Was ich bisher gekannt habe, ist das "St. Florians-Prinzip". Es beschreibt, wenn einer prinzipiell für etwas ist - nur nicht bei ihm vor der Haustür. Früher kam dieses Motto zusammen mit Wörtern wie "Atomkraftwerk" oder "Umgehungsstraße" vor, heute tummelt es sich gemeinsam mit Vokabeln wie "Windrad" oder "Autobahnanschluss". Wieso das jetzt zum Ereignis werden sollte, weiß ich auch nicht.

Vielleicht hat die Frau den Ausdruck ja auch versehentlich geboren, weil der richtige im Gedächtnis gerade nicht parat war - oder sie hat ihn schon immer missverstanden. In diese Kategorie gehört schließlich auch der Begriff "über den Daumen gebellt". Ihn verwendete eine liebe Freundin beharrlich, ohne ihn erklären zu können und vor allem ohne das tatsächlich existierende "über den Daumen gepeilt" zu kennen.
Dass man das auch auf Sprichwörter und Redewendungen ausdehnen kann, hat neulich einer in einer Fernsehsendung bewiesen, als er davon gesprochen hat, dass man den Bären nicht verteilen sollte, ehe das Fell erlegt ist.
Menschen gehen eben kreativ mit der Sprache um, werden aber in aller Regel zum Glück trotzdem verstanden. Wie zum Beispiel ich in Kindertagen, als ich die "Mondbrötchen" kategorisch abgelehnt habe und die Mohnbrötchen lieber meinen Spielgefährten zukommen lassen wollte. Denn immer, wenn mir meine Mutter eines dieser Backwaren angeboten hat, war das für mich - über den Daumen gebellt - einfach sowas wie ein St.Florians-Ereignis.