Bei einem Gastspiel in ihrer alten Heimat hat Luise Wunderlich das Leben Martin Luthers aufleben lassen. Wunderlich stammt aus Himmelkron, ist Schauspielerin und Sprecherin beim Südwestdeutschen Rundfunk. Begleitet wurde sie an dem Abend in der Spitalkirche von Bernd Settelmeyer, der die Lesung mit einem Arsenal an Percussion-Instrumenten illustrierte.

Es war eine sehens- und hörenswerte Performance, die Luise Wunderlich in Kulmbach präsentierte. Wunderlich, die auf einem Bauernhof in Himmelkron aufgewachsen ist und schon als Schülerin von einer Schauspielkarriere geträumt hat, zeigte in der Spitalkirche ihr Programm "Das Maul immer weiter auftun". Ein Programm, das die verschiedenen Facetten des Reformators Martin Luther aufzeigen wollte.

Wunderlich hat nach dem Abitur an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst studiert, ist seit Jahren mit literarischen und kabarettistisch angehauchten Programmen auf den Bühnen unterwegs. Außerdem ist sie Sprechlehrerin und Sprecherin beim SWR.


Besondere Effekte

Begleitet wurde sie in Kulmbach von Bernd Settelmeyer, einem "Forscher im Reich der Klänge und Rhythmen", wie sich Settelmeyer selbst bezeichnet. Settelmeyer bereicherte die Zitate und gesprochenen Worte mit einem ganzen Arsenal an Schlaginstrumenten.

Besondere Effekte erreichte der Spezialist, indem er das Vibraphon mit einem Bogen strich oder Klanginstrumente einsetzte, die sonst nur bei Hörfunk- und Fernsehproduktionen im Einsatz sind, und einzigartige Lautmalereien betrieb.


Streitsüchtiger Mensch?

Doch wer war Martin Luther nun? Ein streitsüchtiger Mönch, der vom Teufel gezeugt wurde, ein Ketzer, ein Antichrist, ein mit sich hadernder Mensch, der niemals zufrieden sein konnte - oder ein Held, der den Menschen die Bibel zugänglich gemacht hat? "Dass ich Mönch geworden bin, verdroß meinen Vater", hatte Luther einmal selbst über sich gesagt. "Ich habe eine entlaufene Nonne zum Weibe genommen und ich bin dem Papst in die Haare gefahren", waren einige der harmloseren Zitate. "Ich will der Hölle entlaufen mit meiner Möncherei", hat Luther erklärt. Doch aus Briefen gibt es auch andere Bilder, die die verschiedenen Facetten des bis heute weltberühmten Reformators aufzeigen. Luther haderte mit sich selbst, klagte sich an, hatte immer wieder Angstzustände, wenn er die Christusfigur erblickte.


"Wenn ich einen Furz lasse"

Er kämpfte laut Wunderlich gegen den Ablasshandel, veröffentlichte schließlich seine Thesen, die zur Spaltung der evangelischen und katholischen Kirche führten, und kämpfte einen erbitterten Kampf gegen die etablierte katholische Kirche. "Wenn ich einen Furz lasse, soll man es bis Rom riechen", war eines seiner deftigen und den Papst provozierenden Zitate, das natürlich in der Lesung nicht fehlen durfte.


Luther und die Familie

Luise Wunderlich vergaß in ihrem Programm nicht, auch auf Luthers antijüdische und antisemitische Einstellungen einzugehen. Und auch Luthers Beziehung zu seiner Frau und zu seinen Kindern wurden in der szenischen Lesung beleuchtet.