Schulleiter Siegfried Sesselmann hat für die aktuelle Schülerzahl-Prognose- und die Hochrechnungen der SPD nur einen Kommentar: "Das ist wie der Blick in die Glaskugel - und die Glaskugel ist sehr trüb."

Der Marktleugaster Schulleiter sieht sein Haus noch auf Jahre gesichert. "Wir werden im nächsten Jahr sogar zwei erste Klassen bekommen. Und der Kindergarten Marktleugast hat derzeit hundert Kinder, das entspricht drei Jahrgängen. Das heißt, die Prognose wird nicht so kommen, wie sie ist", sagt Sesselmann.

Ortsnahe Beschulung wichtig

Außerdem gebe es einen Mittelschulverbund. Und der ist genau auf die demographische Entwicklung ausgerichtet. Sollte es mit den Schülerzahlen einmal eng werden, dann ist der Verbund darauf ausgelegt, diese "Löcher" in den einzelnen Schulen abzufedern. "Wir wollen auch in Zukunft die Standorte sichern und eine ortsnahe Beschulung, denn wir wollen nicht, dass die Schüler, die in der Peripherie wohnen, benachteiligt sind", sagt Sesselmann.

Im nächsten Schuljahr wird es in Stadtsteinach/Untersteinach, Neuenmarkt/Wirsberg und Marktleugast/Grafengehaig an jeder Schule über 100 Schüler geben. "Wir werden an allen drei Schulstandorten die Klassen 5 bis 9 durchgängig anbieten können", stellt Sesselmann klar.

Natürlich stünden die Zahlen noch nicht fest. Aber das hänge einzig und allein daran, wie die Übertrittszahlen ausschauen. Denn die Fünftklässer wechseln mit dem Jahreszeugnis an weiterführende Schulen. "Wir wissen also erst im August, wie viele Schüler wir wirklich in den sechsten Klassen haben", erklärt Sesselmann.

Übergreifender Sport- und Musikunterricht?

Gleichzeitig schlage sich der Schulverbund mit der Frage herum, wie man 600 Wochenstunden an den drei Schulen so verteilen kann, dass man auf 570 Wochenstunden kommt - denn nur so viele Stunden hat der Mittelschulverbund zur Verfügung. "Aber wir wollen bewusst keine Klassen auflösen. Deshalb überlegen wir, ob wir Musik und Sport jahrgangsübergreifend zusammenlegen können, um so Stunden einzusparen", erklärt Sesselmann.
"Die ganzen Prognosen laufen derzeit auf Zahlenspielereien hinaus. Die 54 prognostizierten Schüler für nächstes Jahr, wie sie die SPD-Studie vorhersieht, sind definitiv falsch", sagt Sesselmann.

Natürlich sieht der Schulleiter den demographischen Wandel und die Probleme, die damit einhergehen. "Ich glaube auch nicht, dass die Übertrittszahlen, die derzeit bis siebzig Prozent liegen, wieder abnehmen. Im Gegenteil", sagt Sesselmann und betont, dass sich die Realschule wohl zur Regelschule entwickeln wird. "Das ganze Schulsystem wird sich verändern. Man kann nichts vorhersagen."

Wollen keine Reisebüros eröffnen

Auch Bürgermeister Norbert Volk mag sich der Schwarzmalerei der SPD nicht anschließen. "Dass die Kinder weniger werden, ist jedem klar. Aber für die nächsten Jahre ist unsere Schule nicht in Gefahr", so Volk. "Was in den Jahren nach 2020 kommt, wird man sehen. Aber wir wollen keine Reisebüros eröffnen, wir wollen eine ortsnahe Beschulung beibehalten." Und weiter: "Marktleugast ist im Schulverbund nicht der schwache Partner", sagt der Bürgermeister und weist darauf hin, dass es andere Gemeinden gibt, die extrem von Landflucht betroffen sind oder in denen gar keine Kinder mehr leben.