Schon jetzt, wenige Monate nach dem Zusammenschluss der Großen Koalition, seien nur noch zwölf Prozent der Bürger mit der GroKo zufrieden. "Das heißt zwar nicht, dass 88 Prozent uns wählen, aber dass 88 Prozent unzufrieden sind. Und diese Menschen müssen wir abholen, bei denen müssen wir ansetzen", forderte Thomas Nagel.

Plädoyer für Videoüberwachung

Die Gewalt der Jugendlichen am Bahnhof war ebenfalls ein Thema. "Wenn Kulmbach auch in den überregionalen Medien als Krawallstadt dargestellt wird, ist das kein gutes Bild. Aber mit Streetworkern und sozialen Diensten kommt man an diese Jugendlichen nicht ran", so Nagel. Er rief den Vorschlag der FDP in Erinnerung, eine mobile Videoüberwachung zu installieren. "Mit dem Datenschutz gibt es kein Problem, denn die Daten werden ja nur 24 Stunden gespeichert", betonte Nagel.

Die großen Forderungen der FDP für Kulmbach sind eine bessere Anbindung der Plassenburg und eine Sanierung der Tiefgarage. Mit provokativen Postkarten machen die Liberalen für diese Themen Wahlwerbung. "Wir müssen uns klar machen, dass die Tiefgarage 3,5 Millionen Euro kosten wird. Und das Gebäude wird keine vier Jahre mehr halten. Wenn das Verfüllen am günstigsten ist und den Einzelhändlern keine Nachteile entstehen, dann muss man darüber nachdenken", sagte Nagel und stellte klar, dass der Architektenwettbewerb vorangetrieben werden müsse.

"Die FDP wird auf allen Ebenen vermisst und gebraucht", sagte Hauptredner Thomas Hacker. Der Ex-Landtagsabgeordnete kritisierte Union und SPD scharf: "Die SPD sagt schon jetzt klar, dass man in Zukunft über Rot-Rot-Grün reden muss."

"Energiepolitik ist eine Farce"

Eine Farce nannte Hacker die aktuelle Energiepolitik und monierte die Haltung des bayerischen Ministerpräsidenten. "Es ist noch gar nicht so lange her, da hat Seehofer ein Biomassekraftwerk angeschaut und wollte dann zwei Drittel des Energiebedarfs aus Biomasse decken. Aber so viel Fläche haben wir gar nicht, und so viel Mist kann nicht mal die CSU produzieren."

Auch zur Stadtpolitik in Kulmbach hatte Hacker so manche Anmerkung. "Wenn wir schon Museumsschätze haben, ist es das Dümmste, diese zu verstecken. In Oberfranken gibt es viele kulturelle Einrichtungen, wir brauchen mehr Selbstbewusstsein gegenüber den Oberbayern." Sein größter Wunsch: "Wir müssen unsere Mandatszahl wieder ausbauen - auf allen Ebenen. Das Hare-Niemeyer-Verfahren hilft uns dabei."