Als "Scheusal" wird er in den Chroniken bezeichnet, als "altmodisches Schnitzwerk". 1859 muss der hölzerne Taufengel dem Zeitgeist weichen und wird durch einen Taufstein ersetzt. Lange gingen die Heimatforscher davon aus, dass der Taufengel vernichtet wurde. Bis ihn Restaurator Uwe Franke aus Wernstein und der Kulmbacher Kreisheimatpfleger Harald Stark am 14. November 2011 entdeckten. Eine kleine, historische Sensation.

Hinter der Treppe im Kirchturm war der Taufengel hinter einem Stapel Stühle unter einer Plane verborgen. Ein Torso war übrig geblieben, erinnert sich Restaurator Franke. Arm, Finger und Flügel fehlten ebenso wie das Gewölk, auf dem der Engel steht. Dennoch war die Freude über den Fund groß. Kreisheimatpfleger Stark: "Wir waren schier begeistert. Uns war klar, das musste der verschwundene Taufengel sein."

Pfarrer Raimund Pretzer wurde hinzugerufen. Und ihm fiel ein, dass sich noch Teile einer Figur im Pfarrarchivschrank befanden. Bis dato wusste man aber nicht, zu welcher sie gehörten. Die Frage war schnell geklärt: Sie konnten nur zum Engel passen.

Im Zuge der Nachforschungen über den Taufengel wurde gleich das ganze Pfarrarchiv sortiert und neu geordnet. Die ältesten Unterlagen reichen bis in das Jahr 1642 zurück. Somit konnte die Geschichte des Taufengels lückenlos nachvollzogen werden. Demnach gab seine Erbauung der Gärtenrother Pfarrer Georg Gottfried Eberlein 1688 in Auftrag. Gestiftet hatte den Taufengel ein Fräulein von Weißenbrunn. Acht Taler kostete es ihr. Aufgestellt wurde der Engel irgendwann zwischen 1688 und 1702.

Die Irrfahrt des Engels begann vor rund 155 Jahren, als er dem Dorfpfarrer offenbar so missfiel, dass er 1859 weichen musste und durch einen Taufstein ersetzt wurde. Der Taufengel verschwand.

"Die Geschichte ist ihm ins Gesicht geschrieben", sagt Restaurator Uwe Franke. "Man sieht, wie der Engel gelitten hat." Gleichzeitig verleihe ihm das aber ein bisschen ein majestätisches Aussehen. Die Patina wurde erhalten und nicht totrestauriert, betont Franke weiter. "Man sieht deutlich, was zum ursprünglichen Bestand gehört. Aber erst auf den zweiten Blick."

Für seine Restaurierungsarbeiten diente Franke ein Engel aus einer Kirche in Atzmannsdorf bei Erfurt in Thüringen als Vorlage. Die Figur war ihm über die Stiftung Denkmalschutz bekannt.

Eine Taufe hat der Engel seit seiner Rückkehr ins Gotteshaus aber noch nicht erlebt. "Weil's seitdem noch keine Kinder gegeben hat", erklärt Pfarrer Pretzer ganz pragmatisch. Obwohl auch noch nicht ganz klar ist, ob der Engel den Taufstein ersetzt. "Wir freunden uns mit dem Engel an und schauen, was wir mit ihm machen." Obwohl er da offensichtlich schon einen Hintergedanken hat: "Es ist ja ein Taufengel."