Der Kulmbacher Komponist Horst Lohse ist 70 Jahre alt geworden. Anlässlich seines Jubeltags hatte die Stadt Kulmbach mit der Städtischen Musikschule, der Oberfrankenstiftung, mit Musik Franz und dem Kantorat ein Konzert zu Ehren des Kulmbachers in der Petrikirche auf die Beine gestellt. Im Mittelpunkt stand Lohses "Neue Musik".

Ein Preisträger

Die Werke, die der 1943 in Kulmbach geborene Komponist verfasst hat, sind europaweit erklungen. Lohse kann Aufführungen in St. Petersburg und in Rom vorweisen, er hat den Friedrich-Baur-Preis für seine Leistungen erhalten. In Fachkreisen ist er eine Berühmtheit. Und es war auch Lohse, der 1986 den Verein Neue Musik in Bamberg mitbegründet hat. Bis 1991 fungierte er als Vorsitzender, immer wieder machte er mit seiner neuen Musik von sich reden.

Blumen für die Ehefrau

Horst Lohse ist aber nicht nur Komponist. Er war als Grundschullehrer in Bamberg tätig, Lehrbeauftragter an der Hochschule für Musik in Würzburg. Stadtrat Eddi Trapper erinnerte an die Stationen des Kulmbachers und freute sich über das Konzert, das zu seinen Ehren initiiert worden ist. Während musikalisch Horst Lohse mit seinen drei Liedern "To the river", "Eldorado", "A dream" nach Gedichten von Edgar Allan Poe den Ton vorgab, stahl dem Komponisten die eigene Ehefrau Sabine Lohse, Tochter des Künstlers Caspar Walter Rauh, die Schau: Sie hatte am Konzertabend Geburtstag und heimste deshalb den Blumenstrauß ein. Der Ehemann nahm es gelassen, denn seine Musik prägte den Abend.

Der Zyklus "Fischgesänge"

So interpretierten Johannes Künel (Gitarre) und Michael Herrschel (Sprecher) zu den Bildern von Caspar Walter Rauh Gedichte aus dem Zyklus "Fischgesänge". Die Gedichte stammen aus der Feder des Kronacher Schriftstellers und Künstlers Ingo Cesaro. Und auch mit der Komposition "Fremder Vogel" aus der Oper "Sabelita", die vor zwei Jahren entstanden ist und 2012 vollendet wurde, zeigte Horst Lohse sein Kompositionstalent. Michael Herrschel las den Text, Monika Teepe (Sopran) und Lorenz Trottmann musizierten.
Doch nicht nur Weltliches wurde thematisiert. Horst Lohse hat sich auch der sieben Todsünden angenommen und diese musikalisch interpretiert. Sirka Schwartz-Uppendieck spielte "Luxuria - Wolllust", "Acedia - Trägheit" und "Avaritia - Geiz" auf der Orgel - und rührte die Zuhörer im Herzen an.

Im Rampenlicht

Beim Konzert für Horst Lohse erklangen nicht nur eigene Kompositionen, sondern auch andere Kulmbacher Komponisten - oder auch Komponisten, die einen Bezug zu Kulmbach haben, wurden ins Rampenlicht gerückt. Harald Streit und Lorenz Trottmann spannten den Bogen in die Vergangenheit und ließen die Intrada und Galliarda in G von Johann Staden erklingen. Johannes Staden wurde 1581 in Nürnberg geboren, war ab 1604 Organist des Bayreuther Markgrafen. Nach einem Brand hat er 1605 seine Residenz nach Kulmbach verlegt. Anja Gimpel-Henning, Lisa Stenglein, Susanne Trottmann und Walter Schleicher spielten - ebenfalls von Johann Staden - vier Tanzsätze aus "Neue Teutsche Lieder".

Das "Albumblatt"

Auf dieser Komposition ist sogar "Culmbach" als Ortsangabe vermerkt. Von Sigmund Theophil Staden, dem zweiten Sohn Johann Stadens, erklangen zwei Arien aus der Oper "Seelewig". Das war immerhin die erste deutsche Oper, die noch vollständig erhalten ist. Monika Teepe (Sopran) sang, Lorenz Trottmann spielte auf dem Klavier. Beim Konzert stand auch das "Albumblatt" von Johann Lauterbach, einem in Kulmbach geborenen Komponisten, der als Geigenvirtuose bekannt wurde und Konzertmeister der Sächsischen Staatskapelle in Dresden war, auf dem Programm.

Die Überraschung

Als Überraschung gab es in der Petrikirche noch zwei Welt-Uraufführungen zu hören. Verfasst hatte sie der erst 21 Jahre alte Lorenz Trottmann aus Kulmbach, der Klavier an der Hochschule für Musik in Nürnberg sowie Posaune studiert. Trottmann spielte das sehr zarte und ansprechende Werk "Fragmente, op. 19" sowie "Die Stadt". Er wurde begleitet von Julia Häusler (Sopran).