Unermüdlich schnurrt das Ding um den Rehturm. Es steigt und sinkt. Es fliegt Kurven. Und es sorgt bei zufällig vorbeikommenden Spaziergängern für einige Irritation.

Ingo Bär, der mit einer Fernsteuerung auf der Plattform des Rehturms steht, kann erklären, was es mit dem Ding auf sich hat: Eine Drohne ist das. Ein unbemanntes Flugzeug also. Ein Mini-Hubschrauber, um genau zu sein: Gut einen Meter misst der Rotorkranz im Durchmesser. Knapp zweieinhalb Kilogramm wiegt das Fluggerät, das sich ähnlich wie motorisierte Modellflugzeuge per Fernsteuerung dirigieren lässt. Aber während motorisierte Modellflugzeuge mit einem Verbrennungsmotor sich oft schon weithin durch lautes Geräusch ankündigen, schnurrt die Drohne von Ingo Bär dank eines Elektromotors flüsterleise.



Und anders als die Drohnen, die oft zu militärischen Zwecken eingesetzt werden, dient der Mini-Hubschrauber ausschließlich friedlichen zivilen Zwecken: Ingo Bär macht damit Fotos und Videos aus der Luft.

"Damit kann ich meine zwei großen Hobbys miteinander verbinden", sagt der 28-Jährige. Von Kindheit an habe er eine Leidenschaft für den Modellflug gehabt. "Und fast genau so lange fotografiere und filme ich auch", berichtet er. Vor wenigen Jahren erst habe er erste Versuche gemacht, beides zusammen zu bringen.




Ein gebrochener Fuß und große Langeweile waren schuld an dem Projekt: Vom Balkon seiner Wohnung aus hat Ingo Bär die erste Kamera in die Luft geschickt, hat die Nachbarhäuser, die angrenzende Flutmulde und sich selbst von oben aufgenommen.

Weitere Versuche mit einer auf ein Modell-Segelflugzeug montierten Kamera waren vielversprechend. Mit dem "Multikopter", aus einem Bausatz selbst gebaut, verfügt Ingo Bär mittlerweile über ein hochtechnisiertes Fluggerät mit vielen Einsatzmöglichkeiten. Bis zu 2,5 Kilogramm kann er bei seinem Mini-Heli zuladen. Das reicht für eine ordentliche Spiegelreflex-Kamera mit Normalobjektiv oder für eine handelsübliche Video-Kamera.
Der Multikopter ist robust und schnell. Er ist rasch in der Luft, hält Windgeschwindigkeiten bis zu 40 Stundenkilometern aus und bringt es im Gleitflug durchaus einmal auf Tempo 90. Der Pilot ist da schon gefordert und sollte die Fernsteuerung im Griff haben. Eine Havarie ginge in die Tausende...


Ingo Bär hat seine fliegende Kamera Zug um Zug verfeinert. Die Kamera liefert per Fernauslöser hochauflösende Bilder, die in Echtzeit zu einer Bodenstation übertragen werden: "So kann ich immer verfolgen, was die Kamera gerade aufnimmt." Zusätzlich hat Bär sich schlau gemacht, was ein fotografierender Pilot - oder ein fliegender Fotograf? - alles darf und was er lieber bleiben lässt. Sichtflug, Aufstiegserlaubnis, Flugverbote, Bildrechte: Der 28-Jährige hat dafür gesorgt, dass er nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommt.

Beeindruckende Fotos entstanden mit der Zeit: die Plassenburg von oben, der Ochsenkopf aus ungewöhnlicher Perspektive... Irgendwann reichte es Ingo Bär nicht mehr aus, nur aus Spaß an der Freude zu fotografieren oder Freunden und Verwandten mit seinem Helikop ter zu Luftbildern ihres Hauses zu verhelfen.

"Ich möchte das künftig hauptberuflich machen", sagt der gelernte Heizungsbauer, der seinen ersten Beruf mittlerweile an den Nagel gehängt und die Firma IB-Luftaufnahmen gegründet hat. Viele Einsatzmöglichkeiten des Mini-Helikopters sind denkbar: die Überwachung eines Stadions bei Fußballspielen, die Dokumentation von Großereignissen aus der Luft, die Kontrolle von Schloten oder Türmen auf Bauschäden. Sogar die Vermisstensuche scheint denkbar - wenn die Canon am Multikopter durch eine Wärmebildkamera ersetzt wird."Der Multikopter ist wendiger als ein großer Hubschrauber - und er kann näher ran."

Erste geschäftliche Kontakte seien vielversprechend, sagt Ingo Bär. Sein großer Wunsch: Für Filmproduktionen gebucht zu werden. Die Chancen, so sagt er, stehen gut. "Deutschlandweit gibt es nur gut ein Dutzend Leute, die das professionell machen. Bei denen stehen die Produzenten Schlange."