Sergej Brabanter ist irritiert. Wie so oft schaut der 15-Jährige am Nachmittag einmal im Jugendzentrum in der Alten Spinnerei vorbei. Er weiß, wo er hin will: Zu seinen Kumpels, die im großen Raum neben dem Café Tischtennis spielen.

Aber an diesem Freitag fängt ihn Stefan "Bonsai" Lehner, der Leiter des Jugendzentrums, gleich nach der Tür ab. Ob er ein Handy dabei habe? Sergej stutzt einen Moment. Dann schiebt er sein Handy in einen braunen Umschlag, schreibt seinen Namen drauf und steckt den Umschlag in die große rote Plastikkiste hinterm Tresen. In der Kiste liegen schon etliche Umschläge: Handy ist heute nicht in der Alten Spinnerei! MP3-Player auch nicht. Playstation nicht. Und Computer und Facebook auch nicht.

"Tag der natürlichen Kommunikation" haben "Bonsai" und sein Team diese ungewöhnliche Aktion genannt. Den Anstoß dazu haben die jungen Gäste der Alten Spinnerei selbst geliefert. "Ich habe immer wieder beobachtet, wie die auf dem Sofa sitzen und sich gegenseitig SMS schreiben", sagt Stefan Lehner. "Wir haben dann auch im Team darüber gesprochen - und gemeinsam die Idee für einen handyfreien Tag entwickelt." Dass der Tag nun in die Fastenzeit gefallen sei, sei Zufall. "Aber es passt".


Einige Jungs sind skeptisch
Natürlich ist der "Tag der natürlichen Kommunikation" angekündigt worden. Unter anderem dort, wo die jungen Leute ohnehin viel unterwegs sind: Auf der Facebook-Seite des JUZ. Ronny Labuda hat den Hinweis gelesen. Extra deswegen ist der 14-Jährige nach langer Zeit wieder mal ins Jugendzentrum gekommen: "Ich wollte wissen, was so ganz ohne Technik abgeht" sagt er. Während er an seiner Cola nippt, ist es ungewöhnlich ruhig im Café: Musikberieselung gibt's auch nicht.



Ronny sagt, dass er kein Problem hat, länger ohne Handy oder Computer auszukommen. Er spielt Badminton, geht zum Fechten, spielt Theater und ist damit gut ausgelastet. Das sagt auch Sergej Brabander von sich: Internet gibt es mangels Internet-Flat nicht auf dem Handy sondern nur daheim am PC. Und dass man all diese Geräte auch einmal ganz ausschaltet, ist für Sergej selbstverständlich: Bei Box-Training muss es schließlich auch "ohne" gehen.

Im JUZ sind an diesem Nachmittag nur Jungs. Sich zu beschäftigen, fällt ihnen nicht schwer. Aber könnten sie länger als einen Tag auf Handy und PC verzichten? Einige sind skeptisch. Nur ein Tag... das sei schon in Ordnung.

Für manchen ist das schon zu viel: Zwei Gäste stutzen nur kurz, als "Bonsai" ihnen erklärt, dass die Handys ausbleiben müssen. Dann schütteln sie abwehrend den Kopf. Noch unter der Tür drehen sie um und gehen wieder.