Für gleichwertige Lebensverhältnisse in allen Landesteilen und für einen Hochschulstandort "Lebensmitteltechnik" tritt Ehrenfried Bittermann ein. Wir haben mit ihm gesprochen.

Der neue Stimmkreis ist sehr groß. Wie kann es ein Abgeordneter schaffen, dauerhaft in der Fläche präsent zu sein?
Ehrenfried Bittermann: Für einen Kandidaten ist das wegen der großen Entfernungen schon schwierig. Für einen gewählten Abgeordneten ist das leichter, aber auch nicht immer möglich. Die Arbeit für die Region ist wichtiger als die Anwesenheit bei jedem Fest. Durch die Lage sind zwei Bürgerbüros notwendig, um die Wege für den Bürger zumutbar zu halten.

Nach wie vor gibt es eine unterschiedliche Entwicklung der Teilregionen Oberfrankens, was sicher auch eng mit der demographischen Entwicklung zusammen hängt. Die spiegelt sich auch im Landkreis Kulmbach wider. Wie kann der Freistaat hier entgegen wirken?
Indem die Staatsregierung ihrer Ankündigung, gleichwertige Lebensbedingungen für alle Einwohner des Freistaates zu schaffen, auch Taten folgen lässt. Das würde der demographischen Entwicklung entgegen wirken. Wir wollen Investitionsförderung für Oberfranken, Auslagerung von Behörden nach Oberfranken und das Ende der überhöhten Förderungen für den Münchner Raum.

Die Gemeinden Bad Berneck, Himmelkron, Marktschorgast, Neuenmarkt und Wirsberg wollen als ein gemeinsames Mittelzentrum ausgewiesen werden, Anträge gibt es auch aus Stadtsteinach/Untersteinach und Thurnau. Bisher scheinen die Bemühungen nicht von Erfolg geprägt. Wie stehen Sie zu den Überlegungen?
Die Bemühungen sind ein Zeichen dafür, dass die Bürger an ihre Zukunft glauben und sie mitgestalten wollen. Wir brauchen aktive Gemeinden und Kreise, um den ländlichen Raum lebenswert zu gestalten. Nur so gelingt es, junge Menschen in der Region zu halten und junge Familien zu gewinnen.

Kulmbach ist ein Schwerpunkt für Lebensmittelproduktion und -Forschung. Wie kann der Freistaat hier flankierend weitere Ausbaubemühungen unterstützen?
Zum Beispiel durch die Unterstützung eines Hochschulstandorts "Lebensmitteltechnik" in Kulmbach. Das brächte junge Menschen nach Kulmbach, von denen einige in der Region bleiben. Ausbildungsstätten für Lebensmittelkontrolle und -überwachung wären auch eine Möglichkeit.

Ein Thema, das kein unmittelbar landespolitisches ist: Die Ortsumgehung in Untersteinach und Kauerndorf kommen nicht voran. Kann der Freistaat helfen?
Es ist zwar kein unmittelbar landespolitisches Thema, aber das Land kann mit seinem Einfluss im Bund doch Richtung weisen. Bei der Umgehung Untersteinach- Kauerndorf muss man die zwei Seiten sehen. Einerseits eine großflächige Versiegelung von Boden und ein großer Eingriff ins Landschaftsbild, andererseits ist aber die Belastung der Bürger entscheidend. Ähnlich ist es in Stadtsteinach, wo sich die B 303 durch den historischen Ortskern zwängt.

Die Landwirte - auch im Landkreis Kulmbach - sind in keiner einfachen Situation. Vorschriften und Ansprüche, sinkende Preise für Lebensmittel und der demographische Wandel setzt ihnen zu. Sehen Sie Ansätze, ihnen zu helfen?
Es wurden schon Maßnahmen getroffen, der Erhalt des Kulmbacher Schlachthofes ist hier stellvertretend zu nennen, wie auch die vielen Selbstvermarkter und Bauernmärkte. Weiter muss die staatliche Förderung stärker die Produktionsbedingungen der Landwirte berücksichtigen. Ein Betrieb im Frankenwald/Fichtelgebirge hat durch seine Mittelgebirgslage mit leichteren, weniger ertragreichen Böden bedeutend schwerere Produktionsbedingungen als ein Betrieb in der Magdeburger Börde, der mit guten klimatischen Verhältnissen auf den besten Böden Deutschlands arbeitet. Das muss sich in der Höhe der Direktzahlungen widerspiegeln.

Sie wollen, dass die Landwirtschaft mehr auf Nachhaltigkeit und Ökologie setzt. Wie kann das funktionieren?
Die Landwirte sind Kulturträger im ländlichen Raum, sie leisten eine flächendeckende Pflege der Kulturlandschaft. Die ökologischen Leistungen der Landwirtschaft für Wasser, Boden, Arten- und Tierschutz müssen über entsprechende Programme honoriert werden. Das ist ohne ausufernde Bürokratie zu regeln.

Auf welche Themen setzen Sie noch?
Auf ein Bayern, das Nein zu grüner Gentechnik sagt, aber Ja zur Sicherung der Produktion hochwertiger Lebensmittel und zum Schutz unserer bäuerlichen Familienbetriebe. Denn ein Nebeneinander von konventioneller und biologischer Landwirtschaft auf der einen Seite und von gentechnisch verändertem Anbau auf der anderen ist nicht möglich. Darauf, die Umsetzung der Energiewende mit all ihren Schwierigkeiten voran zu bringen. Und auf Unterstützung von Familien und der Bildung, durch ein Erziehungsgehalt, Ehegattensplitting und den kostenlosen Zugang zur Bildung.

Person Ehrenfried Bittermann ist am 25. Dezember 1958 geboren. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und ist als Landwirtschaftsmeister im Außendienst tätig.

Partei Für die Ökologisch-Demokratische Partei kandidiert er in den bevorstehenden Wahlen für den Landtag.