50 Jahre, in denen er selbst eine beachtliche Karriere machte - und viele Dorfschulen den Betrieb einstellen mussten.

Dass sich Ludwig Weilbacher gerne an die Traindorfer Zeiten erinnert ("Die glücklichste und intensivste Zeit meiner Laufbahn"), liegt aber nicht nur daran, dass er kurz zuvor geheiratet hatte und zusammen mit Ehefrau Helga vom Schulrat in den kleinen Frankenwaldort beordert worden war. Obwohl gerade dieser Aspekt damals eine wichtige Rolle spielte. Immerhin verfügte die Traindorfer Schule nur über einen Unterrichtsraum, in dem die Klassen 1 bis 4 und 5 bis 8 manchmal sogar gleichzeitig und ansonsten im Wechsel vor- und nachmittags betreut wurden. "Da durfte es zwischen den Lehrkräften keine Missstimmung geben", erinnert sich Weilbacher. Was in der Konstellation eines Ehepaares wohl auch am besten zu erreichen war.

Ohne Unterricht zur Schule

Der spätere Konrektor der Untersteinacher Volksschule erinnert sich auch deshalb gerne an die Traindorfer Zeit, weil sie nicht von elektronischen Unterhaltungsmedien bestimmt war. "Wir waren damals die Fernseher", scherzt Weilbacher und sieht überhaupt nichts Besonderes daran, dass damals die Kinder auch nach dem Unterricht in die Schule kamen, weil es regnete oder eben sonst nichts los war.

Das taten sie dann meist zum Musizieren. Denn nach der merkwürdigen Beobachtung mit dem Kontrabass nahmen Ludwig Weilbacher und Ehefrau Helga am nächsten Tag kurzerhand Cello und Geige mit in den Unterricht und spielten auf. Das wiederum hatte zur Folge, das tags darauf die Kinder selbst Instrumente mitbrachten. "Zehn bis zwölf Geigen waren das ungefähr. Und Gitarren und Flöten", erzählt der heute 76-Jährige.

Was sich in der Zeit danach daraus entwickelte, ist vielen Traindorfern, Tannenwirtshausern oder Baiersbachern noch heute Erzählungen wert: Die Traindorfer Schule gründete unter Leitung des Ehepaars Weilbacher ein Orchester, das zu öffentlichen Weihnachtsfeiern und Wiesenfesten auftrat. Auch ein Kirchenchor entstand zu dieser Zeit. Woher diese besondere Musikalität kam? "Viele Traindorfer waren damals unter der Woche als Händler unterwegs. Und wenn sie am Wochenende daheim waren, dann wurde eben Musik gemacht", erklärt Weilbacher.

So beschaulich es damals aus heutiger Sicht auch zugegangen sein mag ("Einen Elternabend hat man nicht machen müssen. Man hat die Leute ja auf der Straße getroffen"), so unternehmungsfreudig waren die Weilbachers auch. Der Busausflug der Traindorfer Schule nach Würzburg im Jahr 1962 oder die Schullandheimaufenthalte in Vordorf bei Wunsiedel sind noch heute bei den Teilnehmern legendär und kommen fast an die Erfolge der legendären Buß-Elf heran.

Immer höhere Standards

Dass Ludwig und Helga Weilbacher vor 50 Jahren "von der Schule Traindorf geprägt wurden, sie aber auch selbst geprägt haben", davon ist der heutige Marktleugaster Schulleiter Siegfried Sesselmann überzeugt. Er sammelt seit Jahrzehnten Daten und Bilder zu den Schulen im Kulmbacher Land, zwei Bücher sind daraus schon entstanden. Der Stadtsteinacher schreibt die ständig fortschreitende Zentralisierung der Schule nicht allein den sinkenden Schülerzahlen zu. "Es wurden auch immer höhere Standards angelegt, die die kleinen Schulen einfach nicht erfüllen konnten, vor allem nicht im naturwissenschaftlichen Bereich." Spätestens mit der Landschulreform Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre war das Ende vieler kleiner Dorfschulen besiegelt. Die heutige Marktleugaster Grund- und Mittelschule mit gerade noch 185 Kindern umfasst allein den Sprengel von ehemals elf Schulhäusern, weiß Siegfried Sesselmann.

Dass Ludwig Weilbacher genau dorthin - nach Marktleugast - im Jahr 1990 als Rektor zurückkehren würde, konnte er Anfang der 1960er Jahre nicht ahnen. Die Großfamilie der kleinen Dorfschule hat ihn aber bis dorthin begleitet: In Person der Kinder und Enkelkinder seiner damaligen Schüler in Traindorf. Die allerdings waren im Winter mit richtigen Schlitten unterwegs. Kontrabässe, da ist sich Ludwig Weilbacher nach 50 Jahren ganz sicher, werden in Traindorf heute für den Winterspaß nicht mehr verwendet.