Die Mitarbeiter des Landratsamt sind begeistert vom E-Golf. Leicht zu fahren sei er, ziehe gut an und genug Platz biete er auch. Dank der Initiative der Auszubildenden des Landratsamts können die Mitarbeiter ein solches Fahrzeug für einige Tage testen. In einem Projekt haben sich die acht Azubis für die Nutzung eines Elektroautos stark gemacht und zuvor in den Fahrtenbüchern des Fuhrparks geschaut, ob sich ein solches Gefährt lohnen würde. Als Kooperationspartner sind das Klimaschutz-Management des Landkreises und die Verkehrsakademie Bayern mit dabei.

Bei zwei Fahrzeugen stellten die Azubis erstaunliches Fest: Über 70 beziehungsweise 60 Prozent der Fahrten würden innerhalb des Landkreises gemacht, sagt Maximilian Müller, einer der Azubis - also innerhalb der Reichweite eines Elektroautos. Beim E-Golf sollen es laut Herstellerangaben 190 Kilometer sein. Der Praxistest des Landratsamts habe gezeigt, dass es zwischen 140 und 160 Kilometer sind, sagt Ingrid Flieger vom Klimaschutz-Management. Sie sei zuvor noch nie ein Auto mit Automatikgetriebe gefahren. E-Autos setzen fast ausschließlich auf diese Technik.

Hohe Preise schrecken Kunden ab

Darin liege auch ein Problem der elektrischen Autos. Denn viele Menschen hätten Abneigungen oder Vorurteile gegen Automatik, sagt Michael Möschel, Geschäftsführer der bayerischen Verkehrsakademie. Er sieht vor allem Firmen und Behörden als Vorreiter der E-Mobilität. Vornehmlich bei Fahrten innerhalb einer Stadt oder eines Landkreises seien Elektroautos sinnvoll.

Nach seiner Einschätzung, werden die Preise für E-Autos in Zukunft sinken. Denn die seien für viele ein Problem. Der Test-Golf des Landratsamt koste rund 36.000 Euro, ein Einstiegsmodell des Golfs rund 17.300 Euro, sagt Philipp Haase, Verkaufsberater bei Motor Nützel, und fügt an: "Man muss Äpfeln mit Äpfeln vergleichen". Der E-Golf habe eine sehr gute Ausstattung. Ein vergleichbares Modell mit Benzinmotor und 125 PS koste zirka 29 .000 Euro, erklärt Haase.

Der E-Golf, der gerade beim Landratsamt gefahren werde, gehöre VW, der Test laufe über Motor Nützel. Generell gebe es eine große Nachfrage von Kunden, die ein E-Auto zur Probe fahren oder für einige Tage testen wollen, erklärt Haase. Die Verkaufszahlen hinken dem Interesse noch hinterher. 2014 habe man im Einzelkundenbereich in Bayreuth fünf E-Fahrzeuge verkauft, so Verkäufer Haase.

Er hat dafür auch eine Erklärung: Viele Kunden schrecke noch der Preis oder sie wollen auf längere Laufleistungen oder erste Gebrauchtwagen warten. Man müsse das Thema E-Mobilität jetzt spielen, der Verkauf sei eine nachhaltige und längerfristige Sache, sagt Haase und ergänzt: "Umdenken müssen wir irgendwann alle."

15 E-Fahrzeuge zugelassen

Dass Elektrofahrzeuge in der gesamten Bundesrepublik und auch im Landkreis Kulmbach noch Exoten sind, zeigen die Zulassungszahlen. 15 Fahrzeuge, mit rein elektrischem Antrieb seien aktuell bei der Zulassungsstelle des Landkreises gemeldet, sagt Uwe Limmer, der stellvertretende Sachgebietsleiter. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um Pkw, sondern um alle Fahrzeugklassen. Die Zahl der Erdgas- und Hybrid-Fahrzeuge sei deutlich höher. Insgesamt seien im Landkreis rund 70.000 Fahrzeuge zugelassen, so Limmer.

Nach dem E-Golf will das Landratsamt noch einen elektrischen Smart und einen Renault testen. Fest steht jetzt schon: "Wir werden in den nächsten Wochen ein E-Mobil für unseren Fuhrpark kaufen", sagt Landrat Klaus Peter Söllner (FW). Langfristig müsse man auch über eine eigene Stromerzeugung und Ladestationen für Mitarbeiter und Besucher nachdenken, sagt Ingrid Flieger vom Klimaschutz-Management. Sie hat mit dem E-Auto sogar eine Fahrt zum Schloss Tambach im Landkreis Coburg gemacht - alles kein Problem gewesen, sagt Flieger.

Wenn das E-Fahrzeug in den Fuhrpark des Landratsamtes kommt, dann werde auch eine Schnell-Ladesäule benötigt. Beim E-Golf dauere die Ladung über eine normale Steckdose rund elf, über eine spezielle Säule acht Stunden, erklärt Philipp Haase von Motor-Nützel. An einigen Autobahnen gebe es schon schnellere Systeme, die in 30 Minuten den Akku auf 80 Prozent laden. Lässt das Landratsamt sein ein E-Auto zu, dann sind es immerhin schon 16 Fahrzeuge dieser Kategorie im Landkreis.



E-Autos in Deutschland

Zahlen Anfang 2014 fuhren knapp 100 000 Autos mit Elektro- oder Hybridantrieb in Deutschland. Bundesweit sind rund 43,9 Millionen Autos zugelassen, ein Anteil von 0,2 Prozent. Seit Anfang des Jahres wurden laut Kraftfahrtbundesamt 23 700 neue E- und Hybrid-Autos zugelassen, bei knapp zwei Millionen Neuzulassungen insgesamt. Schon jetzt fällt für E-Autos zehn Jahre nach dem Kauf die Kfz-Steuer weg. Bei den von der Bundesregierung angestrebten eine Million E-Autos bis 2020 sind auch Hybridfahrzeug mit eingerechnet.