Wie sauber ist unsere Luft? Wie stark ist die Strahlenbelastung im Umfeld des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld? Die Experten, die diese Fragen jederzeit genau beantworten können, arbeiten in Kulmbach. Im Schloss Steinenhausen sitzt Nordbayerns geballte Fachkompetenz in Sachen Umweltschutz.

"Unser Aufgabengebiet ist vielfältig und reicht von Umweltbeobachtung über Luftgütemessungen und Abfallüberwachung bis hin zum Strahlenschutz", sagt Klaus Buß, Leiter der Kulmbacher Dienststelle, der mit seinen Mitarbeitern einen Tag der offenen Tür zur Feier des 25-jährigen Bestehens vorbereitet: Am kommenden Sonntag sind alle Interessierten eingeladen, sich bei Führungen, Vorträgen und Vorführungen über die Arbeit der Umweltfachleute zu informieren und einen Blick ins Innere des schönen Schlosses zu werfen.

Das Landesamt für Umwelt (LfU) ist Bayerns zentrale Fachbehörde für Umwelt- und Naturschutz, Geologie und Wasserwirtschaft. Es erhebt und bewertet Daten über den Zustand der Umwelt, erstellt fachliche Gutachten, ist Aufsichts- und Genehmigungsbehörde und berät Wirtschaft, Wissenschaft, Kommunen und Politik. Der Hauptsitz ist in Augsburg. In der Dienststelle Kulmbach arbeiten rund 60 Mitarbeiter: Physiker, Chemiker, Ingenieure, technische Mitarbeiter und Verwaltungspersonal bilden ein interdisziplinäres Team.

Pflanzen als Bioindikatoren

Ein Teil davon beschäftigt sich mit der Umweltbeobachtung. Dazu werden in landesweiten Messnetzen so genannte Bioindikatoren untersucht. "Uns interessiert, inwieweit Pflanzen Luftschadstoffe anreichern. Dazu untersuchen wir Graskulturen und Grünkohl, die Metalle und organische Schadstoffe aus der Luft anreichern." Die Pflanzen werden in Töpfen an Dauerbe obachtungsstationen in unterschiedlichen Regionen aufgestellt. "An den Stationen sammeln wir auch Niederschlag. Er enthält Staub, Metalle, Säuren und Stickstoff."

Die Mitarbeiter betreiben außerdem Messnetze mit bis zu hundert Messpunkten, die gleichmäßig in ganz Bayern verteilt sind. Klaus Buß: "Damit beobachten wir Veränderungen der Schadstoffbelastung. Fichtennadeln zum Beispiel speichern Dioxine und Furane."

Damit die Luft sauber bleibt

Ständig überwacht werden muss der Gehalt an Schadstoffen in der Luft. Dafür betreibt das Landesamt das Lufthygienische Landesüberwachungssystem. Die automatisch arbeitenden Stationen erfassen Feinstaub, Stickstoffdioxid, Stickstoffmonoxid, Ozon, Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid und Schwefelwasserstoff als Halbstundenmittelwerte. Die Messergebnisse werden mehrfach täglich über Datenleitung an die Zentrale nach Augsburg übertragen und im Internetangebot des LfU veröffentlicht. Die Ozonwerte werden im Sommer tagsüber sogar stündlich aktualisiert. Die 29 nordbayerischen Stationen werden von der Dienststelle Kulmbach aus betreut.

Klaus Buß' eigenes Fachgebiet ist der Strahlenschutz. "In unserer technisierten Gesellschaft ist der Einsatz künstlicher radioaktiver Stoffe weit verbreitet", sagt der Physiker. "Wir sorgen dafür, dass es durch den Umgang damit nicht zu Schäden kommt."

Einsatzgebiet Nummer eins sind Medizin, Forschung und Technik. Ob Klinik, Forschungsstelle oder Gewerbebetrieb - in den Regierungsbezirken Ober-, Unter- und Mittelfranken und der Oberpfalz muss der Umgang mit radioaktiven Stoffen von den Kulmbachern genehmigt werden. Mit tragbaren Messgeräten werden regelmäßig vor Ort die Strahlungswerte ermittelt.

Die Kulmbacher sind auch für das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld zuständig. Buß: "Wir überwachen die Emissionen, die Dosisleistungen, denen das Personal und die Umgebung ausgesetzt sind, und die Behandlung radioaktiver Abfälle." Daneben habe man in den vergangenen Jahren auch den Rückbau des Atomkraftwerks Kahl zur "grünen Wiese" begleitet. Es war das erste deutsche Kernkraftwerk, das 1961 Strom ins Netz geliefert hat.
Und noch eine wichtige Aufgabe übernimmt Kulmbach, und zwar für ganz Bayern: Die Überwachung gefährlicher Abfälle. Wenn beispielsweise der Landkreis Kulmbach den Bürgern eine Problemmüllsammlung anbietet, werden die eingesammelten Mengen über ein elektronisches Meldesystem erfasst. "So kann man genau verfolgen, wo die Stoffe beseitigt oder verwertet werden", erläutert Jürgen Kohl von der zentralen Stelle Abfallüberwachung.



Tag der offenen Tür am 13. Oktober


Schloss Steinenhausen 1988 wurde in Melkendorf die damalige Außenstelle des Landesamts für Umweltschutz eingerichtet. Hintergrund war die Zunahme umwelttechnischer Aufgaben des Landesamts in Nordbayern nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl. Der technische Umweltschutz und die Aufsicht über kerntechnische Anlagen war Aufgabe der 13 Mitarbeiter.

Festakt Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Dienststelle Kulmbach findet am Sonntag, 13. Oktober, um 12 Uhr ein Festakt mit geladenen Gästen statt.

Tag der offenen Tür Die Bevölkerung ist von 13 bis 17 Uhr willkommen. Es gibt Führungen, Vorträge und ein Kinderprogramm. Besichtigt werden können das Strahlenmessfahrzeug und das Luftgütemessfahrzeug. Dazu gibt es Infos und Ausstellungen der verschiedenen LfU-Referate.

Führungen 14, 15 und 16 Uhr Führungen durch das Strahlenmesslabor, 15.30 Uhr Einblicke in die Haustechnik, 14.30 und 16.30 Uhr historische Führungen.

Vorträge 13.30 Uhr Radon, 15 Uhr praktische Energiespartipps, 16 Uhr Ausstieg aus der Kernenergie.

Bayern-Tour Natur 11 und 14 Uhr naturkundliche Führungen unter dem Titel "Nabelschau im Garten eines Umweltamtes



Mehr Infos im Netz:

aktuelle Informationen zum Thema Luftschadstoffe:
für Umwelt">http://www.lfu.bayern.de/luft/index.htm#a0101

Wissenswertes zur Abfallüberwachung
http://www.lfu.bayern.de/abfall/index.htm#a0800

Radioaktivität in der Umwelt
http://www.lfu.bayern.de/strahlung/ifr_messdaten/index.htm