Die Schlafgemächer eines Schlosses - das ist für den einen oder anderen Liebhaber vielleicht interessant, die Massen wird man damit aber nicht begeistern können. Sollte man meinen... In Thurnau sieht die Sache etwas anders aus.

Als die Bayerische Rundschau vor gut einer Woche berichtet hatte, dass Eintrittskarten für die Besichtigung der Kemenate ab sofort verkauft werden, waren die Tickets innerhalb weniger Stunden vergriffen. Damit wird deutlich: Die Thurnauer interessieren sich mehr und mehr für ihr Schloss, vor allem für den Fortgang der Bauarbeiten. Immer mehr wird die historische Anlage als Teil des Marktes wahrgenommen.

Das freut natürlich Kastellan Ralf Wirth. Er hat schon mehrere Teile der Anlage - und nun eben auch die Kemenate - begehbar gemacht. Seit über einem Jahr investiert er pro Woche dutzende Stunden in die Aufräumarbeiten. Am Samstag endlich war es soweit: Wirth konnte offiziell die ersten Gäste durch die Räume der Kemenate führen.

In dem achtstöckigen Gebäude verbergen sich viele spannende Geheimnisse. Manche sind sicher noch immer unentdeckt. Viele hat Ralf Wirth aber schon "ausgegraben". Zum Beispiel hat das Schloss bereits im 15. Jahrhundert über Toiletten verfügt - deutlich früher als Schlösser und Burgen im Rest Europas. "In den meisten alten Gemäuern herrschte ein bestialischer Gestank. Das Thurnauer Schloss war bereits früh mit separaten Toilettenräumen ausgestattet." Teilweise sind diese auch heute noch zu sehen", berichtet der Kastellan.

Bei der Kemenaten-Führung erzählt nicht nur Ralf Wirth, sondern auch der Baron höchstpersönlich kommt zu Wort. In Gestalt von Schauspieler Wolfgang Krebs, der zum Beispiel von seinem Lieblingsraum berichtet, dem Turmzimmer. Er nutzte es als Cafézimmer. Von dort aus geht direkt der Übergang zur Kirche ab. "Die Predigten des Pfarrers dauerten zu meinen Lebzeiten oft mehrere Stunden. Während dieser Zeit kann ich mich mitten im Gottesdienst unbemerkt hier herüber schleichen und später, kurz vor dem Ende, wieder in die Kirche eilen", erzählt der Graf.

Später war der Raum ein Waffenzimmer. Als Nachweis dafür sind Bilder aufgehängt, die von dieser Nutzung zeugen. Auch Schandwerkzeuge wurden dort aufbewahrt. Bürgermeister Dietmar Hofmann hat für den Raum schon konkrete Pläne: Er möchte ihn als Trauzimmer nutzen. Dazu muss es - wie die ganze Kemenate - allerdings erst einmal saniert werden, was im übernächsten Bauabschnitt geplant ist. Wann genau die Arbeiten dafür beginnen, ist bisher noch nicht klar. Etwas anderes aber schon: Die Kemenate kann in Zukunft immer wieder in kleinen Gruppen unter Führung von Ralf Wirth besucht werden. Denn auch wenn sie noch nicht saniert ist, begehbar ist sie jetzt auf jeden Fall.

Weil es sich aber noch um eine Baustelle handelt, an der an vielen Stellen Gefahren lauern, die Treppen noch ausgetreten und glatt und die Böden noch nicht begradigt sind, ist zwar Vorsicht geboten. Doch weil sich seit dem Auszug der letzten Bewohner in den Räumen nichts verändert hat, hat man als Besucher das Gefühl, man wäre mitten drin, statt im Museum. Ein Besuch in der Kemenate lohnt sich für alle, die ein bisschen gräfliche Luft schnuppern wollen.

Weitere Führungen sollen in den nächsten Monaten folgen.