Nicht alles Gute kommt von oben; manchmal ist es kreuzgefährlich, was vom Himmel rauscht. Eis, das von Lastern fällt beispielsweise. Und dazu braucht es keine Schneemassen oder knackige Fröste.

Ein Szenario, das sich so tausendfach jeden Tag im Winter abspielt: Ein Lkw-Fahrer hat seine Lenkzeit ausgereizt; er stellt am frühen Abend seinen Bock auf dem Rasthof ab und begibt sich zur Nachtruhe. Derweil steht der Brummi im Freien. Es beginnt zu regnen. Ein Wetterumschwung dreht die Temperaturen leicht ins Minus, Schneefall setzt ein. Das Wassergemisch sammelt sich auf Auflieger und Plane. Und gefriert.

Am nächsten Morgen startet der Fahrer sein Vehikel und befördert unbemerkt eine Last, die er nicht geladen hat. Die sich aber bei jedem Beschleunigen oder Bremsen zu verselbstständigen droht. Irgendwann bekommt das Eis Risse, löst sich in Brocken auf. Der Wind fährt unter die Platten, wirbelt sie hoch. Die Trümmer heben ab und werden in der Luft zu Geschossen. Die können beim Hintermann die Frontscheibe durchschlagen. Wenn das geschieht, wird's brenzlig für den Autofah rer. Und teuer für den Mann am Lkw-Lenkrad.

Mit höherer Gewalt kann sich da keiner rausreden, sagt Reinhard Eber, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Kulmbach. "Die Haftungsfrage ist eindeutig geregelt: Vor Fahrt antritt muss sich der Brummifahrer davon überzeugen, dass sein Vehikel fahrtüchtig ist und den Vorgaben der Straßenverkehrsordnung entspricht."
Das Befreien der Zugmaschine sowie der Aufbauten von Eis und Schnee gehört explizit dazu. Verstößt der Verkehrsteilnehmer gegen diese Sorgfaltspflicht, können bis zu 120 Euro Bußgeld und drei Punkte in der Verkehrssünderkartei in Flensburg die Folge sein.

"Die Zahl der Fälle, in denen in unserem Inspektionskreis tatsächlich jemand zu Schaden kommt, ist relativ gering", sagt Eber. Zuletzt hatte vor zwei Wochen ein Renaultfahrer auf der Autobahn 9 unliebsame Bekanntschaft mit Flugeis gemacht. Was kann ein Autofahrer tun, damit er nicht auf seinem Schaden sitzen bleibt?
Reinhard Eber sagt dazu: "Er sollte versuchen, den Fahrer des Lasters darauf aufmerksam zu machen, was passiert ist. In diesem besonderen Fall wäre sogar der Einsatz der Lichthupe erlaubt. Das wäre ja kein Mittel der Nötigung, sondern ein Mittel zu Kommunikation, um den Verursacher zum Anhalten zu bewegen."

Fruchtet dieser Versuch nicht, bleibt immer noch, sich das Kennzeichen zu notieren. Doch der Kulmbacher Polizeibeamte gibt zu bedenken: "Auflieger und Zugmaschine haben oft verschiedene Nummern, können sogar in verschiedenen Ländern zugelassen sein."

Man sollte daher immer das Kennzeichen des Zugfahrzeugs aufschreiben, denn darüber ist die Polizei in der Lage, den verantwortlichen Fahrer ermitteln, rät Eber, und: "Weiterhelfen kann auch der Speditions- oder Firmenname."

Prinzipiell rät die Polizei Autofahrern, bei entsprechender Witterung größeren Abstand zu Lastwagen zu halten, die Schnee und Eis verlieren. Die Regel "halber Tacho" kann unzureichend sein, da die Brocken - je nach Geschwindigkeit des Lasters - bis zu 50 Meter hinter dem Brummi aufschlagen können. Auch bei Überholvorgängen sollte man besondere Vorsicht walten lassen und stets mit Gefahr von oben rechnen.

Für Speditionen stellt die eisige Gemengelage durchaus eine Herausforderung dar. Denn wie bekommt ein Fahrer allein auf weiter Flur sein Gefährt sauber, wenn er es denn nirgendwo unter Dach parken konnte? Immerhin sind moderne Trucks gute vier Meter hoch. Ohne technische Hilfsmittel - oder die Unterstützung von Kollegen- ist ein Enteisen fast nicht möglich (siehe Infokasten "Diese Technik hilft").

Vergleichsweise leicht haben es die Fahrer von Sattelzügen mit Plane: Sie können auf die Ladefläche steigen und mit dem Stiel einer Schaufel oder eines Besens von innen gegen die Stoffbahnen drücken, damit sich die weiße Dachlast löst.

An manchen Rastanlagen und Autohöfen sind in den Wintermo naten zudem Gerüste errichtet, von denen aus die Trucker ihre Lastwagen enteisen können. In manchen Bundesländern haben die jeweiligen Autobahnpolizeireviere besondere Hinweistafeln aufgestellt, die Lastwagenfahrer auf die nächstgelegene Möglichkeit zum Saubermachen aufmerksam machen. Die Zeit sollte drin sein.