Für Markus Ruckdeschel steht fest: Ohne die Energiewende würde Strom noch teurer werden. Denn: "Der Umstieg auf erneuerbare Energien findet ja statt, um irgendwann den Preisanstieg bremsen zu können", erklärt der Pressesprecher der Energieagentur Oberfranken. Schließlich seien die fossilen Brennstoffe die Preistreiber - und nicht die Energie, die mit Wind oder Sonne praktisch kostenlos zur Verfügung steht. Die Diskussion um die Ökostrom-Umlage kann er deshalb nicht nachvollziehen.

Ihm ist durchaus klar, dass die 60 bis 90 Euro Mehrkosten, die jährlich für einen durchschnittlichen Haushalt anfallen, für manche Familien viel Geld sind. "Man muss versuchen, den Umstieg sozialverträglich hin zu bekommen. Aber am Ende zahlen die Verbraucher noch mehr, wenn wir den Umstieg nicht schaffen." Und: "Hier wird hysterisch diskutiert, als würde der Strompreis um 50 Prozent steigen. Auf der anderen Seite zahlen die Leute an der Tankstelle ohne mit der Wimper zu zucken. Dabei ist mit einmal günstig tanken die Ökostrom-Umlage schon eingespart."

Um die Diskussion zu entschärfen, rät der unabhängige Fachmann, dass sich die Verbraucher einmal alte Stromrechnung heraussuchen sollten. "Dann sieht man, dass der Anstieg nicht auf die erneuerbaren Energien zurückzuführen ist. Die taugen nicht als Buh-Mann."

"Wir reden uns seit Mitte September die Köpfe heiß um eine Sache, die sein muss", ist für Ruckdeschel klar. Teils gebe es in der Debatte seltsame Auswüchse: "Der Vorschlag, sozial schwache Familien umsonst über das Energiesparen zu beraten ist sinnlos, weil die kein Geld haben, das sie in energiesparende Maßnahmen investieren können."


Strompreise müssten niedriger sein


Ruckdeschel verweist darauf, dass bereits heute eine preissenkende Wirkung durch die erneuerbaren Energien besteht. "Die entsteht dadurch, dass zum Beispiel Photovoltaik-Anlagen in der Mittagszeit viel Strom liefern. Das drückt den Preis. Früher erzielte der Mittagsstrom einen Spitzenpreis." Auch die windreichen Herbst- und Wintertage würden sich auf die Kosten auswirken. "Bitter ist nur, dass davon bei den Endverbrauchern nichts ankommt." Denn die Stromversorger hätten sich langfristig Strom gesichert und könnten so kaum von den niedrigen Preisen profitieren. Vielmehr würden Großunternehmen gewinnen, die billig an der Strombörse in Leipzig einkaufen. So hätten sich viele die Energiewende nicht vorgestellt.

Deshalb hat er kein Verständnis, dass die Interessenvertreter der Industrie "am meisten schimpfen". Und das noch mit Blick auf die Befreiung von Unternehmen von der Umlage. "Es gibt sicher Industriezweige, für die diese Befreiung berechtigt ist. Aber ohne diese Ausnahmen könnte Umlage 25 Prozent niedriger sein." Und: "Je mehr befreit werden, desto schwerer wird die Last für alle anderen und umso schwieriger wird es, den Menschen zu erklären, dass sie mehr für die erneuerbaren Energien zahlen müssen."

Dass die Preise niedriger sein müssten, belegt er mit einem Gutachten von Diplom-Ingenieur Gunnar Harms im Auftrag der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Der Spezialist kommt zu dem Ergebnis, dass die Strompreise im Börsenhandel um bis zu 20 Prozent gesunken sind.


Einsparpotenzial von 500 Millionen Euro


Der Atomausstieg habe nicht zu den befürchteten Preissenkungen geführt. Ausreichende Kapazitäten, weniger Verbrauch und eine erhöhte Einspeisung erneuerbarer Energien seien Grund dieser Entwicklung. Dadurch errechnete der Fachmann ein Einsparpotenzial für die privaten Haushalte von 500 Millionen Euro für 2013.
Doch ob diese Einsparungen bei den Verbrauchern ankommen, stellt er in Frage: "In den letzten fünf Jahren zeigte sich, dass gestiegene Einkaufspreise stets unverzüglich weitergegeben wurden, Preissenkungen hingegen nicht, zumindest nicht an die Haushaltskunden. Aktuell müsste der Strompreis zwei Cent die Kilowattstunde niedriger liegen, wenn die Versorger die gesunkenen Einkaufspreise aus der Vergangenheit entsprechend weitergereicht hätten."

Und auch das Argument, die EEG-Umlage sei ein Hauptkostentreiber, entkräftet Harms in dem Gutachten: So könne klar nachgewiesen werden, dass diese Umlage für weniger als die Hälfte der Preiserhöhungen seit 2007 verantwortlich sei.

Für Markus Ruckdeschel ist das Wasser auf den Mühlen ...


Die Energieagentur