schon auch", sind sich die drei Fahrer einig.

Robert Erdmann und Rainer Fischer sind Kfz-Mechaniker, haben sich in einem BMW-Autohaus kennengelernt und haben schon immer gerne geschraubt - auch in der Freizeit. Im echten Leben führt Robert Erdmann Kundendienste für Gabelstapler durch. Dass er selber Rennen fährt, ist neu. Erst in dieser Saison ist Erdmann "ins Rennbusiness" eingestiegen. Der Dritte im Bunde, Karl-Heinz Keidel (57), ist eigentlich Masseur. Aber sein Bruder war deutscher Rallyemeister - und auch ihn hat das Rennfieber schon seit Jahren gepackt.

"Ich fahre ja schon seit 1974, ich bin ein Rallye-Opa", lacht Rainer Fischer, wenn er an all die Rennen zurückdenkt, die er schon gemeistert hat. Er hat mit den Kindern Mini-Rallye gefahren. Nahezu jede Rallyestrecke kennt er - und an manche hat er auch weniger gute Erinnerungen. Denn es gab auch so manchen Crash. Doch Rainer Fischer kann nicht einmal sagen, wie viele Autos er geschrottet hat. Jedenfalls ist ihm nie etwas Schlimmeres passiert.

Noch schneller und noch mehr Power

Dass er jetzt auf der Rundstrecke sein Können beweisen will, ist neu. "Unser Ziel mit dem Curry ist in dieser Saison erst einmal, mitzufahren. Aber über den Winter soll er einen stärkeren Motor bekommen. Dann wird er schneller und kriegt mehr Power", hofft Fischer auf weitere gute Leistungen und Einsätze. "Mit dem Curry kann man die anderen schon ein bisschen ärgern", lacht Fischer. Denn während die neuen Autos 1500 Kilo und mehr wiegen, bringt es der currygelbe BMW auf nur 900 Kilo. "Das ist doch alles Glasfaser und Plastik", zeigt er das Innenleben und die Details des BMW. Jedes überflüssige Gramm im Auto wurde entfernt. Und natürlich hat "Curry" auch ein neues Getriebe, Hinterachsen, ein neues Fahrwerk und einen Spezialmotor bekommen.

Übrigens ist solch eine Rundstrecke nicht nur für das Auto eine Riesen-Leistung, sondern auch für die Fahrer. "Man muss den G-Kräften entgegenwirken. Da kann es schon mal Muskelkater in den Armen oder in den Oberschenkeln geben", verrät Masseur Keidel. Er bereitet sich auf Rennen mit Radfahren und Fitnesstraining vor. Rainer Fischer trainiert seine Muskeln beim Tischtennis. Und auch Robert Erdmann hält sich mit Sport fit, auch wenn er der Jüngste im Fischer-Rennteam ist.