Frei sein - unmittelbar mit der Landschaft um sich verbunden - mit Freunden zusammen sein und dennoch den eigenen Gedanken nachhängen. Es gibt viele Gründe warum Pfarrer Stefan Lipfert das Motorrad fahren so liebt. Ja, der Seelsorger, der seit Sommer 2009 die evangelische Gemeinde Kasendorf betreut, ist ein echter Fan. Und nicht nur das: Er hat für sich entdeckt, dass seine Maschine ihm Gott besonders nahe bringt. "Auf dem Motorrad bist Du in Gottes Hand. Du riechst, Du fühlst, Du spürst die Umgebung, durch die Du fährst. Bremsen und Gas geben - das alles ist so unmittelbar".

Diese Erfahrungen will Stefan Lipfert gerne teilen. Deshalb hat er bereits in den 90er Jahren - damals noch Pfarrer in Lautertal - sein Hobby in seinen Beruf integriert und spezielle Motorrad-Gottesdienste angeboten. In den folgenden Jahren kamen kleinere Ausfahrten mit Gleichgesinnten hinzu, und diese Tradition ist bis heute erhalten geblieben.

Mittlerweile hat sich ein Arbeitskreis gegründet: "Kirche und Krad" (KuK) in den Dekanaten Thurnau, Kulmbach und Coburg hat die Organisation übernommen. Mehrmals im Jahr wird zu großen Ausfahrten gestartet.2003 bot Stefan Lipfert gemeinsam mit einem katholischen Diakon das erste Mal eine Pilgerreise nach Assisi an. Vor zwei Jahren folgte die nächste Pilgerreise. "Wir sind dafür jeweils zehn Tage unterwegs - das ist eine unglaubliche Erfahrung", erinnert er sich. Vor wenigen Monaten ging es dann erneut auf in Richtung Assisi. 25 Motorradbegeisterte machten sich mit 20 Maschinen auf den Weg gen Süden.

Vom Handwerker bis zum Arzt

Die Fahrer sind so verschieden wie sie nur sein könnten, vom Handwerker bis zum Arzt, vom Verwaltungsangestellten bis zum Künstler ist alles vertreten. "Es ist eine tolle Gemeinschaft, alle sind aktiv und haben Lust an der Bewegung. Man erreicht die Leute an einer spirituellen Schnittstelle, an der sie empfänglich sind."

"Man lebt viel intensiver"

Alle erleben das Gleiche, aber jeder erlebt es ganz verschieden. Auch Leute, die eigentlich nichts mit Kirche am Hut haben, sind begeistert dabei. Und die Pilgerfahrt hat tatsächlich viele geistliche Aspekte. "Man ist mitten in der Natur und erlebt alles ganz ungefiltert - das ist eine sehr spirituelle Erfahrung", sagt Pfarrer Lipfert, der überzeugt ist, dass manche einen auch die Gefahr zu Gott bringt. "Auf dem Motorrad ist man verletzlich, man fährt und man lebt viel intensiver."

Für Nicht-Biker ist das vielleicht schwer nachzuvollziehen, doch echte Freaks kommen aus dem Schwärmen nicht heraus. Sich gemeinsam auf den Weg machen: Das wollen die Motorradfans aus der Region weiterhin. Auch im nächsten Jahr sind einige mehrtägige Touren geplant. Für Senioren gibt es jeweils ein kürzeres Angebot. Schließlich sind die regulären Fahrten wie auch die Pilgerreise sehr anstrengend.

Stefan Lipfert hat sich inzwischen als Motorrad-Pfarrer einen solch guten Namen gemacht, dass zum Beispiel auch der Motorradgottesdienst bei der großen Sternfahrt, die alljährlich zum Saisonauftakt in Kulmbach stattfindet, von ihm geleitet wird.

Am Samstag Saisonabschluss

Am Samstag wird die Saison 2014 standesgemäß beendet. Mit einem KuK-Gottesdienst um 9 Uhr. Danach führt noch eine kleine Tour nach Betzenstein in der "Fränkischen". Und dort wird sicher schon an den Touren fürs nächste Jahr gefeilt.