Nachdem beim 9. Awo-Kulturtreff im April im Stadtsteinacher Heimatmuseum die Besucher vor Hunger fast ohnmächtig wurden und es hieß: "Die Würschd langa net", hatte der Hausherr, Bürgermeister Roland Wolfrum, diesmal das Personal besser im Griff und in seinen weiteren Funktionen als Küchen- und Kellermeister am Wochenende mit dem ausreichenden Maß an Kulinarik vorgesorgt. Allerdings reichten diesmal die Plätze nicht, so dass Awo-Vorsitzender Heinz Nowack für den 10. Treff zwei Termine festsetzte: Freitag plus Samstag.


Zwei Neuentdeckungen


In der "Stanicher G‘schichtla-Werkstatt" präsentierte Nowack zudem zwei Neuentdeckungen. Die 14-jährige Gymnasiastin Antonia Schmidt aus Stadtsteinach las einen Text vor, für den sie beim europäischen Literaturwettbewerb des Literaturhauses Graz ausgezeichnet worden war. Einen fiktiven Brief, den ein Mädchen vor über hundert Jahren an ihre Großmutter geschrieben haben könnte. Darin schildert es seine Ängste und Hoffnungen, nachdem es nach Amerika ausgewandert war.

"Übrigens ist das gar keine so unmögliche Geschichte", ergänzte Heinz Nowack. Laut "unserem Historienschreiber Siegfried Sesselmann" seien im 19. Jahrhundert tatsächlich Leute aus der Gegend nach Amerika ausgewandert; bekannt seien einige Familien aus Wartenfels.

Die zweite Neuentdeckung war Hans-Jürgen Schuller. Er war vor Jahren aus Rumänien nach Deutschland migriert und lebt seit kurzem im Stadtsteinacher Stadtteil Römersreuth. Ganz am Ende des Dorfes schreibt er Lieder zum ganz zurückhaltenden Gitarrenspiel, das er sich selbst beigebracht hat. Seine Stücke haben Anklänge an Reinhard Mey, zünden aber auch dezent Richtung Ludwig Hirsch. Kleine Episoden wie über seinen Schuh, aber auch von seinem Traum, fliegen zu können.


Bürgermeister am Spielfeldrand


Ein bisher noch nicht bekanntes Gedicht ebenfalls übers Fliegen des Stadtsteinacher Originals Jakob Hoffmann trug Roland Wolfrum vor. Darin fantasiert Hoffmann davon, wie er als "Vöcherla vom Berchfeld" über die Gegend um Stadtsteinach segeln würde "wenn ich Flüchl hätt'". Und ein
weiteres, in dem Hoffmann fast beiläufig schildert, wie er seiner späteren Frau an der Nordeck zum ersten Mal begegnet ist.

In einem weiteren Auftritt konnte man erleben, wie der Stanicher Bürgermeister fast einen Herzanfall kriegt - als "Mann vom Stehplatz A" in einer Büttenrede des einstigen Fernsehunterhalters Heinz Schenk. Besser als die Spieler auf dem Fußballfeld könnte er es, und dreimal besser als der Schiri sowieso, regte sich Wolfrum - im übrigen Vorsitzender des TSV Stadtsteinach - auf. Austreten auf dem Verein müsste er eigentlich, halt wenigstens bis zum nächsten Spiel, weil er da ja wieder am Spielfeldrand stehen wird.


Der Sonnenschein aus Eisenwind


Zweimal drei aus ihrer unerschöpflichen Sammlung eigener Gedichte las auch Helga Weiske vor. "Der Sonnenschein aus Eisenwind," wie Heinz Nowack sie ankündigte. Sie reimt Nettes und Freudiges getreu ihrer Lebensphilosophie "Spaß muss man sich selber machen."

Etwas tiefer grub Hilde Madl mit zwei Texten; mit einer Sage über die Burgruine Nordeck, die die Getreue des Frankenwaldvereins erzählte, und mit einer Geschichte aus Frankreich, in der ein Mann Eicheln sammelte, sie keimen ließ und aussäte, so dass von seinem Lebenswerk immerhin drei prächtige Eichenwälder blieben.


Auf Tegtmeiers Spuren


Deftiger zu ging es bei einem Sketch von Jürgen von Manger. Als Tegtmeier nuschelte er mit schiefem Mund unter einem dichten Schnurrbart und im Ruhrpott-Kauderwelsch einst in so mancher Unterhaltungssendung. Mit "Tegtmeier beim Arzt" verursachten Knud (als Patient) und Herma Espig (als Sprechstundenhilfe, die mit Tegtmeiers Blutdruck 220 zu 160 recht zufrieden war) sowie Günther Ott eine Menge Lachtränen in die Augen des Publikums.

Nach der Veranstaltung steckte Fahrlehrer Ott, der auch gelernter Friseur ist, mit Meister Thomas Ploner noch einige Zeit die Köpfe in Ploners Sonderausstellung von alten Friseur-Gerätschaftschaften im Heimatmuseum zusammen. Die kann man im übrigen als nächstes wieder bei der Öffnung des Museums am 5. November nachmittags anschauen.

Zwei fast wahre Geschichten aus denen von Erich Rappl alias "Wafner" las außerdem Marianne Nowack vor. Und sie machte sich semantische Gedanken über das Fränkische - darüber, dass mit dem Begriff "aweng" doch so manche Kalamität nicht mehr schlimm erscheint.


"Lagg-Farb am Zebbedäus"


Nur am Samstagabend las Wolfgang Hoderlein zwei fränkische Märchen und gab abermals in seiner dramatisch anschaulichen Art eine weitere Glosse des "Hofer Spaziergängers Gert Böhm" zum Besten: "Lagg-Farb am Zebbedäus", über die hier aus Jugendschutzgründen nicht berichtet werden kann.

Mit drei Stunden war das Programm zwar aweng lang, aber kaweng faad. Und das lag sicher auch an Rainer Eichner, der mit seinem Akkorden zwischendrin leidenschaftlich aufspielte.