Als die Waldenfelser in Bamberg mit den Windsbachern zusammensaßen und diese von jenen gar schmählich beleidigt wurden, warf der Bischof von Bamberg den Fehdehandschuh. Damit waren auch die Stadtsteinacher als damals dem Bambergischen zugehörig in die Wirren des 30-jährigen Kriegs verwickelt, in dem sich dynastische Macht- und Gebietsansprüche mit konfessionellen Differenzen vermischt hatten.

Dass von der mittelalterlichen Bebauung um den Stadtsteinacher Marktplatz oberirdisch so gut wie nichts mehr übrig ist, ist allerdings nicht dem 30-jährigen Krieg "zu verdanken", sondern der Tatsache, dass man seinerzeit Häuser nur aus Holz baute.

Und die fielen zwei Stadtbränden zum Opfer: Die Seite zwischen altem und jetzigen Rathaus 1798, die gegenüberliegende Seite 1864.

Dennoch hat Stadtsteinach noch mittelalterliche Spuren, denen unter anderem die erste Stadtführung im Zentrum der Stadt an der Steinaha am Freitag nachging.

Das Interesse an einer Führung durch das historische Stadtsteinach war derart groß, dass eine weitere am morgigen Dienstag stattfinden wird. Drei Stunden muss man sich dafür allerdings Zeit nehmen.

Start im Alten Schulhaus

Der Rundgang beginnt im Alten Schulhaus und führt über den Marktplatz zur Katakombe unter dem ehemaligen Haus Seifen Ott. Dann zum vormaligen Burggut, dem Ämtergebäude aus dem 16. Jahrhundert, das seine Funktion zuletzt als Landratsamt des Landkreises Stadtsteinach mit der Gebietsreform im Jahr 1972 verlor.

Seine Funktion als Ämtergebäude hat die nächste Station, das Forstamt an der nach ihm benannten Straße, nach Einsprüchen des Stadtrats noch behalten. Der Hirschkopf an der beigen Fassade des Stadtsteinacher Forstamts ist kein Deko-Element aus der Kitschkiste, sondern befindet sich dort auf ausdrückliche königliche Anordnung: Bayerische Ämter durften nämlich nicht weiß gestrichen sein, da sie so das Volk blenden würden, und es musste ein Element angebracht werden, das die amtliche Funktion des Gebäudes verdeutlicht.

Anschließend geht es an der historischen Stadtwaage vorbei hinunter zum verbliebenen größeren zusammenhängenden Relikt der Stadtmauer gegenüber der ersten Braustätte von Wilhelm Schübel außerhalb des Stadtmauerbezirks.

Historie und Gegenwart

Die Stadtführung ist ausgesprochen abwechslungsreich. Initiator Wolfgang Martin verbindet feuilletonistisch Historisches mit der Gegenwart, und Nicki Lang trägt historische Fakten, Umstände und Begebenheiten dazu bei, die aus der Stadtführung nicht nur eine lehrreiche, sondern auch durchaus unterhaltsame Veranstaltung machen.

Zum Beispiel, dass das Haus am Marktplatz, in dem sich jetzt ein Friseursalon befindet, einst ein Badhaus war, das im Jahre x von Herrn y erbaut wurde, spickt Nicki Lang mit Schilderungen der damaligen "Badekultur", die durchaus nicht im Sinne von Sitte und Moral waren.

Oder was es mit den schmalen Aussparungen am halbrunden Abschluss des Ploner‘schen Hauses oberhalb der Stadtmauer an der Knollenstraße auf sich hat: Die Löcher, die wie auf dem Kopf stehende Schlüssellöcher aussehen, sind Schießscharten der besonderen Art. Dabei erfährt man gleichzeitig einen Abriss der Waffen- und Munitionsgeschichte, die nicht nur eine technische Seite hat, sondern auch eine perfide inhumane.

Insbesondere der große doppelte Gewölbekeller unter dem Haus Seifen Ott gibt einen Eindruck vom Leben im alten Stadtsteinach, das weiterer Nachforschungen bedarf. Wahrscheinlich gab und gibt es unter der Oberfläche weitere Keller, die wohl auch miteinander verbunden waren.

Freie Plätze: hier nachfragen

Soweit noch Plätze für die Führung am Dienstag ab 17 Uhr ab Altem Schulhaus, frei sind, sind Anmeldungen möglich bei der Stadt Stadtsteinach unter Telefon 09225/9578-24. Unkostenbeitrag: 10 Euro.