Novum in Untersteinach: Neben SPD, CSU und WGU tritt bei der Kommunalwahl im nächsten Jahr erstmals eine neue politische Kraft an - die Untersteinacher Bürgergemeinschaft. Die 2016 gegründete UBG versteht sich als parteifrei und unabhängig.

Und noch ein Novum: Bei ihrer Nominierungsversammlung am Montagabend im Fortuna-Sportheim ist die UBG nicht unter sich. Eine Abordnung der Wählergemeinschaft Untersteinach (WGU-Freie Wähler) hört zu. Aber mit den alten Kameraden sind sie bei der UBG endgültig fertig. Vorsitzender Philipp Simon Goletz sagt: "Die alten Gräben sind unüberbrückbar."

Rückblick: Die UBG entstand nach einem internen Streit bei der Wählergemeinschaft Untersteinach. 2015 traten die Gemeinderäte Alfred Vießmann, Thomas Rosenberger und Philipp Simon Goletz, damals auch WGU-Vorsitzender, bei der WGU aus und bildeten die UBG-Gemeinderatsfraktion. Sie waren nicht einverstanden mit dem Vorgehen des vierten WGU-Gemeinderats Markus Weigel, der die Poolaffäre an die Öffentlichkeit brachte und schwere Vorwürfe gegen Bürgermeister Volker Schmiechen (SPD) erhob. Angeblich soll Schmiechen beim Bau seines privaten Schwimmbads unberechtigt Bauhofmitarbeiter beschäftigt haben. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bayreuth wurden aber eingestellt. Es konnte kein strafbares Verhalten festgestellt werden, hieß es.

Neben einer Gemeinderatsliste präsentiert die neue Gruppierung mit Harald Kleiber auch einen eigenen Bürgermeisterkandidaten. Der Kämmerer der Verwaltungsgemeinschaft Untersteinach (seit 2006) tritt also gegen seinen Chef an, den amtierenden Bürgermeister Schmiechen, sowie gegen Helmut Bergmann von der WGU.

Kleiber (62) war früher schon für die Freien Wähler politisch aktiv: Er kandidierte 2002 als Bürgermeisterkandidat in der Stadt Schillingsfürst (Landkreis Ansbach) und 2008 für den Gemeinderat Thurnau. Als Referent beim Bildungswerk für Kommunalpolitik Bayern gibt Kleiber Seminare für Gemeinderäte und engagiert sich in vielen Vereinen. Ehrenamtlich ist er seit 47 Jahren als Rettungssanitäter tätig und seit über 40 Jahren bei der Feuerwehr.

Wir sprachen mit Goletz und Kleiber im Vorfeld der Nominierungsversammlung.

Herr Goletz, woran entzündete sich damals der Streit innerhalb der Wählergemeinschaft Untersteinach und wie ist aktuell das Verhältnis zur WGU?

Philipp Simon Goletz: Die Differenzen entstanden durch einen Vertrauensbruch. Aber das und andere Zerwürfnisgründe sind für uns Vergangenheit. Die alten Gräben sind unüberbrückbar, und wir wollen sie nicht weiter vertiefen.

Stimmt es, dass der WGU-Vorstand verhindern wollte, dass sie als amtierender Kreisrat wieder auf der Kreistagsliste der Freien Wähler antreten?

Ich habe zwar gehört, dass von der offiziellen Wählergemeinschaft Untersteinach nicht jeder mit meiner erneuten Kandidatur für den Kreistag einverstanden ist. Aber das soll mich nicht hindern, mich als amtierender Kreisrat weiter auf Landkreisebene für Untersteinach und andernorts für unseren gesamten Landkreis zu engagieren. Ich werde selbstverständlich wieder auf der Kreistagsliste der Freien Wähler antreten.

Werden Sie im Wahlkampf für sich reklamieren, dass die UBG die echten Freien Wähler in Untersteinach sind?

Die unabhängige Bürgerbewegung gibt es in Untersteinach schon seit 1956. Seit Jahrzehnten repräsentieren unser langjähriger Gemeinderat Alfred Vießmann und andere die unabhängigen Wähler in Untersteinach. Diese Tradition der Verständigung und des kommunalpolitischen Konsenses ist für uns bindend. Wir setzen sie in Untersteinach auf jeden Fall fort.

Herr Kleiber, was hat Sie bewogen, für die UBG als Bürgermeisterkandidat anzutreten?

Harald Kleiber: Ich bin seit langem mit Philipp Simon Goletz im Gespräch. Dabei ging es immer darum, meine Verwaltungserfahrung kommunalpolitisch zu nutzen. Ich kandidiere, um - bei aller Bescheidenheit - meine Kompetenz in das Bürgermeisteramt einzubringen.

Wo sehen Sie das Hauptproblem in Untersteinach?

Probleme gibt es mehrere. Ich habe immer gesagt, dass begonnene Projekte zu Ende geführt werden müssen, zum Beispiel die Wasserversorgung und die Abwasserentsorgung. Aber man darf auch überlegen, ob es Alternativen gibt. Weiter müssen wir uns um die Erhaltung des Schulstandorts, um die Fortentwicklung der Siedlung und des Gewerbegebiets oder um die Dorferneuerung kümmern. Mein besonderes Anliegen ist das Leerstandsmanagement und die Wiederbelebung von Kleingewerbe und Gaststätten.

Sie sind als Kämmerer einer der wichtigsten Mitarbeiter von Bürgermeister Schmiechen. Wie wird die Zusammenarbeit bis zum Wahltag werden?

Problemlos und respektvoll wie bisher. Ich bin auch nicht nur Kämmerer der Gemeinde Untersteinach, sondern der Verwaltungsgemeinschaft und habe mit Ludwigschorgast, Kupferberg und Guttenberg noch drei andere Gemeinden. Die Bürgermeisterwahl ist kein persönliches Duell, sondern ein politischer Wettbewerb. Ich werde den Wahlkampf absolut sachlich führen.

Nominierung der UBG: Spione im Saal

Man muss schon zweimal hinschauen: Wer spioniert hier bei der Nominierung der Untersteinacher Bürgergemeinschaft? Eine Gruppe der Wählergemeinschaft Untersteinach und ihrer Sympathisanten sitzt auf den hinteren Plätzen - unter anderem: WGU-Gemeinderat Markus Weigel, WGU-Bürgermeisterkandidat Helmut Bergmann, WGU-Listenkandidat Tobias Eichner sowie Bernhard Herrmann.

Herzliche Abneigung verbindet die UBG und die WGU. Wird die Versammlung reibungslos verlaufen? Was haben Weigel und seine Entourage vor? Die Anspannung ist greifbar.

Hinweis auf Benimmregeln

Vorsitzender Philipp Simon Goletz spricht das Zerwürfnis an und erklärt, dass UBG und WGU seit dreieinhalb Jahren "zwei Paar Stiefel" sind. Außerdem nimmt Versammlungsleiter Christian Lotter gleich die Luft raus. Mit Blick auf die Überraschungsgäste sagt er: "Frage- und Rederecht haben nur UBG-Mitglieder und Kandidaten." Video- und Tonaufzeichnungen seien nicht erlaubt. "Ansonsten halten wir uns an die normalen Benimmregeln, dann kriegen wir das sauber über die Bühne."

Lotter stellt fest, dass 17 Stimmberechtigte anwesend sind, und Bürgermeisterkandidat Harald Kleiber stellt sich kurz vor. Der Kämmerer der VG Untersteinach verweist auf seine langjährige Erfahrung in der öffentlichen Verwaltung und bezeichnet sich als konsequent, neutral und engagiert. Er bekommt alle 17 Stimmen.

Auch die Liste wird einstimmig abgesegnet. Gemeinderat, Kreisrat und UBG-Vorsitzender Goletz kandidiert nur auf einem hinteren Platz. Unter den 13 Kandidaten, die teilweise dreifach und zweifach aufgeführt werden, sind sechs Frauen. Wie erwartet, tritt der Untersteinacher Grandseigneur der Freien Wähler, Alfred Vießmann, der 80 geworden ist, nicht mehr an.

Gemeinderatsliste 1. - 3. Harald Kleiber 4. - 6. Thomas Rosenberg 7. - 9. Andreas Goletz 10. - 12. Elke Ufer 13. + 14. Silke Höhn 15. + 16. Matthias Lang 17. + 18. Miriam Musolff 19. Detlev Reichelt 20. Philipp Simon Goletz 21. Anja-Susanne Kleiber 22. Karl-Heinz Weber 23. Christine Goletz 24. Christiane Lottertir