Schwerstkranke Menschen bis zuletzt gut zu pflegen und zu betreuen ist das Ziel eines Gesetzentwurfs zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland. Maßgeblich daran mitgearbeitet hat die Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Kulmbach, Emmi Zeulner (CSU). Die gelernte Krankenschwester hat einen Entwurf zur Stärkung der Palliativversorgung erarbeitet und im Bundestag vorgestellt. Teile davon finden sich jetzt wörtlich im Gesetzentwurf der Großen Koalition.

Warum braucht Deutschland ein solches Gesetz? "Wir wollen, dass Menschen in ihrer letzten Lebensphase nach ihren Wünschen begleitet werden", sagt Emmi Zeulner. Insbesondere in ländlichen Regionen fehle es noch an ausreichenden Hospiz- und Palliativangeboten sowie an einer vertraglichen Umsetzung der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV).

Und wie sieht die Situation im Raum Kulmbach aus? Der Landkreis war bislang noch ein weißer Fleck in der Versorgungslandschaft und wurde teilweise aus Bamberg mitversorgt. Zum 1. Januar wurde diese Lücke jedoch geschlossen und für den Raum Bayreuth-Kulmbach eine gemeinsame SAPV auf die Beine gestellt.

Maria Luise Rasch, Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands Kulmbach, sieht darin einen großen Fortschritt und eine wertvolle Unterstützung für die Hausärzte. In der vorbereitenden Diskussion hätten das nicht alle ihre Kollegen so gesehen. "Es gab Ängste, dass den Hausärzten dadurch Patienten weggenommen werden, aber die sind unbegründet."



Die SAPV sei eine Ergänzung der allgemeinen ambulanten Palliativversorgung (AAPV). Das sind Leistungen, die bislang schon von den Hausärzten erbracht werden. Die spezialisierte Versorgung sei dagegen für diejenigen Fälle gedacht, die der Hausarzt allein nicht oder nur mit großen Schwierigkeiten meistern kann. "Die SAPV wird vom Hausarzt verordnet. In Absprache mit ihm kümmern sich Palliativmediziner mit ihrem Palliativ Care Team um die Patienten. Diese Teams haben mehr Zeit für sie und intensivere Behandlungsmöglichkeiten. Das ist ein großer Vorteil."


Schmerztherapie verbessern
Obwohl sich die meisten Menschen wünschen, zu Hause zu sterben, verbringen in Deutschland zwei Drittel ihre letzte Lebensphase in stationären Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern, bedauert Emmi Zeulner. Das könnte sich ändern, wenn auch zu Hause eine gute medizinische Versorgung und menschliche Begleitung gewährleistet wäre, zu der unbedingt eine optimale Schmerztherapie gehöre.

Wie wichtig gerade dieser Aspekt ist, weiß Oberärztin Ursula Weiskopf, die am Klinikum Kulmbach die Palliativstation mit sechs Einzelzimmern leitet. "Wenn wir Patienten mit einer Bedarfsmedikation für alle Fälle entlassen, stelle ich leider immer wieder fest, dass es Hausärzte gibt, die diese Bedarfsmedikation nicht verordnen wollen." Das werde durch die spezialisierte Versorgung sicher einfacher. Es seien nicht viele Patienten, die das bräuchten, aber für diese und für ihre Angehörigen sei es eine große Erleichterung, zu wissen, dass sie rund um die Uhr jemanden anrufen können, wenn es ihnen schlecht geht."

Partner der spezialisierten Versorgung ist auch der Kulmbacher Hospizverein, so Vorstandsmitglied Evelyne Mädl. Die Laienhelfer entlasten die Familien, sind aber nicht pflegerisch oder medizinisch tätig.

Mit dem neuen Gesetz wird es in vielen Bereichen gleichzeitig Verbesserungen geben, so Emmi Zeulner. Für die 27-Jährige ist ihre Mitwirkung dabei Anerkennung ihrer politischen Arbeit: "Als junge Abgeordnete aus der letzten Bank an einem so wichtigen Positionspapier beteiligt zu sein, ist schon etwas Besonderes."

Zeulner liegt neben der spezialisierten auch der Ausbau der allgemeinen ambulanten Palliativversorgung am Herzen. Die Qualität in der vertragsärztlichen Versorgung soll in Form zusätzlicher Leistungen finanziell gefördert werden. "Ärzte, die diese neuen Leistungen erbringen und abrechnen wollen, müssen besondere Qualifikationsanforderungen erfüllen und sich an einem gemeinsamen Fallmanagement mit ambulanten Hospizdiensten oder in Palliativteams beteiligen."

Schon jetzt gibt es auch im Landkreis Hausärzte, die über diese zusätzliche Qualifikation verfügen. Maria Luise Rasch hat selbst eine palliativmedizinische Weiterbildung absolviert. "Das ist aufwendig", sagt sie. Doch es trage dazu bei, den Anforderungen unserer Gesellschaft und der Patienten gerecht zu werden.

Verbessert werden soll auch die finanzielle Ausstattung stationärer Hospize, indem die Krankenkassen künftig bei Hospizen für Erwachsene 95 statt bisher 90 Prozent der zuschussfähigen Kosten tragen.


Neue Regeln für Medikamente
Erweiterte Regelungen sieht der Gesetzentwurf darüber hinaus für stationäre Pflegeeinrichtungen und für den so genannten Off-Label-Use in der Palliativ- und Hospizversorgung vor. Dabei geht es um die zulassungsüberschreitende Anwendung von Arzneimitteln zur Linderung von Schmerzen und anderen Beschwerden schwerstkranker und sterbender Menschen. Emmi Zeulner: "Alle Anstrengungen müssen darauf abzielen, auch bei einer unweigerlich zum Tode führenden Krankheit jeden verbleibenden Tag wertvoll zu machen."