Oberfrankens Industrie ist eine der am schnellsten wachsenden in ganz Bayern. Das hat Ministerpräsident Horst Seehofer unlängst wieder betont. Das mag auch daher komen, dass die Region, an der Grenze zum ehemals Eisernen Vorhang gelegen, von einem vergleichsweise niedrigen Level gestartet ist. Doch auch zahlreiche innovative Ideen und einzigartige Konzepte führen dazu, dass Oberfranken nicht so schlecht dasteht wie sein Ruf oftmals vermuten lässt.

Kein Wunder also, dass sich der sächsische Nachbar einiges abschauen will. Die Hochschule dual in Kulmbach zum Beispiel. Eine Delegation von sächsischen und bayerischen FDPlern hat deshalb das berufliche Schulzentrum in Kulmbach besucht, um sich über das Konzept zu informieren.

"Wir Sachsen wollen auch eines Tages zu den Geberländern gehören. Da ist es nur konsequent, sich die Regionen anzuschauen, in denen es gut läuft", so der Fraktionsvorsitzende der Liberalen im sächsischen Landtag, Holger Zastrow. "Nicht zu jammern, sondern aus den Gegebenheiten das Beste zu machen, das steht für uns im Mittelpunkt." Bei einer Bildungstour durch Oberfranken, in der sie neben Kulmbach auch Hof und Ludwigsstadt besuchten, hielten er und seine Parteikollegen Ausschau nach Anregungen.

Besser qualifiziert

Schulleiter Joachim Meier führte die Besucher gerne durch das berufliche Schulzentrum und erklärte das System von Hochschule dual. Dabei geht es darum, dass junge Menschen sowohl praktisch, als auch theoretisch ausgebildet werden: Sie machen eine Ausbildung und ein Studium in einem. Beim Studiengang Technischer Systemplaner/Maschinenbauingenieur, der in Kulmbach angeboten wird, erreichen die Studenten in 4,5 Jahren einen ordentlichen Hochschulabschluss (Bachelor of Engineering) in Hof sowie eine Ausbildung im Unternehmen. Die Vorteile für beide Seiten: Die Absolventen sind besser qualifiziert und verdienen trotz Studium Geld. Die Unternehmer bekommen selbst ausgebildete, akademische Fachkräfte, die nicht mehr extra eingearbeitet werden müssen. Ein Vorteil für die Region: Junge Menschen können bleiben.

Leider, so Schulleiter Joachim Meier, wird der Studiengang noch schleppend angenommen. Zehn Schüler haben in diesem Jahr begonnen. "Auf Dauer ist das etwas zu wenig", betonte auch Landrat Klaus Peter Söllner, "Die Unternehmer sind von der Wichtigkeit dieser Ausbildungsmöglichkeit überzeugt, viele werben dafür."