Es wird zu viel gestorben im Landkreis Kulmbach. In 19 von 22 Städten und Gemeinden im Kreis war im Jahr 2018 die Zahl der Sterbefälle höher als die der Geburten. Das ist keine gute Nachricht.

Aber es gibt auch gute Neuigkeiten: In mehr als der Hälfte aller Kommunen sind im vergangen Jahr mehr Menschen zu- als weggezogen. Und dort, wo die Zahl der Einwohner kleiner geworden ist, bewegt sich der Rückgang oft in einem Bereich von unter einem Prozent.

Das ist einer der Gründe, warum man sich, wenn man etwas sagen will über die Bevölkerungsentwicklung im Kreis, nicht allzu sehr auf absolute Zahlen stützen sollte (zu einem weiteren Grund siehe den Kommentar unten). Wenn im Melderegister der Kreisstadt Kulmbach zum Jahresende 62 Menschen weniger verzeichnet waren als noch zwölf Monate zuvor, oder wenn Neudrossenfeld, mit aktuell 3916 Einwohnern viertgrößter Ort in der Region, einen Zuwachs um acht Bürger meldet, dann geht es um Größenordnungen von jeweils 0,2 Prozent. Das können auch natürliche Schwankungen sein.

Der Blick aufs große Ganze zeigt: Im Landkreis Kulmbach leben heute gut 73 600 Menschen. Das sind zwar deutlich weniger als noch vor zehn Jahren, als der Kreis gerade noch so an der 75 000-Einwohner-Marke kratzte, aber doch mehr als im Jahr 2014, als man gerade einmal 72541 Kreisbewohner registrierte.

Der vielzitierte demografische Wandel, mit dem in der Vergangenheit meist eine Entwicklung nach unten gemeint war, schein also zumindest gestoppt. Ob es, was die Bevölkerungsentwicklung angeht, wieder aufwärts geht mit der Region, wird sich zeigen.

Der Blick aufs Detail und eine Nachfrage in den Kommunen macht dann deutlich, dass vielerorts zumindest verhaltener Optimismus herrscht. Zum Beispiel in Grafengehaig, der zweitkleinsten Gemeinde im Landkreis, die in der Vergangenheit immer wieder Verluste verzeichnete, nun aber mit einem Mehr an zehn Einwohnern ein Plus von immerhin 1,1 Prozent aufzuweisen hat. Ein Plus, das auf Zuzüge zurückzuführen ist. Bürgermeister Werner Burger (Freie Wähler) schildert, was die Gemeinde tut, um Neubürger in den Ort zu holen. "Wir haben einige leerstehende Gebäude im Ort verkaufen können. Wir verzichten vorläufig auf die Ausweisung eines neuen Baugebietes, versuchen aber, die Restbauplätze, die wir haben, zu bewerben."

Die Neubürger kommen übrigens nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern auch aus Ballungszentren. "Wir können punkten mit unserer wunderbaren Natur", sagt Burger - und verweist auf einen weiteren Pluspunkt, den es so nur in einer kleinen Gemeinde geben kann: "Wir haben hier die kurzen Wege. Wenn jemand ein Problem hat, ruft er halt direkt den Bürgermeister an."

Leerstände schnell wieder weg

Zufrieden über einen Bevölkerungszuwachs von 1,3 Prozent zeigt sich auch der Kupferberger Bürgermeister Alfred Kolenda (Unabhängige Kupferberger Wähler). Die Stadt habe ein zweites Baugebiet ausgewiesen; einige Grundstücke seien bereits bebaut, sagt er. Was er auf dem Wohnungsmarkt beobachtet, stimmt ihn zuversichtlich: "Wenn es im Ort einmal Leerstände gibt, sind die immer schnell wieder belegt. Wir haben in Kupferberg die sogenannten Michels-Häuser, also Mehrfamilienhäuser. Wenn da eine Wohnung frei wird, zieht sehr schnell wieder jemand ein."

Was lockt die Menschen nach Kupferberg? Das ist für Bürgermeister Kolenda klar: "Man lebt hier ländlich-ruhig. Aber bei Bedarf ist man auch schnell in Kulmbach oder Bayreuth."

Angeführt wird die Bevölkerungsstatistik für den Landkreis Kulmbach von der Marktgemeinde Wonsees. 51 Menschen mehr als noch vor einem Jahr leben dort. Das ist ein Gewinn von 2,4 Prozent - und ein erfreuliches Ergebnis für Bürgermeister Andreas Pöhner (CSU).

Natürlich sieht er, wie seine Amtskollegen auch, den sogenannten Sterbeüberhang als Problem. Aber dass man den Bevölkerungsschwund stoppen und den Trend vielleicht sogar umkehren konnte, ist für ihn doch eine gute Nachricht: "Wir haben jetzt wieder eine Bevölkerungszahl zur Zeit meines Amtsantritts."

Woher die Neubürger kommen - immerhin sind im Laufe eines Jahres 184 Menschen zugezogen - , kann Pöhner nicht im Detail nachvollziehen. Aber soviel steht fest: Die neue Tierarztpraxis, in der über 20 Beschäftigte tätig sind, hat Zuzüge gebracht. "Und dann natürlich der Gemüsebaubetrieb Scherzer und Boss, wo etliche Menschen arbeiten, die sich in Schirradorf und Feulersdorf niedergelassen haben."

Pöhner und seine Bürgermeister-Kollegen hoffen, dass sich die Zahlen nun in den nächsten Jahren stabilisieren. Das allerdings wird nichts mehr daran ändern, dass der Rückgang der vergangenen Jahre im kommenden Jahr bei der Kommunalwahl signifikante Folgen haben wird: Derzeit hat der Kulmbacher Kreistag noch 60 Sitze. Nach der Wahl im Frühjahr 2020 (ein genauer Termin steht noch nicht fest) werden es nur noch 50 sein. Warum das so ist, erläutert Achim Geyer, im Landrats Kulmbach unter anderem mit dem Ablauf von Wahlen befasst: Nach Artikel 24 der bayerischen Landkreisordnung beträgt die Zahl der Kreisräte in Landkreisen mit mehr als 75 000 und weniger als 150 000 Einwohnern 60, in Kreisen mit bis zu 75 000 nur 50.

Um natürliche Schwankungen zu berücksichtigen, erfolgt die Verkleinerung des Kreistags allerdings erst bei der übernächsten Wahl. Erstmals unter die 75 000-Marke rutschte der Kreis Kulmbach nach dem Jahr 2009. Und das wird, auch wenn der Abwärtstrend gestoppt ist, nun Konsequenzen haben.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar.